Vater, Sohn von Venusfalle betäubt und beraubt

Prickelnder Prozess am Wiener Landl: Eine Wienerin (27) hatte Vater und Sohn mit Schlafmittel betäubt und ausgeraubt. Und: Davor schon hatte der Sohn Viagra eingeworfen.
Eine gebürtige Serbin (österreichische Staatsbürgerin) musste heute wegen Raubes vors Wiener Landesgericht. Die 27-jährige Grundschulabsolventin (teils in Wien, teils in Serbien) hatte jahrelang das Vertrauen eines gut situierten Mannes (er hat sogar eine Haushälterin) genossen, machte Einkäufe und Bankgeschäfte für den Wiener. Dadurch kannte sie auch die Codes des Opfers. Der Junior dürfte schon längere Zeit heimlich in die Balkanschönheit verliebt gewesen sein.

Ihr damaliger Freund brachte die Mindestsicherungsbezieherin (Anm.: bezog 100 Euro wöchentlich von einem Verein, putzte ihr Einkommen mit Drogendeals auf) auf die Idee, die beiden Herren abzustieren. Die 27-Jährige meldete sich Ende Jänner 2019 bei Vater und Sohn, fragte unschuldig, ob sie kommen dürfe. Die beiden Herren freuten sich über die Gesellschaft, sie aßen gemeinsam, dann ging sie kurz weg, um "Zigaretten zu holen".

In Wahrheit traf sie ihren Lover (wird gesondert verhandelt) ums Eck, der übergab ihr ein Prothipendyl-haltiges Medikament (Anm.: Schlafmittel, in Österreich als Dominal bekannt) und Kokain für den Eigenbedarf, damit sie die Sache auch wirklich durchziehe.

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Die 27-Jährige trank gegen Mitternacht mit Vater und Sohn Sekt, blieb via Social Media stets in Kontakt mit ihrem Freund. Dann meinte sie jedoch, der Sekt sei zu warm, schlich mit dem Getränk ins Bad und mengte das Schlafmittel bei. 20 Minuten später lagen Vater und Sohn flach. Die 27-Jährige nahm daraufhin 10.000 Euro aus der Mappe des Vaters, die Geldbörse des Sohnes sowie Bankomat- und Kreditkarte. Nach 1 Uhr verließ sie schließlich die Wohnung, traf gleich im Anschluss ihren Freund im 15. Bezirk.

Dann hob das Duo 400 Euro ab, später nochmals 1.500 Euro, ein weiterer Versuch scheiterte. Am Vormittag versuchte es die 27-Jährige nochmals beim Geldautomaten, da wurde die Karte aber eingezogen. Fast das gesamte Geld übergab sie ihrem Ex-Freund, selbst eher ein "Flachgeist", dieser kaufte sich noch am selben Tag einen Porsche. Ihr Anwalt Andreas Reichenbach: "Sie durfte 1.000 Euro behalten, kaufte sich Kleidung drum. Sie hat rein in seinem Auftrag gehandelt."

Viagra und Schlafmittel

Die beiden Herren erwachten erst kurz vor 11 Uhr und bemerkten, dass sie beinhart ausgeraubt worden waren. Vater und Sohn erstatteten schließlich Anzeige. Ein Bluttest samt Gutachten ergab, dass sie Schlafmittel verabreicht bekommen hatten. Und sehr hart für den Junior: Der Sohn hatte schon davor - in der Hoffnung auf eine heiße Nacht – Viagra eingeworfen.

Der Wiener Anwalt Reichenbach zum Gutachten: "Das war für die Anklage relevant – eben ob es ein schwerer Raub oder 'normaler' Raub war. Hätte meine Mandantin den beiden etwa K.O.-Tropfen verabreicht, wäre es ein schwerer Raub gewesen."

Die Angeklagte zeigte sich beim Prozess voll geständig und reuig, kam mit einer teilbedingten Haftstrafe davon. Urteil: 18 Monate teilbedingte Haft, davon vier Monate unbedingt (rechtskräftig). Die 27-Jährige hat die vier Monate bereits in U-Haft verbracht, durfte somit nach Hause gehen.

(Lie)

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