Ukraine

Vater sucht seinen Sohn und gerät ins Visier des Kremls

Nachdem das russische Flaggschiff Moskwa gesunken war, suchen viele Väter ihre Söhne. Dmitry Shkrebets wird dies nun zum Verhängnis. 
20 Minuten
06.06.2022, 21:03

Mit dem Sinken der "Moskwa" am 14. April 2022 verlor der Kreml nicht nur das Flaggschiff seiner Schwarzmeerflotte, sondern mutmaßlich auch Dutzende Soldaten. So berichten russische Oppositionsmedien davon, dass mehrere Angehörige von auf dem Lenkwaffenkreuzer stationierten Besatzungsmitgliedern auch fast zwei Monate nach der Versenkung des Schiffes durch ukrainische Raketen noch immer auf ein Lebenszeichen ihrer Kinder warten und keine Unterstützung vom russischen Militär erhalten.

Einer von ihnen ist Dmitry Shkrebets. Vor dem Untergang der "Moskwa" war der 43-Jährige noch ein Anhänger von Wladimir Putin, nun sind auf seinem V-Kontakte-Profil Bilder des russischen Präsidenten mit der Überschrift "Wer ist hier der Lügner?" zu finden. Immer wieder äußert sich Shkrebets kritisch zur russischen Regierung, die ihn seit dem Sinken des Flaggschiffes laut eigener Angabe permanent belügt. Zeitweilig stand er auch im Kontakt mit einer Frau, der die russische Regierung 15.000 Dollar angeboten haben soll, um ihren Sohn als tot zu erklären.

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Der Kreml hat nach dem Untergang der "Moskwa" Dutzende Matrosen, die nicht an Land gebracht wurden, als vermisst eingestuft. Obwohl eine Rettung mehr als 50 Tage später mehr oder weniger aussichtslos sein dürfte, weigert sich die russische Regierung weiterhin, den Tod der Soldaten anzuerkennen. Seither nimmt Dmitry Shkrebets bei der Kritik am Kreml kein Blatt mehr vor den Mund und ist auf Spurensuche zum Verbleib seines 20-jährigen Sohnes Egor. "Mir ist das Schlimmste passiert, was einem Vater passieren konnte. Ich habe meinen Sohn verloren", sagt der Russe im Gespräch mit der "Bild". "Deswegen habe ich vor niemandem Angst. Ich schreibe die Wahrheit und werde das auch weiterhin tun."

Vater wird nun bedroht 

Diese Wahrheit scheint besonders den russischen Behörden gar nicht zu gefallen. Vor kurzem durchsuchte die Polizei seine Wohnung und beschlagnahmte seinen Computer. Grund für den Einsatz? "Sie werfen mir vor, dass ich Bombendrohungen verschickt habe, ein absurder Vorwurf", sagt Shkrebets. Laut den Ermittlern soll für das Abschicken der Drohungen eine VPN genutzt worden sein, mit der sich die ursprüngliche IP-Adresse des Computers verbergen lässt.

Weshalb Shkrebets sich extra die Mühe gemacht hätte, eine VPN zu nutzen, um dann die Bombendrohung trotzdem mit dem Satz "Ich, Dmitry Shkrebets, hasse die Behörden" zu eröffnen und damit seine Identität preiszugeben, konnten ihm die Polizisten allerdings auch nicht logisch aufzeigen. In seinem aktuellsten Post, der am Pfingstsonntag abgesetzt wurde, schreibt Shkrebets davon, dass nicht mal der ehemalige Separatistenführer Igor Girkin genau wisse, was mit dem Flaggschiff der Schwarzmeerflotte tatsächlich passiert sei.