Am Tag ihrer Matura schilderte eine junge Israelin ihrer christlichen Familie ihre Zukunftsplänen mit ihrem muslimischen Freund. Einen Tag später war sie tot.
Die 17-jährige Henriette K. wurde am 13. Juni, nur einen Tag nach ihrer Matura ("bagrut"), tot in der Wohnung ihrer Familie in der Stadt Ramla (Israel) aufgefunden. Die Ermittler brauchten nicht lange nach der Todesursache zu suchen, im Nacken der Teenagerin klafften mehrere Stichwunden.
Über ihren Vater Sami (58), ihren Bruder und einen Onkel wurde sofort die Untersuchungshaft verhängt. Sie sollen die Bluttat vorbereitet haben, nachdem der Familienfrieden wegen der jungen Liebe über Wochen in Trümmern gelegen hatte.
Wie die "Daily Mail" berichtet, hatte sich Henriette in einen jungen Muslimen verliebt – ein Schock für die strenggläubige arabisch-christliche Familie.
In den Wochen vor ihrem gewaltsamen Tod sei es immer wieder zu heftigen Familienstreitigkeiten gekommen sein. Am 12. Juni erreichte der Hass ihrer Eltern offenbar den Höhepunkt.
Henriette erzählte einem Familienangehörigen von ihren Zukunftsplänen. Sie hätte Geld für ihren Freund gebunkert, der gerade eine Haftstrafe aussitzen musste. Sobald ihr Liebster wieder freien Fußes sein würde, wollte die 17-Jährige selbst zum Islam konvertieren – der Verwandte erzählte dies offenbar ihren Eltern brühwarm weiter.
Mordprozess gegen Vater
Am Tag darauf wurde die junge Frau von ihrem eigenen Vater ermordet. Er stand jetzt vor Gericht und zeigte auch einen Monat nach der Bluttat keine Reue. Henriette hätte "die Ehre der Familie beschmutzt und ihn (ihren Vater, Anm.) beschämt", schilderte er während des Prozesses, wie die "Jerusalem Post" berichtet.
Vor ihrem Tod soll die 17-Jährige noch erschreckende Nachrichten an eine Freundin gesendet haben: "Du glaubst nicht, was sie mir angetan haben... sie schicken Leute, um mich zu töten", heißt es in einer davon. "Sie suchen an jedem erdenklichen Ort nach mir". Der Nachrichtenverlauf ist ein Protokoll des Schreckens: "Du weißt nicht, was für eine Angst ich habe. Ich glaube nicht, dass ich stark genug bin, abzuhauen und für mich selbst zu sorgen", schreibt die 17-Jährige.
Der Mordfall hat in den religiösen Gemeinschaften der Stadt Ramla – bei Christen, Juden und Muslimen gleichermaßen – eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Anwälte des Vaters sprechen unterdessen von einem Hetz-Prozess gegen ihren Mandanten. Es gebe keinerlei Beweise, dass Sami K. den Mord begangen habe. Ein abschließendes Urteil steht noch aus.
(rcp)