Wegen schweren sexuellen Missbrauchs, Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses und Blutschande musste ein 66-jähriger Mindestpensionist jetzt in Krems auf die Anklagebank: Er soll laut Anklage in den Jahren 2012 und 2013 im Waldviertel seine unmündige Tochter (damals 7 bzw. 8 Jahre alt) missbraucht haben.
Der ganzen Sache geht ein nicht alltäglicher Obsorgestreit und eine wilde Geschichte voraus: Der Frühpensionist hatte nach einigen Herzinfarkten und einer längeren Drogen- und Häfenvergangenheit die Obsorge für seine zwei Kinder verloren. Als der Mann dann auf Kur ging, gab er die Tochter im Landesjugendheim ab. Damals schon hatte ein Freund des Vaters unter Missbrauchsverdacht gestanden, doch die Ermittlungen wurden eingestellt. Denn: Der Freund war zum vermeintlichen Tatzeitpunkt im Krankenhaus.
Nach Beendigung der Kur wurde das Mädchen wieder ins Heim gebracht, lebte fortan dort. Die Obsorge hatte nur noch die Jugendwohlfahrt der zuständigen Bezirkshauptmannschaft. Der Vater durfte sein Kind nur noch am Wochenende sehen.
Damals war der Vater, noch keine 60 Jahre alt, empört: "Die sagen, ich hätte den Gesundheitszustand eines 85-Jährigen, würde die Volljährigkeit meiner Tochter nicht mehr erleben, sie verwahrlosen lassen, sie nicht erziehen können." Der damals 58-Jährige ging dann gegen das Jugendheim vor. Zwei Mitbewohnerinnen seiner Tochter hätten das Mädchen geschlagen und bedroht.
Der Vater zeigte schließlich die Heimleitung wegen unterlassener Aufsichtspflicht an. Die beiden Mädchen zeigte er wegen Erpressung und Körperverletzung an. Die Vorwürfe hielten aber nicht stand, der Vater plante sogar eine Demo am Wiener Stephansplatz, um auf seinen Fall aufmerksam zu machen.
Dann kamen die Anschuldigungen der eigenen Tochter gegen den mittlerweile 65-Jährigen auf. Die heute 17-Jährige hatte behauptet, ihr Vater hätte sie vor zehn Jahren mehrmals missbraucht. Es gab mehrere Gutachten, die der Tochter eine gewisse psychische Auffälligkeit und Geltungssucht attestierten.
Laut Anwalt des 65-Jährigen sei die Geschichte frei erfunden, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die andere Tochter entschlug sich vor Gericht der Aussage, die 17-Jährige blieb bei den Vorwürfen.
Der Prozess in Krems am Mittwoch wurde dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgeführt und endete mit einem Freispruch im Zweifel (rechtskräftig).