Ungewöhnliches Symptom

Vegetarierin halluziniert von Speck – keiner glaubt ihr

Als Lucy Younger plötzlich unter Migräne und (Geschmacks-)halluzinationen leidet, wird sie nicht ernst genommen. Dann kollabiert sie...
Heute Life
03.11.2023, 23:00
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Lucy Younger aus dem englischen Cornwall zog im September 2018 in die Hauptstadt, um Englische Literatur an einer Londoner Universität zu studieren. Doch nur wenige Monate später begann die damals 18-Jährige unter starker Migräne und Geschmackshalluzinationen zu leiden, die oft seltsame oder unangenehme Geschmäcker hervorrufen. Trotz wiederholter Arztbesuche wurden die Symptome der jungen Frau – zu denen auch visuelle Halluzinationen und ein Déjà-vu-Gefühl gehörten – einfach auf Angstzustände und Depressionen zurückgeführt. Man verschrieb ihr Antidepressiva.

Younger erinnert sich: "Ich habe mich voll und ganz in das Londoner Leben gestürzt. Ich wollte das Beste aus meinem Leben machen. Ich habe tolle Freunde gefunden und mich gut eingelebt, doch dann fing ich an, sehr starke Migräneanfälle zu bekommen. Ich saß in den Vorlesungen und sah rosa Elefanten im Raum. Ich dachte, ich würde verrückt werden." Als Vegetarierin aß Younger weder Wurst noch Fleisch, konnte aber während der Halluzinationen den Geschmack von Speck in ihrem Mund schmecken. "Ich fragte mich: 'Warum schmecke ich gerade jetzt Speck?'".

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"Seien sie nicht albern"

Nachdem sie sich jedoch mit Covid infiziert hatte, verschlimmerten sich ihre Symptome, und sie litt unter Krampfanfällen und Taubheitsgefühlen auf einer Seite ihres Körpers. Sie suchte erneut ihren Hausarzt auf und fragte: "Könnte es ein Hirntumor sein?". Er sagte: "Seien Sie nicht albern, Sie sind 19 Jahre alt, Sie sind fit und gesund. Niemand im Alter von 19 Jahren bekommt einen Hirntumor, das ist hormonell bedingt." Rückblickend kritisiert sie, dass man ihr nicht zugehört hat. "Ich wurde von den Ärzten immer wieder abgewiesen." Auch die Antidepressiva, die man ihr verschrieben hatte, hätten "nichts bewirkt", da sie nicht depressiv war.

Diagnose: Hirntumor

Doch als sie sich 2020 in Cornwall aufhielt, brach sie zusammen und erlitt einen Krampfanfall. Sie ging in die Notaufnahme, wo die Ärzte feststellten, dass sie an Schläfenlappen-Epilepsie litt, die ihre Anfälle auslöste. Infolge dessen wurde ein MRT gemacht, der einen gutartigen Gehirntumor zeigte. Solche Geschwülste können den Geschmackssinn beeinträchtigen. Bei diesen nicht krebsartigen Tumoren handelt es sich um eine Ansammlung von Zellen, die relativ langsam im Gehirn wachsen und Kopfschmerzen und epileptische Anfälle auslösen. Ein chirurgischer Eingriff ist das Mittel der Wahl, um diese Tumore zu entfernen. Younger unterbrach ihr Studium für ein Jahr, um sich dem Eingriff zu unterziehen und sich zu erholen. 

Auf Hirntumor folgte Schilddrüsenkrebs

Während ihres Masterstudiums, Anfang 2023, plagten Younger Erkältungs- und Grippesymptome. Sie suchte abermals ihren Hausarzt auf, der sie zu einer Ultraschalluntersuchung und einer Biopsie überwies, bei der sich herausstellte, dass sie Schilddrüsenkrebs im ersten Stadium am Hals hatte. Der Krebs befällt die kleine Drüse an der Basis des Halses, die Hormone produziert. "Sie sagten: 'Schilddrüsenkrebs ist wirklich selten, Sie sind jung, fit, gesund und ein Mädchen, wir glauben nicht, dass es Krebs ist'. Aber ich glaubte ihnen nicht." 

Das war gut so, denn wie sich herausstellte, war es wirklich Krebs. Inzwischen wurde Younger die Hälfte ihrer Schilddrüse entfernt, sie nimmt Medikamente gegen Epilepsie und unterzieht sich zweimal im Jahr einer Gehirnuntersuchung. Sie plädiert dazu, sich nicht mit der ersten Diagnose zufrieden zu geben, wenn man Zweifel daran hat. "Du kennst deinen Körper besser als jeder andere, und wenn du wirklich glaubst, dass etwas nicht stimmt, musst du auf Tests und Beratung drängen. Wenn ich den ersten Ratschlag befolgt hätte, wüsste ich immer noch nicht, dass ich einen Hirntumor habe, und ich hätte auch nicht erfahren, dass ich Schilddrüsenkrebs habe."

{title && {title} } red, {title && {title} } 03.11.2023, 23:00