Ein 28-jähriger Venezolaner wurde in Austin während einer Essenslieferung von ICE angeschossen und an einen unbekannten Ort gebracht. Der Mandant von Kate Lincoln-Goldfinch wurde "in den Rücken geschossen", wie die Anwältin Stunden vor Journalisten erklärt hat. "Die Kugel wurde nicht entfernt, er erhielt keine Schmerzmittel, und er wurde an die ICE übergeben – in ein Abschiebezentrum, wo er die Nacht ohne Bett verbringen musste."
Der Venezolaner selbst schilderte den Vorfall am Telefon gegenüber Journalisten. Laut NTV hat er erzählt, dass er am Sonntag gerade eine Lieferung für den US-Lieferdienst Doordash ausgetragen hat, als ein ICE-Mitarbeiter sein Auto gerammt und ihn angeschossen hat. Er habe große Schmerzen, weil der Schuss sein Schlüsselbein zertrümmert hat. Im Spital, in das er zuerst gebracht wurde, konnte die Kugel wegen der Nähe zum Rückenmark nicht entfernt werden. "Mir geht es nicht gut, die Kugel ist immer noch in meinem Körper."
Der Venezolaner wurde also am Sonntag angeschossen. Die Behörden gaben an, dass er eine Schussverletzung am Oberkörper erlitten hat. Zuerst kam er in ernstem, aber stabilem Zustand ins Krankenhaus in Austin.
Das Heimatschutzministerium erklärte später, dass der Mann bis zu seiner Abschiebung in Gewahrsam bleibt. Der Venezolaner sei unter dem demokratischen Präsidenten Joe Biden "illegal in unser Land eingereist". Es gibt bereits eine rechtskräftige Abschiebeanordnung gegen ihn. Nach dem Schusswaffenvorfall laufen Ermittlungen gegen den ICE-Beamten, das Ministerium wird dabei von der US-Bundespolizei FBI unterstützt.
ICE spielt eine zentrale Rolle beim harten Vorgehen der US-Regierung gegen irreguläre Einwanderung. Die Behörde steht in den USA immer wieder wegen Festnahmen und Abschiebungen, aber auch wegen ihrer aus Sicht von Kritikern brutalen Methoden in der Kritik. Es kommt immer wieder zu Protesten gegen ICE. Im August wurden laut Heimatschutzministerium rund 50.000 Migranten ohne gültige Papiere festgenommen.
Nach dem Vorfall in Austin sind in der texanischen Stadt Dutzende Menschen auf die Straße gegangen. Rund 100 Demonstranten haben sich am Montagabend vor dem Kapitol in Austin versammelt, um gegen das Vorgehen der ICE zu protestieren. "Sie entführen unsere Nachbarn", sagte die 40-jährige Rosalie Kendall über die Einwanderungsbehörde. "Sie lassen Menschen verschwinden, die Teil unserer Gesellschaft sind."