Verbindungsbahn: Initiativen machen gegen Projekt mobil

2024 sollen die Bauarbeiten der Verbindungsbahn S80 zwischen Hütteldorf und Meidling beginnen. Bis 2028 soll das Projekt fertig gestellt sein.
2024 sollen die Bauarbeiten der Verbindungsbahn S80 zwischen Hütteldorf und Meidling beginnen. Bis 2028 soll das Projekt fertig gestellt sein.ÖBB/Feuchtenhofer
2024 soll der Ausbau der Verbindungsbahn starten, die ÖBB informieren in Hietzing über das Projekt. Kritik kommt von Seiten der Bürgerinitiativen.

In einer halben Stunde sollen die Wiener künftig mit der S80 von Hütteldorf nach Aspern Nord gelangen – die Attraktivierung der Verbindungsbahn macht's möglich. Seit im März ein positiver Bescheid im Umweltverträglichkeits-Prüfungsverfahren (UVP) erlassen wurde, ist beim Projekt alles auf Schiene – wir berichteten.

Durch die Arbeiten soll ein 15-Minuten-Takt von Ost nach West möglich sein. Die Bahn gewährleistet außerdem eine Anbindung an alle fünf Wiener U-Bahn-Linien und den Hauptbahnhof (Favoriten). Zwei neue und eine modernisierte Haltestelle soll der Nahverkehr in Hietzing künftig besser nutzbar sein.

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Bürgerinitiativen kritisieren Baumfällungen und "Teilung des Bezirks"

Auf Widerspruch stößt das Projekt bei Hietzinger Bürgerinitiativen, die nun gemeinsam mit der Umweltorganisation "Alliance for Nature", dem "Klima Verein" sowie Privatpersonen eine Beschwerde gegen den UVP-Bescheid beim Bundesverwaltungsgericht einbringen. Zwar befürworte man die bessere Anbindung des Bezirks an das S-Bahn-Netz durch neue Stationen und dichtere Intervalle. Kritik gibt es allerdings an fehlender "echter" Bürgerbeteiligung in der Planung, keinen "ernsthaften Variantenprüfungen", Lärmbelästigung durch Güterverkehr sowie einer fehlenden Radinfrastruktur zwischen Meidling und Penzing. Das Projekt sei grundsätzlich zu groß dimensioniert, Hochbahn und Überführungen würden zu einer Teilung des Bezirks führen.

Zudem wünscht man sich ein Nachtfahrverbot für Güterverkehr, um nächtliche Lärmbelästigung zu verhindern. "Mit dem Vorhaben der ÖBB wird der Güterschwerverkehr geradezu gefördert und intensiviert – mitten durch mehrere Bezirke der Bundeshauptstadt Wien", kritisiert "Alliance for Nature" - Generalsekretär Christian Schuhböck. Die Rodung von 925 Bäumen sorgt ebenso für Unmut: "Warum ist das in einer Klimamusterstadt Wien heute noch möglich?", fragt Peter Pelz von der Initiative "verbindungsbahn-besser". "In einer Stadt, die nachweislich eine der vom Klimawandel am stärksten betroffenen sein wird, ist nicht nachvollziehbar, warum ein Kahlschlag des wichtigen Grünkorridors erfolgt." 

ÖBB informieren im Bezirk: "Sind überzeugt, ein gutes Projekt auf die Beine zu stellen"

Die ÖBB versprechen Nachpflanzungen für die Rodungen: "Es sind 430 neue Bäume vor Ort und zusätzlich 200 neue Bäume an anderer Stelle im Bezirk geplant", so ein Sprecher gegenüber "Heute". "Außerdem pflanzen wir 1.000 Sträucher entlang der Strecke und es wird eine Ausgleichsfläche geben." Mit Lärmschutzwänden wolle man jeglicher Belastung entgegenwirken, zudem stehen Fensterförderungen für die oberen Geschosse in Aussicht. Der Güterverkehr bleibe "so wie jetzt auch schon". "Es gibt eine gültige UVP, dieses Projekt wurde auf Herz und Nieren geprüft. Wir sind überzeugt, ein gutes Projekt auf die Beine zu stellen", heißt es.

Auf Initiative des Bezirks starteten die ÖBB am Montag einen Ideenwettbewerb für die Gestaltung der Verbindungsbahn. Der zweistufige Wettbewerb findet in Abstimmung mit der Stadt und der Kammer der Ziviltechniker:innen, Architekt:innen und Ingenieur:innen Wien, Niederösterreich und Burgenland österreichweit statt. Gefragt sind Ideen und Konzepte für die Gestaltung der Verbindungsbahn sowie der angrenzenden öffentlichen Platz- und Umfeldbereiche. Dazu gehören die Gestaltung der Haltestellen Hietzinger Hauptstraße und Speising inklusive deren Vorplätzen, Bepflanzungsvorschläge entlang der Strecke, die Gestaltung von Lärmschutzwänden, der Brückentrasse zwischen dem Wiental und der Beckgasse und die Gestaltung der neuen Unterführung in der Jagdschloßgasse und deren Vorplätzen. Bis 13. Mai informiert die ÖBB im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in der Speisinger Straße 3 über das Projekt. Infos und Anmeldung: www.oebb.at

Bezirkschefin Kobald will Bahntrasse an örtliches Stadtbild anpassen

"Es freut mich sehr, dass die Stadt Wien und die ÖBB auf die Forderung des Bezirks eingegangen sind, dass eine Anpassung der Gestaltung der Verbindungsbahntrasse in Bezug auf das örtliche Stadtbild und die Umgebung unbedingt notwendig ist", so Bezirksvorsteherin Silke Kobald (ÖVP). "Denn die Trassenführung der Hochlage führt durch historisch und stadtgestalterisch sensible Bereiche mit Gründerzeitbauten, entlang der Klimt Villa und quert die Sichtachse zwischen Ober St. Veit und Schönbrunn.

Ein Wermutstropfen sei, dass die Gestaltung der Konstruktion von Brücken und Tragwerken der Verbindungsbahn sowie der eigentlichen Stationsbauten, wie Treppen, Lifte, Bahnsteige, Bahnsteigdächertrotz jahrelanger Forderungen nicht Gegenstand des Wettbewerbs seien. "Das hätten wir uns zusätzlich gewünscht, um im Stadtgebiet, das von historischen Bauten geprägt ist, von der 0815 Fertigteil-Architektur der ÖBB wegzukommen", führt Kobald aus. Die Bezirkschefin hofft auf viele Ideen und appelliert: "Es besteht hier die Chance ein Jahrhundert-Bahnbauprojekt in der Begleitplanung und das Erscheinungsbild der Vorplätze und der Umgebung der Verbindungsbahntrasse mitgestalten zu können."

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