Szene

Verbrannte Hexen und eingemauerte Nonnen

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:11

Von wegen "gute alte Zeit": In Wien konnte es durchaus passieren, dass einem ein gnädiger Henker Säckchen mit Schwarzpulver um den Hals hängte, was jedenfalls auf dem brennenden Scheiterhaufen die Qualen tatsächlich minderte - da das explodierende Pulver für einen relativ raschen Tod sorgte. Derartige "Glücksmomente" und ähnliche Furchtbarkeiten sind in "Dunkle Geschichten aus dem Alten Wien" von Barbara Wolflingseder versammelt.

Von wegen "gute alte Zeit": In Wien konnte es durchaus passieren, dass einem ein gnädiger Henker Säckchen mit Schwarzpulver um den Hals hängte, was jedenfalls auf dem brennenden Scheiterhaufen die Qualen tatsächlich minderte - da das explodierende Pulver für einen relativ raschen Tod sorgte. Derartige "Glücksmomente" und ähnliche Furchtbarkeiten sind in "Dunkle Geschichten aus dem Alten Wien" von Barbara Wolflingseder versammelt.

Das im Pichler-Verlag erschienene Buch ist vermutlich nicht die optimale Lektüre für alle jene, die in der finstere Jahreszeit nach Aufheiterung suchen. Wer nach historisch verbürgten Grausamkeiten fahndet, wird hingegen fündig. Die Autorin widmet sich dabei Morden genauso wie diversen Erscheinungsformen struktureller Gewalt. Letztere war etwa in kirchlichen Einrichtungen verbreitet - wenn auch oft im verborgenen.

So machte ein Pater in der Nacht auf den 24. Februar 1782 eine erstaunliche Entdeckung im Kapuzinerkloster am Neuen Markt. Er stieß auf den - ihm bisher nicht bekannten - klostereigenen Kerker im Keller, in dem ein Mönch seit 52 Jahren unter ziemlich elenden Bedingungen eingesperrt war. Auch andere Orden kannten diese Praxis, obwohl Maria Theresia schon 1769 Maßnahmen getroffen hatte, die Klostergefängnisse aufzulassen.

Verbrennungen, Räderungen und andere Foltereien

Barbara Wolflingseder schildert auch die Geschichte einer Nonne, die im 14. Jahrhundert eingemauert wurde - eine seltene, aber effektive Hinrichtungsmethode. Auch der "Gänseweide" wird ein Besuch abgestattet. Es handelt sich dabei um die ehemalige Hinrichtungsstätte im 3. Bezirk. Ab dem 14. Jahrhundert wurden die jeweiligen Delinquenten dort vor allem verbrannt.

Auch auf die Geschichte der Todesstrafe wird, anlässlich der Schilderung der letzten "Räderung", im Jahr 1786 eingegangen. Die Folter ist ebenfalls Thema, allerdings nicht nur die staatlich sanktionierte. Denn es wird auch die Geschichte eines Ehemannes geschildert, der seine Frau zu Tode quälte. Dass Todesqualen auch zur Unterhaltung dienten, beschreibt die Autorin im Beitrag über das Hetztheater.

Wiens feschester Mörder und der stümperhafteste Henker finden in dem 176 Seiten umfassenden Buch ebenso Erwähnung wie eine 23-Jährige, die ihren Alkoholiker-Gatten 1809 ins Jenseits beförderte, was ihr das gleiche Schicksal bescherte - nämlich eine Hinrichtung am Galgen. Ergänzt werden die Erzählungen durch zahlreiche Bilder, etwa historische Fotos oder Gemälde.

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