Österreich

Verfahren gegen Diakonie wegen Vernachlässigung

Heute Redaktion
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Bild: ORF Pressestunde

Wegen struktureller Mängel und Einsparungen sollen Bewohner in einem Heim der Diakonie schwer vernachlässigt worden sein. Die Vorwürfe gegen Wohnen Steinergasse, eine vom Diakoniewerk geführte sozialpädagogische Einrichtung für Minderjährige und junge Erwachsene mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Wien-Hernals, wiegen schwer.

Aus strukturellen Mängeln heraus sollen mehrere Kinder falsche Medikamente oder Sondennahrung erhalten haben, in einem Fall sei einer jungen Klientin trotz chronischer Schluckerkrankung festes Essen zugeführt worden. Das berichtete "derstandard.at" am Freitag.

Kinder haben begonnen, sich selbst zu verletzen und zu beschmutzen, im Erbrochenen eines Mädchens wurde ein Stück Holz entdeckt. Bei mehreren Bewohnern wurde eine massive Unterschreitung der täglichen Flüssigkeitszufuhr gemessen, die zu Verstopfung und erhöhter Temperatur führte. Trotz mehrmaliger Hinweise durch Betreuer seien die Vorkommnisse lange ununtersucht geblieben, ebenso wie Gewichtsverluste und vermehrte chronische Brechanfälle.

Abgesagte Therapien, keine Arzttermine

Eine Klientin erhielt trotz konstanter Angstzustände und zugesicherter Kostenübernahme keine Psychotherapie. Freiheitsbeschränkungen sollen in Widerspruch zum Heimaufenthaltsgesetz angeordnet worden sein. Musiktherapien wurden ebenso abgesagt wie medizinische Schulungen für die Betreuer. Dutzende Visiten durch Allgemein- und Fachärzte blieben zum Teil mehr als ein halbes Jahr lang aus.

Eine mehrere A4-Seiten lange Liste mit der systematischen Dokumentation aller Missstände, die laut einem Insider auf systematisches Fehlmanagement und Einsparungen durch die Geschäftsführung des Diakoniewerks zurückzuführen sind, zwang die Magistratsabteilung 11 im Dezember 2016 zur Intervention. Ein Aufsichtsverfahren wurde eingeleitet, bestätigt das Jugendamt, dem sich das Diakoniewerk als Träger vertraglich zur Erfüllung der Betreuungsaufgaben verpflichtet hatte.

20 Patienten bereits umgesiedelt

Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) wurde als Sachverständiger zur Begutachtung hinzugezogen, und da auch einige volljährige Bewohner betroffen sind, wurde der Fonds Soziales Wien eingeschaltet. Seit Verfahrensbeginn wurden sieben von 20 jungen Patienten in neue Einrichtungen umgesiedelt.