IT-Sicherheit in der Industrie

Vergessene Fernzugänge: Ein Einfallstor

Dienstleister-Zugänge sind der häufigste Einstiegspunkt für Cyberangriffe auf Industrieanlagen - und werden am schlechtesten kontrolliert.
Technik Heute
20.07.2026, 18:03
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Wenn in einer Industrieanlage ein Sicherheitsvorfall die Produktion lahmlegt, ist oft ein verwaister Fernwartungszugang die Ursache. Diese Zugänge wurden einst eingerichtet, um Verfügbarkeitsprobleme zu lösen - heute bieten sie jedoch unbeaufsichtigten Zugang zu kritischen Produktionssystemen.

Die Zahlen sind alarmierend: In Industrieumgebungen beginnen rund 50 Prozent aller Sicherheitsvorfälle mit nicht autorisierten externen Zugriffen über Remote-Wartungskanäle für Dienstleister. Gleichzeitig verfügen weniger als 15 Prozent der Infrastrukturbetreiber über robuste Kontrollen für Fernzugriffe.

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Laut Computerwoche ist die Lage besonders brisant, da seit Dezember 2025 das NIS-2-Umsetzungsgesetz in Kraft ist. Dieses verpflichtet rund 30.000 Organisationen in Deutschland, ihre Lieferketten abzusichern und Multi-Faktor-Authentifizierung zu nutzen. Die Geschäftsleitung haftet dabei persönlich.

Warum gefährliche Zugänge überleben

In der Praxis finden sich bei Bestandsaufnahmen immer wieder vergessene Zugänge: veraltete VPN-Konten, Mobilfunkrouter in Schaltschränken oder installierte Fernwartungs-Tools. Ein erheblicher Teil dieser Zugänge existiert nur in den Köpfen der Mitarbeiter, nicht in Dokumenten.

Sammelkonten wie "Service" oder "Wartung" sind dabei besonders problematisch, da sie keine Zurechenbarkeit ermöglichen. Experten empfehlen personalisierte Kennungen, bei denen der Standardzustand "deaktiviert" ist und jeder Zugang aktiv genehmigt werden muss.

Vier Stufen zur Risikoreduktion

Betreiber können die Sicherheit in vier Stufen verbessern: Zuerst eine vollständige Inventur aller bestehenden Zugänge, dann vertragliche Regelungen mit Dienstleistern, anschließend technische Maßnahmen wie eine zentrale Fernwartungs-DMZ und schließlich laufende Überwachung und automatisches Löschen inaktiver Konten nach 90 Tagen.

Der häufigste Befund bei Sicherheitsaudits: Aktive Konten aus längst beendeten Verträgen. Die konsequenteste Lösung ist eine "Beweislastumkehr" - nicht die Sperrung muss begründet werden, sondern der Fortbestand eines Zugangs.

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