In Wien-Penzing sind Montagfrüh mitten in der Hauptverkehrszeit zwei Schnellbahngarnituren miteinander kollidiert. Konsequenz: 49 Menschen wurden verletzt, fünf davon schwer, 36 leicht. Zwei Personen schweben in Lebensgefahr. Grund für den schweren Zwischenfall war eine Weichenstörung. Der zuständige Fahrdienstleiter hätte daraufhin keinesfalls beiden Züge die Fahrt erlauben sollen. Doch der ÖBB-Angestellte vergaß, ein Signal umzustellen.
In Wien-Penzing sind Montagfrüh mitten in der Hauptverkehrszeit zwei Schnellbahngarnituren miteinander kollidiert. Konsequenz: 49 Menschen wurden verletzt, fünf davon schwer, 44 leicht. Zwei Personen schwebten vorerst in Lebensgefahr, ihnen geht es inzwischen besser. Grund für den schweren Zwischenfall war eine Weichenstörung. Der zuständige Fahrdienstleiter hätte daraufhin keinesfalls beiden Züge die Fahrt erlauben sollen. Doch der ÖBB-Angestellte vergaß, ein Signal umzustellen.
Der Grund für den Unfall war höchstwahrscheinlich eine menschliche Fehlleistung des zuständigen Fahrdienstleiters. Nach einer technischen Störung bei einer Weiche (vermutlich witterungsbedingt) musste das Störungsprozedere vom Fahrdienstleiter in Penzing manuell in Kraft gesetzt werden, dabei wurde höchstwahrscheinlich vergessen ein Signal umzustellen. Der Zug von Penzing nach Hütteldorf hätte keine Fahrerlaubnis bekommen dürfen. In den nächsten Tagen soll ein endgültiger Bericht vorliegen, eine Unfallkommission ist bereits mit der Aufklärung beschäftigt.
Die Züge sind im betroffenen Streckenabschnitt normalerweise mit etwa 80 km/h unterwegs. Mehr als genug, um ein schweres Unglück zu verursachen.
Frontral-Crash: 44 Leicht-, 5 Schwerverletzte
Laut ÖBB ereignete sich der Unfall um 8.45 Uhr auf der Höhe Zehetnerstraße. Als zahlreiche Wiener und Pendler auf dem Weg in die Arbeit waren, krachten zwei voll besetzte Züge der Vorortelinie S45 auf gerader Strecke frontal ineinander. Wie die Rettung bestätigte, wurden bei dem Zwischenfall fünf Menschen schwer und 44 leicht verletzt.
Die mit 80 Mann und 19 Fahrzeugen angerückte Feuerwehr musste einen Passagier, der unmittelbar hinter der Lokführerkabine gesessen war, mit hydraulischem Gerät befreien. Der Passagier und der Bahn-Bedienstete wurden vom Notarzthubschrauber Christophorus 3 ins Unfallkrankenhaus Meidling gebracht. Christophorus 9 flog eine 25-jährige Frau sowie einen 54-jähriger Mann ins AKH. Das fünfte schwerverletzte Opfer, eine Frau, wurde ins Wilhelminenspital eingeliefert.
Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch den ganzen Tag dauern. Der Umstieg auf die U4 und U6 wird empfohlen. Für die rund 50 Einsatzkräfte der Rettung wurde die Zehetnergasse zwischen Hadikgasse und Linzer Straße sowie die Baumgartenstraße zwischen Guldengasse und Zehetnergasse gesperrt. Insgesamt waren 150 Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter und Polizisten im Einsatz.
Andere Fahrgäste geschockt
Zum Abtransport der Schwerverletzten standen auch zwei Notarzthubschrauber (Christophorus 3 und 9) im Einsatz. Viele der Passagiere haben laut ÖAMTC vermutlich einen Schock erlitten. Die Bergung aller Fahrgäste gestaltete sich langwierig. Erst nach 10.30 Uhr konnten die auch die letzten Passagiere die Waggons verlassen.
Hunderte Menschen saßen am Weg zur Arbeit fest. Dort, wo sich der Zusammenprall der Schnellbahnzüge ereignet hat, verläuft die Strecke der Vorortelinie eingleisig. Der Streckenabschnitt zwischen Hütteldorf und Gersthof (S45) ist gesperrt.
Heute-Mitarbeiter entkam Unglückszug
Unter den Passagieren kamen Zweifel am Krisenmanagement der ÖBB auf. Diese hätten zunächst zwar durchgesagt, dass es zu Zugverspätungen kommen würde, rieten aber nicht, auf die U4 umzusteigen. Daher standen viele Menschen ratlos am Bahnsteig herum, bis sie sich eigenständig für die Weiterfahrt mit der U-Bahn entschieden, wie Heute.at-Mitarbeiter Alex B. erzählt, der mit dem Railjet aus St. Pölten nach Hütteldorf gekommen war - ebenfalls mit einer halben Stunde Verspätung. "Wäre der Railjet pünktlich gewesen, wäre ich ebenfalls in dem Unglückszug gesessen, so der Mitarbeiter.
"In Hütteldorf wurden die Fahrgäste dann aufgefordert, den Zug zu verlassen, da die Verbindung zum Westbahnhof nicht möglich war", erzählt Alex B. Darafhin stiegen die meisten Passagiere in die U-Bahn um. Ein paar Hartnäckige warteten trotzdem auf die S-Bahn. Diese ließ jedoch auf sich warten - trotz Ankunftsanzeige auf dem Bildschirm. Der Mitarbeiter kam dann mit 75 Minuten Verspätung in die Arbeit.
Chronologie der schwersten Bahnunglücke in Wien
21.01.2013: Zwei Schnellbahngarnituren der Vorortelinie (S45) stoßen auf der Westbahnstrecke in Penzing frontal zusammen. Mehrere Menschen werden schwer verletzt, mehr als ein Dutzend leicht verletzt.
28.09.2012: Die Lokomotive und der erste Waggon eines Intercity nach Salzburg springen kurz nach der Abfahrt vom Westbahnhof aus den Schienen. Es wird niemand verletzt.
20. 06.2011: Beim Westbahnhof kollidieren eine Verschublok und eine Lok mit einer Garnitur leerer Waggons. Zwei Verschubmitarbeiter werden verletzt.
09.10.2009: Eine Schnellbahn stößt beim Matzleinsdorfer Platz mit einem Oberbauzug zusammen, beide sind auf dem gleichen Gleis unterwegs. Ein ÖBB-Mitarbeiter des Baufahrzeugs wird schwer, 13 Passagiere werden leicht bis mittelschwer verletzt.
30.04.2007: Am Südbahnhof kommt es zur seitlichen Kollision zweier Verschubzüge. Ein ÖBB-Mitarbeiter wird schwer verletzt.
28.09.2006: In der sogenannten Oswald-Schleife im Bereich Schöpfwerk-Tscherttegasse auf der Verbindungsstrecke zwischen West-und Ostbahn stößt ein Schnellzug aus Ungarn mit einer Draisine zusammen. Vier ÖBB-Arbeiter werden verletzt, drei von ihnen schwer.
27.02.2002: Zwei Güterzüge prallen in Simmering aufeinander. Die beiden Lokführer werden verletzt. Aus einem Kesselwaggon tritt tonnenweise Aminoharz aus.
18.02.1993: Drei Menschen kommen ums Leben und rund 30 werden verletzt, als in Penzing in der Nähe des Bahnhofs Hütteldorf ein Regionalzug und eine Schnellbahngarnitur frontal zusammenstoßen. Ein Zug aus Neulengbach prallt mit rund 30 km/h gegen eine etwa 60 km/h schnelle S-Bahn-Garnitur.
9. 11.1991: Nahe der Haltestelle Süßenbrunn an der nordöstlichen Stadtgrenze sind drei Schnellbahngarnituren in einen Unfall verwickelt. Vier Menschen sterben, 30 erleiden teilweise schwere Verletzungen.
17.08.1981: Menschliches Versagen ist die Ursache dafür, dass ein Pendlerzug im Südbahnhof auf einen Prellbock fährt. Drei Menschen sterben, 140 werden verletzt