Der Missbrauchsskandal von Rotherham sorgt auch Jahre nach seinem Ende für Aufregung. Einem Vergewaltiger wurde eine Rolle im Leben seines gewaltsam gezeugten Kindes angeboten.
2014 flog im englischen Rotherham ein riesiger Missbrauchsskandal auf. Zwischen 1987 und 2013 wurden dort 1.400 Kinder und Jugendliche systematisch missbraucht und sexuell versklavt. Schon damals war von Versagen der Behörden, Polizei und Politik die Rede.
Versagen oder zumindest mangelnde Sensibilität den Opfern gegenüber steht nun erneut im Raum. Ein Opfer von damals schlägt nun Alarm: Sie wurde nach einer Vergewaltigung schwanger, dem Täter wurde nun eine Rolle im Leben seines gewaltsam gezeugten Kindes angeboten.
Der Vater ihres Sohnes, der sie vergewaltigte, war damals Bandenchef. Laut britischem Gesetz soll er das Kind nun besuchen dürfen.
Sammy Woodhouse prangert das an und outet sich gleichzeitig in der Öffentlichkeit als eines der Opfer. Sie war damals 15 Jahre als und fungierte später als eine der Schlüsselzeuginnen im Prozess. Der Chef der britisch-pakistanischen Bande, ihr Peiniger Arshid Hussain, wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.
Der Mann stelle für ihren Sohn und auch sie selbst eine Gefahr da, sagt Woodhouse.
In einem emotionalen Video erklärt sie den Sachverhalt und bittet die Politik, hier die Gesetze zu ändern. Denn solche Fälle gäbe es häufig in Großbritannien:
Was sagt die Stadt Rotherham dazu? Ein Sprecher verteidigt die Entscheidung. Man sei gesetzlich verpflichtet, bei Fürsorgeverfahren die Eltern zu informieren, ob sie nun das Sorgerecht hätten oder nicht. Die Gefühle der Betroffenen könne man aber verstehen.
Das Justizministerium wiederum widersprach der Stadt Rotherham. Es läge im Ermessen der Behörden, bei Gericht ein Schweigerecht gegenüber dem Elternteil zu beantragen, das kein Sorgerecht besitzt. Man wolle die Versäumnisse nun nachvollziehen und thematisieren, heißt es. (red)