"Sie weinte Tag und Nacht und nässte das Bett"

Lucia (11) wurde vergewaltigt und daraufhin schwanger. Die Behörden ließen sie jedoch nicht abtreiben. Jetzt erzählt ihre Mutter, was die Familie durchgemacht hat.
Sechs Wochen nachdem die elfjährige Lucia aus dem Norden Argentiniens das Krankenhaus verlassen durfte, spricht ihre Mutter erstmals mit den Medien. Lucia war vom 65-jährigen Lebenspartner ihrer Großmutter vergewaltigt worden, was zu einer Schwangerschaft führte. In einem Krankenhaus in Tucumán nahmen Ende Februar die Frauenärztin Cecilia Ousset und ihr Mann José Gijena einen Kaiserschnitt an dem Mädchen vor. Das Baby, das in der 23. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen war, starb wenig später.

Im Gespräch mit der Zeitung "La Gaceta" erzählt Sol, wie die Behörden immer wieder versuchten, ihre Tochter zu überzeugen, das Kind auszutragen. Dabei wollte Lucia nur eines: "Das Ding, das mir der Alte in den Bauch gesteckt hat", loswerden. Das Gesetz in Argentinien erlaubt einen Schwangerschaftsabbruch im Fall von Vergewaltigung oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Doch der Leiter des Gesundheitswesens der Provinz Tucumán, Gustavo Vigliocco, "verzögerte absichtlich den Prozess", lautet der Vorwurf der Mutter. Vigliocco habe Sol dermaßen unter Druck gesetzt, dass er "mich wahnsinnig machte".

Ärzte wollten, dass Lucia das Baby austrägt

"Er versprach, sich um das Baby zu kümmern. Er werde es großziehen, wie wenn es sein eigenes wäre, sagte er zu uns", so Sol. "Und ich sagte immer wieder, meine Tochter wolle das nicht. Sie leide und wolle die Sache hinter sich bringen. Aber er bettelte weiter, Lucia solle doch noch vier Wochen aushalten, damit das Baby bessere Überlebenschancen habe."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Der Beamte versprach der Elfjährigen sogar, ihr ein Studium zu finanzieren. "Er fragte sie, was sie gerne werden wolle, und sie sagte, sie liebe Tiere. Da meinte er: ‹Nein, du solltest Medizin studieren.›" Vigliocco versprach der Frau, ihr Haus fertigzubauen. "Eines Tages kam jemand zu mir und nahm das Blechdach weg, um es zu reparieren. Dann ging die Person wieder und kam nicht mehr zurück. Seither habe ich kein Zuhause mehr", sagt Sol.

"Er bettelte, Lucia solle doch noch vier Wochen aushalten, damit das Baby bessere Überlebenschancen habe."

Während sie mit Lucia im Krankenhaus auf die Abtreibung wartete, kam ein katholischer Priester das Mädchen jeden Tag besuchen. "Lucia wollte das nicht. Sie lässt nicht zu, dass älterere Männer sich ihr nähern. Dem Priester war das egal, er machte das Zeichen des Kreuzes auf Lucias Stirn. Dann redete er ihr ein, sie müsse ihr Baby lieben, wenn es zur Welt komme", erzählt die Mutter des Mädchens. Die Psychologin hingegen, die das Mädchen besuchen wollte, durfte das Zimmer nicht ohne Erlaubnis des Krankenhauspersonals betreten.

Das Mädchen war psychisch am Ende

Im Laufe der darauffolgenden Wochen verschlechterte sich Lucias psychischer Zustand. "Sie wollte nichts mehr essen und trinken und drohte damit, vom Krankenhaus abzuhauen, wenn die Ärzte nichts unternähmen", erinnerhalb sich Sol. Dann habe ihre Tochter begonnen, das Bett zu nässen. "Sie war am Ende mit den Nerven. Aber die Ärzte gaben ihr stattdessen Spritzen, damit die Lungen des Babys schneller reifen würden."

"Lucia wollte nichts mehr essen und trinken und drohte damit, vom Krankenhaus abzuhauen."

Die Lage wurde unerträglich. "Eines Tages wachte Lucia weinend auf und hörte nicht mehr auf. Ich rief eine Anwältin an, die mir vermittelt worden war. Sie sorgte schließlich dafür, dass noch an dem Abend eine Frauenärztin den Kaiserschnitt durchführte."

Lucia wohnt jetzt bei Sols Bruder und seiner Frau. Das Paar hat für die nächsten sechs Monate das Sorgerecht für Lucia bekommen. "Meine Tochter will zurück zu mir", sagt Sol weinend. "Ich möchte, dass wir wieder eine Familie sind, obwohl ich weiß, dass nichts mehr so sein wird wie früher. Was passiert ist, werden wir nie vergessen. Jetzt muss ich dafür sorgen, dass der Mann, der das verursacht hat, dafür bestraft wird." (20 Minuten)

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(rfr)

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