Bereits zum dritten Mal innert sechs Wochen wurden am Freitag Touristen auf Mallorca festgenommen, weil sie eine Frau misshandelt haben sollen. Neben der Örtlichkeit haben alle Vorfälle gemeinsam, dass Gruppen von jungen, männlichen Touristen eine junge Urlauberin in einem Hotel misshandeln. Medienberichten zufolge wurden zwei der mutmaßlichen Vergewaltigungen gefilmt. Kriminologe Dirk Baier ordnet ein.
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Das Phänomen, dass kleine Gruppen junger Männer gezielt solche Taten wie die Gruppenvergewaltigungen auf Mallorca planen, ist mir neu. Es weist darauf hin, dass die Männer die besondere Situation, die sie auf der Ferieninsel vorfinden, ausnutzen. In solchen Destinationen kommen verschiedene Faktoren zusammen, die Gewaltübergriffe sexueller wie nicht-sexueller Art wahrscheinlicher machen. Einerseits suchen gerade junge Männer solche Hotspots auf, um dort zu feiern und auch "sexuelle Eroberungen" zu machen. Andererseits fließt leider immer noch reichlich Alkohol, der die Hemmschwellen für Übergriffe senkt.
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Ich vermute, dass die wenigsten Personen, die jetzt auf Mallorca übergriffig oder gewalttätig wurden, dies zum ersten Mal gemacht haben. Meist gab es bereits vorher Auffälligkeiten oder impulsives Verhalten. Im Urlaub kommt dann hinzu, dass man für zehn bis 14 Tage in der Gruppe unterwegs ist, viel Alkohol oder andere Drogen konsumiert und teilweise auch Langeweile hat, weil der Alltag nur wenig strukturiert ist. Dies alles kann die Gewaltanwendung zusätzlich wahrscheinlicher machen.
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Bei den Gruppenvergewaltigungen auf Mallorca zeichnen sich zwei Schemata ab: Einerseits scheint ein gemeinsamer Abend – zwei, drei Männer lernen eine Frau kennen, tanzen mit ihr, feiern auf dem Hotelzimmer weiter – dazu zu führen, dass die Männer allmählich übergriffig werden und schliesslich auch Sex einfordern. Hierbei ist wahrscheinlich eine Person führend und die anderen machen mit. Andererseits zeigt sich, dass Gruppen von jungen Männern alles gezielt planen, sich eine Frau aussuchen, sie betrunken machen oder ihr andere Drogen verabreichen und auf das Hotelzimmer mitnehmen, um sie dort zu vergewaltigen.
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Die Videos sind eine Art Trophäe, welche die jungen Männer innerhalb ihrer scheinbar verkommenen Freundesgruppe herumzeigen können und wofür sie Anerkennung erhalten. Die Videos sind aber auch ein Druckmittel gegenüber dem Opfer, dem man eine Veröffentlichung der Videos androhen kann, sollte es sich beispielsweise an die Polizei wenden.