Wirbel nach Freispruch in Vergewaltigungsprozess

Nach dem Freispruch von zwei Asylwerbern im Vergewaltigungs-Prozess von St. Pölten sagt Ewald Stadler: "Das ist ein Wahnsinn fürs Mädchen."
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden gestern in St. Pölten zwei Flüchtlinge (19) im Zweifel freigesprochen und zwar denkbar knapp mit 2:2 Stimmen (Anm.: bei Stimmengleichheit für die Angeklagten).

Opferverteidiger Ewald Stadler zeigte sich im Gespräch mit "Heute" bestürzt: „Der Drogenkonsum fand nachweislich nicht statt, es wurden ja genügend Tests gemacht. Das Mädchen hatte Verletzungen, Kratzspuren, es wurde Sperma nachweislich gefunden. Meine Mandantin, ein traumatisiertes Tatopfer, wurde fünf Mal einvernommen, klar gibt es da aufgrund des Verdrängungsmechanismus Widersprüche. Für das Mädchen ist das Urteil ein Drama."

"Völlig unverständlich"

Der Jurist bezeichnete die Freisprüche als völlig unverständlich. "Die Laienrichter zeigten sich von der Familienzusammenführung des Afghanen am Gang und von der rührseligen Darstellung des Somaliers beeindruckt", so Ewald Stadler. Und was der Verteidiger noch seltsam findet: Ein Verfahren gegen den Somalier (wegen eines ähnlich gelagerten Deliktes in U-Haft) wurde ausgelagert, beide Männer wurden sofort - noch am Dienstagabend - enthaftet.

Nichtigkeitsbeschwerde

Die Staatsanwaltschaft meldete Nichtigkeitsbeschwerde an – das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. „Ich hoffe, dass die Nichtigkeitsbeschwerde natürlich klappt, nur da werden beide Flüchtlinge längst über alle Berge sein und womöglich bereits neue Identitäten angenommen haben", so Stadler.

CommentCreated with Sketch.91 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Wie berichtet hatte die Staatsanwalt die beiden Flüchtlinge wegen Vergewaltigung angeklagt. Beide Flüchtlinge bestritten stets die Vorwürfe, sprachen von einem gemeinsamen Joint und einvernehmlichen Sex. Die Anwältin des Afghanen verwies auf die schwierige Flucht und den Integrationswillen des Angeklagten. Er war auch im Vereinsleben aktiv. Ob der Nichtigkeitsbeschwerde stattgegeben wird, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

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