Beamte sollen Vergewaltigung in Disco vertuscht haben

Die Angeklagten mit Anwalt Marcus Januschke
Die Angeklagten mit Anwalt Marcus JanuschkeSascha Trimmel
Zwei Beamte sollen eine Vergewaltigung in einer Badner Disko nicht ernst genommen haben. Jetzt mussten sie in Wr. Neustadt vor Gericht. 

Heikle Angelegenheit für zwei routinierte Polizeibeamte aus Niederösterreich: Ein Türsteher einer Badener Diskothek hatte eine 18-Jährige aufgefordert, in ein Kammerl mitzukommen und ließ dort die Hose runter. Danach rief die Freundin des Opfers die Exekutive. Beide waren beim Eintreffen der Polizei aufgelöst.

Opfer war Beamtentochter

Die Beamten nahmen beide Frauen mit in den Polizeibus, hörten sich die Version der weinenden Teenagerin an, machten aber keine Niederschrift. Denn laut Einschätzung der Beamten sei viel Alkohol und keine Gewalt im Spiel gewesen. Was die Beamten auch nicht wussten: Das Opfer ist die Tochter eines hochrangigen Kollegen.

An der Folge ging das Opfer nochmals zur Polizei, diesmal wurde die Anzeige wegen Vergewaltigung aufgenommen, der Türsteher fasste beim Prozess schließlich 30 Monate Haft aus.

Geldbuße für einen Beamten

Und das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung hatte plötzlich die beiden Beamten im Visier. Marcus Januschke, Rechtsanwalt des zweitangeklagten Polizisten: „Direkt in der Disko wurde das Opfer gefragt, ob Gewalt im Spiel gewesen wäre. Die 18-Jährige sprach nur von Respekt. Daher bestand für die beiden Angeklagten kein Anfangsverdacht. Und es wurde Meldung bei Kripo und in der Folge bei der Staatsanwaltschaft gemacht. Nur damals war es nur sexuelle Nötigung, nicht Vergewaltigung. Da mein Mandant aber mit dem Diskochef über den Fall gesprochen hat, machte er sich schuldig bezüglich der Amtsverschwiegenheit.“

Der Prozess Ende September war wegen weiterer Zeugen vertagt worden, gestern kam es am Landesgericht Wr. Neustadt zum Finale: Beide Beamte (vertreten von Bernhard Österreicher und eben Marcus Januschke) wurden vom Vorwurf des Amtsmissbrauches freigesprochen. Ein Beamter, der jedoch mit einem Kellner und dem Discobetreiber über die Causa gesprochen hatte, fasste 1.600 Euro Geldbuße im Rahmen einer Diversion aus. "Die Angeklagten haben ordnungsgemäß gehandelt, daher konnte auch kein Amtsmissbrauch festgestellt werden", so Marcus Januschke.

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