"Verschwörung": Lisbeth Salander als Jane Bond

Lisbeth Salander zeigt Rambo und James Bond, wie Hacken und Morden geht.
Lisbeth Salander ist wieder da. "Verschwörung" ist der vierte (!) Teil der Millenium-Trilogie. Nach dem überraschenden Tod von Autor Stieg Larsson 2004 setzte Autor David Lagercrantz die Buchreihe um Lisbeth Salander, das Mädchen mit dem Drachentattoo, fort. "Verschwörung" schließt an die drei schwedischen Verfilmungen aus dem Jahr 2009 an. Aber keine Angst, auch, wer nur das US-Remake von 2011 - oder keine der Verfilmungen - kennt, kommt locker bei der Story mit:

Weltklasse-Programmierer Frans Balder (Stephen Merchant) engagiert Lisbeth, um sein hochgefährliches Programm, das die Welt bedroht, von der NSA zurückzustehlen. Bevor sie ihm die gefährliche Beute übergeben kann, wird er getötet. Sein kleiner Sohn August ist nun der einzige, der die Zugangscodes kennt und Lisbeth steht als die Böse da. Sowohl die NSA als auch der schwedische Geheimdienst sowie eine geheimnisvolle und brandgefährliche Verbrecherorganisation mit einer Spinne als Logo sind hinter ihr her.

Einzelkämpferin Lisbeth bekommt Helferlein



Lisbeth tut sich wieder mit dem Journalisten Mikael Blomkvist zusammen, um den Buben, die Codes und die Welt zu retten. NSA-Agent/Superhacker Ed needham (Lakeith Stanfield) durchschaut schnell, dass man Lisbeth etwas anhängen will. Er und ein mit ihr befreundeter Hacker helfen der ständig schwarz gekleideten Rächerin.

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Langsam bringt Lisbeth Licht ins Dunkel und merkt, dass das die Verschwörung rund um sie mit ihrer Vergangenheit zu tun hat.

Schönere Helden, plattere Story



Seit der ersten Verfilmung der Millenium-Bücher hat sich viel getan. Mit jeder Version werden die Schauspieler schöner. Leider wird die Story dadurch nicht gleichzeitig besser.

Bond-Gadgets helfen bei unglaubwürdigen Fakten nichts



Schon lange ist Lisbeth nicht mehr so psychisch labil wie im hochgelobten ersten Teil. Dafür hat sie ein schnelleres Motorrad, Helfer, die springen, wenn sie ruft, ein geiles Apartment (das gesprengt wird) und technische Hilfsmittel, die es in der Realität nicht gibt. Statt mit einer zerbrechlichen Heldin haben wir es mit einer Heldin zu tun, die viel und oft Dinge zerbricht.

Jane Bond vs. Psycho-Stewardess



Mit blitzschnellem Bike und fetten Autos wird sie zu einer Mischung aus James Bond, Ethan Hunt und Jason Bourne. Dass sie sich Wunden selbst mit Superkleber abpickt oder mit dem Tacker zunietet, würzt den Charakter mit einer Briese "Rambo". Sogar die geheimnisvolle Verbrecherorganisation mit einer Spinne als Logo erinnert an Spectre, aus dem Bond-Franchise. Statt eines Superschurken mit weißer Mieze, terrorisiert eine Blondine die Heldin. Von Kopf bis Fuß in Rot gekleidet erinnert sie an eine psychotoische Aua-Stewardess.

Trailer 2:



Falsche Facts, die jedem auffallen



Mussten im ersten Teil der Trilogie Journalist Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason) und Lisbeth Salander (Claire Foy) noch Archive durchstöbern, um zu recherchieren, reicht jetzt ein kurzer Anruf in der Redaktion und schon ist ein Unbekannter anhand seiner Tätowierung innerhalb von Sekunden indentifiziert. Was uns der Film auch lehrt: Wenn ein Computergenie einen Hack verhindern will, schaltet er den Strom aus.

Das Hauptproblem von "Verschwörung" ist, dass es der vierte Teil einer Trilogie ist und sich deshalb permanent an den Vorgängern messen muss. Für sich allein stehend, wäre der Film zwar kein Meisterwerk, aber unterhaltsam anzuschauen. Auch den Bonds dieser Welt verzeiht man technische Ungenauigkeiten und physikalische Unmöglichkeiten gerne, solang Requisiten nur möglichst beeindruckend in die Luft fliegen und die Bösen durchlöchert, gesprengt oder abgestochen werden.

"Verschwörung" scheitert an seinen Vorgängern



"Verschwörung" jedoch muss sich mit "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung", den ersten drei Teilen messen. Bei dieser Konkurrenz verliert der Film, weil die Story platter und die Helden blutleerer sind.

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Kritik/RezensionSzeneKinoClaire Foy

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