Vertrag von Lehrer nicht verlängert – Schüler traurig

Der 25-jährige Felix Stadler darf nicht mehr unterrichten.
Der 25-jährige Felix Stadler darf nicht mehr unterrichten.privat
Die nö. Bildungsdirektion verlängerte den Vertrag nicht: Schüler der NMS Schwechat müssen in ihr letztes Jahr ohne ihren Klassenvorstand (25) gehen.

Der Sachverhalt ist verzwickt: Das neue Schuljahr hat begonnen, aber ohne Felix Stadler, der nicht mehr unterrichten darf. "Die Bildungsdirektion NÖ hat nach vier Jahren, drei davon als Klassenvorstand, meinen Vertrag nicht verlängert. Die letzten vier Jahre habe ich einen Sondervertrag gehabt. Dieser musste jedes Jahr um ein Jahr verlängert werden. Das hat die Bildungsdirektion die letzten Jahre auch immer gemacht. Heuer im Juni, ganz am Ende des Schuljahres, hieß es plötzlich, für das nächste Jahr geht das nicht mehr. Der Vertrag ist aus und wird nicht verlängert", führt Stadler in einem heiß diskutierten Facebook-Beitrag aus.

25-jähriger Quereinsteiger

Felix Stadler ist grüner Bezirksrat für Wien-Landstraße, der 25-Jährige steht zu seiner politischen Funktion, strebt ein (wahrscheinliches) Mandat im Wiener Landtag an. Weil er Volkswirtschaft studiert hatte und nicht Lehramt, war es nicht leicht den Lehrerjob an der NMS Schwechat zu ergattern. "Ich habe mich bei der NGO ,Teach for Austria' beworben, diese bringt nach einer strengen Auswahl Quereinsteiger in Schulen", erklärt Stadler im "Heute"-Gespräch. Ihn habe das Unterrichten immer interessiert, ohne dass er sich den Job ein Leben lang vorstellen hätte können.

14 Wochen Crashkurs Pädagogik

Er schaffte es in die Auswahl und nach einem 14-wöchigen Pädagogik-Crashkurs durfte er im Herbst 2016 an der Neuen Mittelschule in Schwechat mit 21 Wochenstunden starten. Dafür erhielt er einen entsprechenden Sondervertrag, der jährlich von der Bildungsdirektion verlängert werden muss. Das war auch vier Jahre lang kein Problem, ein fünftes Jahr darf er aber nicht dranhängen - sehr zum Leidwesen auch einiger Schüler, die mit Stadler als Klassenvorstand gerne ihr letztes Jahr an der NMS absolvieren wollten. "Es ging mir einfach darum, mit der 4. Klasse den Weg abschließen zu können. Vor drei Jahren habe ich meine 1B als Klassenvorstand übernommen, mit dem Ziel sie vier Jahre lang zu begleiten und zu unterrichten. Das eine Jahr wäre mir wichtig gewesen", so Stadler. 

"Begründungen für Ablehnung änderten sich"

Die Begründung für die Nicht-Verlängerung des Vertrages seitens der Bildungsdirektion habe sich laut Stadler öfters geändert. "Zuerst hieß es, das sei rechtlich nicht möglich. Nachdem aber auf meinem allerersten Vertrag steht, dass ich sehr wohl länger als vier Jahre unterrichten darf, nur mit geringerer Bezahlung, hat sich die Begründung geändert." Es gäbe genug Lehrer in der Region, Sonderverträge hätten Nachrang. "Gleichzeitig aber haben alle meine Kollegen, die um Reduzierung ihrer Stunden angesucht haben, diese nicht bekommen, da das die Personalsituation nicht zulasse." Es gäbe zu wenige Lehrer.

Felix Stadler unterrichtete an der NMS Schwechat.
Felix Stadler unterrichtete an der NMS Schwechat.privat

Stadler: "Heuer wollte ich das Schuljahr, neben allen politischen Tätigkeiten, mit weniger Unterrichtsstunden abschließen. Kids und Eltern haben mir über den Sommer oft geschrieben, haben sich auch an die Bildungsdirektion gewandt. Keine Chance, ich darf nicht weitermachen. Vielleicht war meine Kritik an den Deutschklassen doch zu laut, vielleicht die Stimme für Veränderung doch zu kritisch. Meine Kids der 4B werden jedenfalls weitermachen und ich werde sie besuchen."

"Es wurde bereits Ausnahme gemacht"

Auf "Heute"-Anfrage heißt es seitens des Büros von Bildungsdirektor Johann Heuras: „Eine Beschäftigung als ,Teach for Austria'-fellow ist normalerweise auf zwei Jahre beschränkt. Für Herrn Stadler wurde eine Ausnahme gemacht und die Beschäftigung um zwei Jahre verlängert, allerdings wurde er aufgefordert, eine pädagogische Weiterbildung zu absolvieren und damit auch die notwendige pädagogische Qualifikation zu erlangen."

"Extrem starres System"

Und weiter: "Dies wurde von ihm nicht erbracht. Wir greifen daher natürlich auf geprüfte Pädagoginnen und Pädagogen zurück, die wir in Schwechat auch haben. So lange geprüfte Pädagoginnen und Pädagogen zur Verfügung stehen, ist es Ziel der Bildungsdirektion, diese aufgrund ihrer Ausbildung primär in den Dienst zu stellen. Sollten aufgrund weiterer Bedarfssituationen keine pädagogisch qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber mehr zur Verfügung stehen, kann Herrn Stadler eventuell wiederum ein Angebot für eine Anstellung gemacht werden."

Stadler könne die Entscheidung dennoch nicht nachvollziehen: "Es zeigt, wie extrem starr das ganze System und wie wenig flexibel es ist und wie wenig eigentlich Direktorinnen und Direktorin sich selbst ihr Personal aussuchen können."

Nachricht an Felix Stadler.
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