Der indische Minister des Bundesstaates Maharashtra, Ram Shinde, hat sich ordentlich blamiert. Er hat am Straßenrand gepinkelt und wurde dabei gefilmt.
Beim Erleichtern der Blase gefilmt zu werden ist zweifellos für keinen Politiker erstrebenswert, mehrere Faktoren machen diese Geschichte in Indien jedoch zum handfesten Skandal.
Unter blinkenden "Breaking News"-Schaltflächen berichteten viele indische Nachrichtensender über das peinliche Video, das sich gleichzeitig viral in sozialen Netzwerken verbreitete.
Welt-Toiletten-Tag
Der 19. November wurde von den Vereinten Nationen zum Welt-Toiletten-Tag erklärt. Eine gleichnamige Organisation kämpft seit 2001 für ausreichende Sanitäranlagen für alle Menschen auf dieser Welt. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt ohne ausreichend hygienische Sanitäreinrichtungen. Dadurch verschmutztes Wasser fördert Krankheiten und hat weitreichende gesundheitliche und sozio-ökonomische Folgen.
Mehr Infos hier.
Kampagne der Regierung
Denn: Die indische Regierung hat dem weit verbreiteten öffentlichen Urinieren eigentlich seit Jahren den Kampf angesagt. Der nun dabei Erwischte ist noch dazu Wasserminister des Bundesstaates Maharashtra.
Welt-Toiletten-Tag
Der Clip, der am Samstag aufgenommen wurde, tauchte zudem ausgerechnet am Sonntag, dem Welt-Toiletten-Tag, im Netz auf. Der Tag soll den Kampf für Sanitäranlagen für bedürftige Menschen sichtbar machen (Infos siehe Box).
"Wenn Du musst, dann musst Du halt."
Angesichts des gewaltigen Echos in der Öffentlichkeit kam Ram Shinde nicht darum herum, sich für die Verrichtung seiner Notdurft zu rechtfertigen: "Wenn Du musst, dann musst Du halt", sagte er lapidar.
Er sei schon seit Monaten auf Reisen, um für ein Wasserschutzprogramm der Regierung zu bewerben. "Das anhaltende Reisen bei hohen Temperaturen und Staub hat mich krank gemacht", erklärte er. "Ich hatte Fieber, und als ich auf Reisen keine Toilette finden konnte, musste ich mich im Freien erleichtern."
Tatsächlich gibt es in Indien einen massiven Toilettenmangel, rund 70 Prozent der indischen Haushalte haben kein Klo. Fast die Hälfte der Bevölkerung, 600 Millionen Menschen, verrichten ihre Notdurft im Freien.
Regierungschef Narendra Modi hat zusätzlich zu seiner Kampagne gegen das öffentliche Urinieren versprochen, dass jeder Inder bis 2019 Zugang zu einer Toilette haben wird. Dafür unterstützt er den Bau von mehr als 50 Millionen Anlagen im ganzen Land.
Die Menschen von ihrer alten Gewohnheiten abzubringen, ist jedoch eine weitere Herausforderung. (red)