Zwei Frauen greifen Kim Jong-nam auf dem Flughafen von Kuala Lumpur an, wie auf Videomaterial zu sehen ist. Derweil zog Malaysia seinen Botschafter aus Nordkorea ab.
Surveillance footage purportedly showing attack on Kim Jong Nam released
— CGTN (@CGTNOfficial)
Zwei Frauen , wie auf Videomaterial zu sehen ist. Derweil zog Malaysia seinen Botschafter aus Nordkorea ab.
Ein japanischer Fernsehsender hat ein Video von dem tödlichen Angriff auf Kim Jong-nam, dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers, veröffentlicht. Das Material einer Überwachungskamera zeigt zwei Frauen, die sich Kim aus verschiedenen Richtungen nähern, wie bei Fuji TV zu sehen war. Eine von ihnen scheint ihn dabei von hinten zu umgreifen und für einige Sekunden etwas über seinen Mund zu halten.
Danach entfernen sich die Frauen getrennt und in Ruhe von ihm. Weiteres Material zeigt, wie Kim danach zu Mitarbeitern des Flughafens von Kuala Lumpur geht, auf seine Augen gerichtete Gesten macht und um Hilfe zu bitten scheint. Anschließend wird er von ihnen den Videoaufnahmen zufolge zu der Klinik des Airports begleitet. Fuji TV hat keine Angaben dazu gemacht, wie es an das Material gelangt ist.
Kurze Zeit nach dem Vorfall starb Kim. Südkorea wirft Nordkorea vor, ihn zum Opfer einer Giftmord-Attacke gemacht zu haben. Beim Verhör gaben die zwei Frauen an, hereingelegt worden zu sein; sie hätten gedacht, sie würden an einer Fernsehshow teilnehmen. Der stellvertretende Chef der Nationalpolizei von Malaysia sagte, im Zuge der Ermittlungen würden derzeit noch vier Nordkoreaner gesucht.
Video allegedly taken from several CCTV’s at the Kuala Lumpur Intn'l Airport shows the last moment of
— People's Daily,China (@PDChina)
Botschafter abgezogen
Der Ton wird rauer: Malaysia hat nach einem diplomatischen Streit über den Fall Kim Jong-nam seinen Botschafter aus Nordkorea abgezogen. Mit diesem sollten zunächst "Rücksprachen" getroffen werden, teilte das malaysische Außenministerium am Montag mit. Zudem habe es den Botschafter von Nordkorea in Kuala Lumpur befragt, um eine "Erklärung für die Anschuldigungen" zu bekommen, die er gegen die Regierung von Malaysia geäussert habe.
Kang Chol, der Botschafter von Nordkorea, hatte gesagt, Malaysia versuche eventuell etwas zu "verbergen". Anlass war die Autopsie des Halbbruders von Machthaber Kim Jong-un. Diese verlief nach den Worten des nordkoreanischen Botschafters "einseitig" und ohne die Anwesenheit von Vertretern seines Landes. Das malaysische Außenministerium verurteilte die Aussagen als "unbegründet". In einer Mitteilung erklärte es, es nehme die Versuche, den Ruf des Landes zu trüben, sehr ernst. Der mutmaßliche Giftmord an Kim Jong-nam hatte bereits zuvor für Spannungen zwischen den Staaten gesorgt, da Pyongyang sich streng gegen eine Autopsie ausgesprochen hatte. Stattdessen sollte der Leichnam so schnell wie möglich überstellt werden.
"Wir ermitteln in einem Mordfall"
Die malaysischen Ermittler fuhren mit den Untersuchungen aber ungeachtet dessen fort und gaben an, das übliche Verfahren einzuhalten. "Wir ermitteln in einem Mordfall (...) und folgen unseren Regeln und Richtlinien", sagte der stellvertretende Chef der Nationalpolizei, Noor Rashid Ibrahim. Südkorea hatte seinen Erzfeind beschuldigt, Kim mithilfe von Geheimagenten umgebracht zu haben. Eine erste Autopsie vergangene Woche war ergebnislos verlaufen.