Nach dem Bombenalarm am Bonner Hauptbahnhof hat die deutsche Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Die Tasche enthielt einen Sprengstoff und eine Zündvorrichtung. Viele Fragen wurde aufgeworfen. Doch die Polizei warnt vor vorschnellen Schlüssen. Die Hinweise auf einen versuchten Terroranschlag am Bonner Hauptbahnhof verdichten sich. Ermittler suchen zweiten Mann.
Zwei im Zusammenhang mit dem Bombenalarm auf dem Bonner Hauptbahnhof festgenommene Verdächtige sind wieder frei. Das teilte die Kölner Polizei mit. Jetzt fahndet die Polizei nun nach einem neuen Verdächtigen: Es ist ein Mann mit weißer Hautfarbe und langem Bart.
Der Bärtige ist auf einer Videoaufnahme einer McDonald‘s Filiale am Bahnhof zu sehen. Laut den Aufzeichnungen ist es 12.49 Uhr. Er trägt die blaue Bombentasche in der Hand, geht einmal an den Verkaufspult, bleibt stehen und verlässt die Filiale wieder Richtung Bahnsteig. Der Mann stellt die Tasche dann an einer Bank ab, auf der zwei Jugendliche sitzen und auf ihren Zug warten. Beide bemerken ihn nicht.
Erst, als ein Dunkelhäutiger nach der Tasche greift, sie öffnet und hinein sieht, werden die Jugendlichen aufmerksam. Der Mann schiebt ihnen die Bombentasche vor die Füße und rennt weg. Der Kölner Krimininaldirektor Norbert Wagner: „Es ist davon auszugehen, dass es sich bei den Videoaufnahmen um die Tasche mit der Sprengvorrichtung handelt.
"Potenziell zündfähiges Material"
Wegen der blauen . Laut Polizei befand sich in dem verdächtigen Gepäckstück "potenziell zündfähiges Material". Unklar blieb zunächst, ob die Konstruktion in der Tasche auch explosionsfähig war. Laut "Spiegel Online" gehörten zu der Konstruktion neben Gas, Ammoniumnitrat und einem Wecker auch ein Metallrohr und Batterien.
Spezialisten hatten die verdächtige Tasche vor Ort durch Beschuss mit einem Wasserstrahl zerstört. Anschließend begannen Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes mit der Untersuchung der einzelnen Teile. "Es war ein höchstgefährlicher Sprengsatz", sagte der für Terrorismus zuständige deutsche Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Mittwoch in Karlsruhe. Ein Metallrohr mit Ammoniumnitrat, vier Gaskartuschen, ein Wecker und eine Zündvorrichtung. Das war der Inhalt der blauen Nylonsporttasche, die am Montag an Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof abgestellt wurde.
Wer steckt dahinter?
Unbeantwortet ist die entscheidende Frage: Stecken Terroristen dahinter? Bei den Stichwörtern "Bombe", "Tasche", "Bahnhof" denkt man gerade in Nordrhein-Westfalen sofort an die Kofferbomber von 2006. Der damals 25 Jahre alte libanesische Student Youssef El Hajdib hatte im Kölner Hauptbahnhof zusammen mit seinem Komplizen Jihad Hamad zwei Kofferbomben in Regionalzügen deponiert. Die Zünder lösten zwar aus, die Bomben detonierten aber nicht, weil in den Gasflaschen kein explosionsfähiges Gemisch war. El Hajdib wurde als Haupttäter zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 20 Jahre alte Hamad wurde 2007 im Libanon für zwölf Jahre ins Gefängnis geschickt.
Weiter Rätselraten um Bonner Bahnhofsbombe
Nach dem warnte das deutsche Bundeskriminalamt vor voreiligen Schlüssen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte in der "ZDF"-Sendung Aktenzeichen "XY...ungelöst", man stehe erst am Anfang der Ermittlungen. Spekulationen seien verfrüht. "Auch die allgemeine Terrorgefahrensituation hat sich nicht verändert", sagte Ziercke. Er fügte hinzu: "Ruhe bewahren und Aufmerksamkeit ist angesagt."
Das deutsche Innenministerium geht in einer internen Analyse vor einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine "Gefährdungseinschätzung" des Ministeriums. Allerdings werden Weihnachtsmärkte alljährlich zu den sogenannten weichen, schwer zu schützenden Zielen gezählt.
Sprengsatz hochgefährlich
Der in Bonn entdeckte Sprengsatz war nach Einschätzung der Ermittler hochgefährlich. Die Polizei weitete die Fahndung auf einen zweiten Tatverdächtigen aus. In der Sporttasche befand sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr, um das vier Butangaskartuschen gebunden waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig gewesen sei, wurde noch nicht bekannt. Es sei eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber kein Zünder.