Nach dem äußerst brutalen Millionen-Coup auf den Wiener Promi-Juwelier Kornmesser am Mittwoch melden sich Hunderte Bürger bei der Polizei, die die Täter erkannt haben wollen. Kornmesser hatte aufgrund der hohen Beute eine Prämie von 50.000 Euro ausgesetzt. Experten glauben an eine "Auftragstat".
am Mittwoch melden sich Hunderte Bürger bei der Polizei, die die Täter erkannt haben wollen. Kornmesser hatte aufgrund der hohen Beute eine Prämie von 50.000 Euro ausgesetzt. Experten glauben an eine "Auftragstat".
Jahrhundert-Raub beim City-Juwelier Kornmesser am Graben: Die drei Täter flüchteten am Mittwoch mit wertvollen Einzelstücken im Wert von bis zu 10 Millionen Euro. Geschäftsführer Ernst Klimitsch setzte deswegen ein Kopfgeld von 50.000 Euro für die Ergreifung der Räuber aus. Laut Kornmesser wird es den Tätern schwer fallen, die Beute abzusetzen - immerhin handelt es sich um besonders auffällige, sehr wertvolle Einzelstücke.
Bei der Poliziei laufen jetzt die Telefone heiß: Jeder will die Täter kennen, gesehen haben oder sonstige Hinweise auf die Täter abliefern - kein Wunder, bei der hohen Ergreiferprämie.
"Klassische Auftragstat"
Der Leiter der Abteilung Ermittlungen, Allgemeine und Organisierte Kriminalität im Bundeskriminalamt (BK), Ernst Geiger, ist sich sicher, dass die Räuber mit dem Überfall auf den Nobeljuwelier Kornmesser in der Wiener City von jemanden beauftragt wurden. "Das war eine klassische Auftragstat", so der Kriminalist. Geiger vermutet, dass bereits drei Überfälle in Wien auf das Konto dieser höchst professionell agierenden Gruppierung gehen.
Die Täter gehen stets auf die gleiche Weise vor: Sie gehen unmaskiert in das Schmuckgeschäft, geben sich als Kunden aus, um dann die Angestellten zu attackieren. Sie zertrümmern Vitrinen, um schnell an ihre wertvolle Beute zu kommen, oder plündern den Tresor.
Keine Amateure
Fakt ist, dass die Täter keine Amateure waren: Die Security hatte gerade die Position gewechselt und war zu einem anderen Juwelier unterwegs. Abgesprochen war die Aktion offensichtlich mittels Bluetooth-Headsets, die zumindest die beiden Täter im Kornmesser-Verkaufsraum in den Ohren hatten. Ein dritter Täter stand an der Türe Schmiere.
Longoria-Halskette dabei
Während einer der unmaskierten Täter den jungen Angestellten zwang, den Tresor im Hinterzimmer zu öffnen, machte sich der andere im Verkaufsraum ans Werk: Er zertrümmerte Vitrinen, riss sämtliche Schmuckstücke an sich. Auch die Halskette für Hollywood-Sternchen Eva Longoria befindet sich unter der Beute.
Dem Opfer gelang es noch, den Alarmknopf zu drücken. Doch da waren die Gangster schon zu Fuß ins Getümmel der City abgetaucht.
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So raubten die Täter andere Juweliere aus.
Die ersten dergleichen Überfälle erfolgten im vergangenen Herbst. Am 14. September kamen zwei unmaskierte Männer in ein Antiquitätengeschäft in der Stallburggasse. Sie zerrten die anwesenden Frauen - eine Kundin und die Besitzerin des Geschäftes - in einen Nebenraum. Dabei gingen sie so gewalttätig vor, dass ihre Opfer Prellungen und Hämatome erlitten. Während einer der Männer die Frauen mit einer Waffe in Schach hielt, leerte der andere eine Schmuckvitrine.
Am 27. September erfolgte der nächste Coup auf die Galerie Rauhenstein in der Seilergasse. Zwei Männer betraten den Verkaufsraum und ließen sich von der Angestellten Eheringe zeigen. Als keine weiteren Kunden mehr im Geschäft waren, packte einer der Täter die Frau und zwang sie mit vorgehaltener Pistole den Tresor zu öffnen, der aber bereits offenstand. Die beiden Männer raubten daraus Schmuck und suchten das Weite.
Ähnlich die Vorgehensweise beim Überfall auf den Juwelier Kornmesser am Mittwoch: Zwei unbekannte Täter betraten kurz vor 12.00 Uhr den Verkaufsraum, gaben sich zunächst als Kunden aus und erbeuteten anschließend wertvolle Einzelstücke aus den Vitrinen sowie den Inhalt des Tresors. Der 19-jährige Neffe des Geschäftsinhabers wurde dabei niedergeschlagen und gefesselt.
Paralellen
Ernst Geiger sieht in diesen drei Überfällen eine Verbindung. "Meist kommen zwei Unmaskierte mit Schusswaffen in die Geschäfte, um nicht gleich als Juwelierräuber aufzufallen. Sie sind sich sicher, nicht erkannt zu werden", beschreibt der Kriminalist das Muster. Ein möglicher dritter Täter dürfte mit Funkgerät in der Nähe Schmiere stehen, um seinen Komplizen gegebenenfalls zu warnen. Die Beute werde "weit weg von uns auf irgendwelchen Märkten" verkauft. "Sie wird sicher nicht bei einem österreichischen Hehler umgesetzt." Woher die Tätergruppe kommt, ist noch unklar.
Eine ähnlich professionelle Vorgehensweise legte die berüchtigte "Pink Panther-Bande" an den Tag. Ob die jetzige Gruppierung den in ganz Europa agierenden "Pink Panthers" angehöre, sei noch Gegenstand von Ermittlungen. Die aus dem Balkanraum stammende Bande ging ebenfalls gut organisiert vor. Zunächst kundschafteten sie die Geschäfte aus, für die Flucht wurden die Ausgänge blockiert und Fahrzeuge bereitgestellt. Die "Pink Panthers" waren 2011 auch in Österreich aktiv, die Coups teilweise aufgeklärt. "Es ist eine weit verzweigte Gruppierung und sowohl die Auftraggeber als auch die Abnehmer sind nicht bekannt", sagte Geiger.
Zwei Drittel der Überfälle in Wien
Juwelen seien etwas Begehrtes und locken Kriminelle an. "Schmuck hat ein kleines Beutevolumen, aber einen großen Wert. Und man kann ihn meist leicht absetzen." 2010 gab es österreichweit 16 Raubüberfälle auf Juweliere, im Jahr 2011 waren es bereits 19 Coups. Etwa zwei Drittel der Überfälle werden in Wien verübt, die Hälfte der Taten ist geklärt. Die Räuber kommen hauptsächlich aus Serbien, Tschechien, Ungarn und Moldawien.
Ständiger Sicherheitsschutz einziger Schutz
"Einen 110-prozentigen Schutz für Juweliere gibt es nicht", meinte Geiger. Den höchsten Schutz erreicht man nur durch einen ständigen Sicherheitsdienst. Juwelier Kornmesser hatte zwei Securitydienste beauftragt. Ein Sicherheitsmann steht stündlich ein paar Minuten vor dem Geschäft, ein zweiter ist beim Auf- und Zusperren dabei. Das dürften die Täter gewusst und ausgenutzt haben.