Österreich

Vier jugendliche Häftlinge im Jahr 2013 vergewaltigt

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:01

Von einem weiteren Vergewaltigungsfall unter jugendlichen Häftlingen berichtet die Wiener Wochenzeitung "Falter" in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe. In der Justizanstalt (JA) Gerasdorf soll ein 1995 geborener Häftling einen um ein Jahr jüngeren Mitgefangenen vergewaltigt haben. Schockierend: Im Jahr 2013 ist es somit bereits zu vier Fällen gekommen, in denen jugendliche Häftlinge missbraucht wurden.

berichtet die Wiener Wochenzeitung "Falter" in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe. In der Justizanstalt (JA) Gerasdorf soll ein 1995 geborener Häftling einen um ein Jahr jüngeren Mitgefangenen vergewaltigt haben. Schockierend: Im Jahr 2013 ist es somit bereits zu vier Fällen gekommen, in denen jugendliche Häftlinge missbraucht wurden.

Der Leiter der Vollzugsdirektion, Peter Prechtl, bestätigte den Fall in Gerasdorf am Dienstag. Demnach kam es an einem Wochenende im Jänner in einem Freizeitraum der Justizanstalt zu der Vergewaltigung mit einem Besenstiel. Prechtl betonte, man habe den Verdächtigen sofort angezeigt.

Die Anklageschrift sei mittlerweile fertig, demnächst komme es zur Verhandlung. Laut "Falter" gibt es in Gerasdorf zwar mehr Freiraum für die Inhaftierten, allerdings zu wenig Betreuer.

Kein "Einzelfall"

Justizministerin Beatrix Karl sprach zuletzt stets davon, dass der vor kurzem ein "Einzelfall" gewesen sei, so der "Falter" in einer Aussendung. Diese Behauptung hält jetzt nicht mehr stand. Denn wie Sven Pöllauer, der Sprecher von Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) am Dienstagnachmittag einen einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Presse" (Mittwoch-Ausgabe) bestätigte, hat es im heurigen Jahr in den heimischen Justizanstalten (JA) insgesamt vier Übergriffe auf jugendliche Insassen gegeben.

Neben den bereits bekannten Fällen in der Justizanstalt Josefstadt sowie in der Vollzugsanstalt Gerasdorf ist es demnach in Jugendabteilungen in Graz und Linz zu Missbrauchsfällen gekommen. Den Opfern wurde seitens des Ministeriums, so Pöllauer, Unterstützung zugesagt. Karl habe sich "auch in dem Gerasdorfer Fall brieflich an das Opfer gewandt" und auf die Möglichkeiten von Entschädigungszahlungen hingewiesen.

Karl ließ Gefängnisse nach Fall Josefstadt Übergriffe melden

Die Justizministerin selbst erfuhr am vergangenen Freitag von den bekannten Fällen in Gerasdorf, Graz und Linz erfahren. Wie Sprecher Pöllauer erläuterte, hatte Karl nach Bekanntwerden des sexuellen Übergriffs in der Justizanstalt Josefstadt alle Gefängnisse des Landes aufgefordert, ihr allfällige Übergriffe zu melden.

Als ersten Schritt habe die Justizministerin die Berichtspflicht geändert: "Zukünftig müssen solche Fälle von den betroffenen Anstalten direkt der Ministerin gemeldet werden." Der Übergriff in Gerasdorf unterscheidet sich übrigens deutlich von jenem in der JA Josefstadt. In Gerasdorf war es nicht in einer Zelle, sondern im an sich überwachten Fitness-Raum zum Missbrauch eines 17-Jährigen gekommen.

Häftling: Schwache müssen Fäkalien essen

Ein Häftling aus Gerasdorf stellte sich "Puls4" für ein Exklusiv-Interview zur Verfügung. Der Häftling berichtete über Demütigungen durch Mithäftlinge in Österreichs Gefängnissen. So müssten junge, schwache Insassen Fäkalien essen oder werden wie ein Hund an der Leine durch den Raum geschleift.

Solche Vorfälle sollen immer wieder vor kommen, da zu wenig Justizwachebeamte im Dienst seien, die diese Übergriffe verhindern könnten. "Es wird leider Gottes immer der Schwächste ausgesucht", erzählte der junge Mann.

Anwältin: "System der Demütigung" ausgeliefert

Irene Oberschlick, die Anwältin jenes 14-jährigen Buben, der in der Josefstadt missbraucht wurde sagt im Falter, dass die ersten Aussagen von Karl über den Fall "unverschämt" gewesen seien. Die Justiz dürfe keine Jugendlichen mehr in die Josefstadt schicken, weil diese dort "erniedrigender  Behandlung" und einem "System der Demütigung" ausgeliefert seien.

Grüne fordern Rücktritt

"Justizministerin Karl ist rücktrittsreif." Das sagte der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser am Dienstag nach dem Bericht des "Falter" über den neuen Vergewaltigungsfall unter jugendlichen Häftlingen in Gerasdorf. "Eine Ministerin, die öffentlich von einem Einzelfall spricht, obwohl ihr bekannt sein müsste, dass es weitere sexuelle Gewaltdelikte im Jugendstrafvollzug gegeben hat, ist nicht mehr vertrauenswürdig", so der Abgeordnete in einer Aussendung.

Laut Steinhauser wiege besonders schwer, "dass Justizministerin Karl nicht offensiv über die schwierigen Rahmenbedingungen im Jugendstrafvollzug informiert hat, sondern sich auf die Position zurückgezogen hat, dass alles qualitativ gut funktionieren würde". Steinhauser forderte, dass die Zahlen über Übergriffe im Strafvollzug von Insassen an Insassen offengelegt werden.

"Justizministerin Karl hat entweder vom weiteren Vergewaltigungsfall bereits gewusst und die Öffentlichkeit falsch informiert, oder sie hat es nicht gewusst, was für eine Ressortverantwortliche untragbar ist."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen