Nach dem Tod von 71 Flüchtling in einem Kühl-Lkw auf der A4 sind in Ungarn bis zu sieben Verdächtige festgenommen worden, 20 wurden verhört. Vier Personen befinden sich derzeit in Haft, es handelt sich um den Fahrzeughalter und drei weitere Männer.
Nach dem Tod von 71 Flüchtling in einem sind in Ungarn bis zu sieben Verdächtige festgenommen worden, 20 wurden verhört. Vier Personen befinden sich derzeit in Haft, es handelt sich um den Fahrzeughalter und drei weitere Männer.
Die Polizei bestätigte am Freitag, dass vier Personen in Ungarn in Haft sind. Dabei handelt es sich um drei bulgarische Staatsbürger und einen Mann mit ungarischer Identitätskarte, der vermutlich afghanischer Abstammung ist. Bei einem der Bulgaren und dem anderen Verdächtigen soll es sich um die Personen, die am Steuer bzw. am Beifahrersitz saßen, handeln.
Es seien in Ungarn insgesamt sieben Personen aus der Umfeld des Fahrzeughalters in Haft genommen worden, die restlichen drei Personen sind jedoch wieder teilweise auf freiem Fuß. Anfangs wurden laut Sprecherin der Budapester Polizei, Viktoria Kovacs-Csiszer, bereits 20 Personen verhört worden.
Mordanklage
Die Männer könnten wegen "Schlepperei, vesuchter Gemeingefährgung mit Todesfolge bis zu Mord" angeklagt werden. All das zieht die zuständige Staatsanwaltschaft Eisenstadt am Freitag in Betracht.
Für den Leiter der Staatsanwaltschaft, Johann Fuchs, besteht kein Zweifel, dass die mutmaßlichen Täter in die Zuständigkeit Österreichs fallen. Sollte sich bei der Obduktion jedoch herausstellen, dass die Flüchtlinge zum Zeitpunkt der Einreise nach Österreich bereits tot waren, würde das Verfahren nach dem Territorialitätsprinzip den ungarischen Behörden zufallen.
Die Staatsanwaltschaft geht ebenfalls davon aus, dass die Verdächtigen nach Österreich ausgeliefert werden. Die drei Bulgaren (einer mit libanesischer Abstammung) und ein Afghane mit ungarischer Identitätskarte sind aufgrund eines Europäischen Haftbefehls festgenommen worden, der von Österreich erlassen wurde. Das berichtet der ORF unter Berufung auf die APA.
Ermittler suchen Hintermänner
Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt versicherte, dass auch die Hintermänner, "die das große Geld machen", verfolgt würden. Die internationale Zusammenarbeit, auch mit Nachbarstaaten wie Ungarn, funktioniere sehr gut.
Der burgenländische Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil vermutet, dass ein bulgarisch-ungarischer Schlepperring für die Tragödie verantwortlich ist.
Start in Budapest
Der Schlepper dürfte am Mittwoch in der Früh bei Budapest mit dem laut Polizei nicht schleppertypischen Lkw gestartet sein und sich um neun Uhr an der ungarisch-österreichischen Grenze befunden haben. Die Grenze dürfte der Wagen jedoch erst in der nächsten Nacht überschritten haben. Donnerstagfrüh wurde das Fahrzeug von Zeugen in der Pannenbucht entdeckt.
Der Lkw gehörte der slowakischen Firma Hyza, die seit dem Jahr 1949 auf Geflügelfleisch spezialisiert und laut Homepage einer der größten und modernsten Produzenten von Geflügel und Geflügelfleischprodukten nicht nur in der Slowakei, sondern auch in Europa ist. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 900 Mitarbeiter.
Rumäne kaufte Wagen von slowakischer Geflügel-Firma
Jetzt ist der Besitzer, ein Rumäne, der in Ungarn wohnt, ausfindig gemacht worden. Der Volvo trägt ein ungarisches Kennzeichen. Mittwochfrüh wurde der Volvo bei Budapest von einer Mautstelle erfasst. Später bei Hegyeshalom an Österreichs Grenze. In der Nacht wurde er an der Ostautobahn geparkt.