Formel 1

Vier-Stunden-Sitzung: Wurde Druck auf Fahrer ausgeübt?

Nach dem Terror-Anschlag auf eine Ölraffinerie unweit der Rennstrecke von Dschidda gingen in der Formel 1 die Wogen hoch. Vor allem bei den Piloten. 
Heute Redaktion
26.03.2022, 13:30

Am Freitagnachmittag wurde während des ersten Freien Trainings auf dem Corniche Circuit von Dschidda eine Raffinerie des saudischen Ölkonzerns Aramco mit Raketen angegriffen. Auf der Anlage, die sich bloß zwölf Kilometer von der Rennstrecke entfernt befindet, brach ein Großbrand aus. Die Rauchwolken waren über der saudischen Millionenstadt zu sehen. 

Mittlerweile haben sich die jemenitischen Huthi-Rebellen zu dem Anschlag bekannt. Insgesamt soll es 16 ähnliche Angriffe gegeben haben.

Krisensitzungen

Nach Sitzungen mit den Veranstaltern und Behörden wurde schließlich entschieden, das zweite Freie Training plangemäß stattfinden zu lassen. Auch, um die Fans an der Strecke zu schützen, keine Panik aufkommen zu lassen. Ein Meeting mit den Teamchefs ergab schließlich, dass das Rennwochenende fortgesetzt wird. Die saudische Regierung hätte alle Sicherheitsgarantien abgegeben. "Das ist der sicherste Ort im Land", meinte etwa Mercedes-Boss Toto Wolff. 

Stehen Fahrer unter Druck?

Ganz anders sahen das scheinbar die Piloten, die sich anschließend auf Initiative der Fahrergewerkschaft GPDA unter der Leitung des ehemaligen österreichischen Piloten Alexander Wurz trafen. Vertreter der Formel 1 und Teamchefs waren immer wieder dabei. Das Meeting dauerte schließlich vier Stunden lang, wurde erst nach 2 Uhr nachts beendet. Alle Piloten verließen wortlos das Fahrerlager. 

Ein deutliches Zeichen dafür, dass die 20 Piloten alles andere als einer Meinung waren. Es soll heftig diskutiert worden sein. Eine "signifikante" Anzahl der Fahrer soll einem "BBC"-Bericht zufolge Zweifel an der Sicherheit des Formel-1-Zirkus gehabt haben. Nachdem die Fahrer schließlich "weitere Informationen" der Teamchefs und der Formel 1 erhielten, wurde schließlich beschlossen, doch zu fahren. 

Diese Informationen scheinen allerdings besonders brisant zu sein. Denn dem Bericht zufolge hätten die Teamchefs den Fahrern klar gemacht, dass es im Falle des Abbruchs des Rennwochenendes zu Problemen kommen könne, "zum Beispiel die Frage, wie leicht Teams und Fahrer das Land verlassen könnten, wenn das Rennen nicht stattfände", schrieb die "BBC" weiter. Es scheint, als sei Druck auf die Fahrer ausgeübt worden. Ob alle Piloten tatsächlich hinter dem Beschluss stehen, wird sich im dritten Freien Training (15 Uhr) zeigen. 

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