Industrie-Flaggschiff schreibt 48 Millionen Euro Verlust, insgesamt 2000 Mitarbeiter wurden bereits entlassen. Landesparteien wollen Unternehmen unterstützen und den Abbau von weiteren Jobs in Linz verhindern.
Die wirtschaftliche Flaute hat die voestalpine nun voll erwischt. Donnerstagmorgen veröffentlichte das Unternehmen mit Sitz in der Landeshauptstadt die Zahlen für das erste Quartal 2009 - und die sind Besorgnis erregend: Das Ergebnis nach Steuern fiel von 240 Millionen Euro plus im ersten Quartal 2008 heuer auf 48 Millionen minus! Die Zahl der Mitarbeiter ging von 42.000 auf 40.000 zurück - vor allem durch die Entlassung von Leiharbeitern.
Das Geschäftsjahr 2009/10 erweist sich vom konjunkturellen Umfeld her als das schwierigste seit Jahrzehnten, erklärt voest-Vorstand Wolfgang Eder. Er ergänzt aber, dass das operative Ergebnis ohne die nachteiligen Effekte des Kaufs der Böhler-Uddeholm-Gruppe (30 Millionen Euro) knapp positiv gewesen wäre. Für das weitere Geschäftsjahr ist er leicht optimistisch: Die Dynamik des Abschwungs hat abgenommen.
Die Chefs der großen Landesparteien wollen sich für den heimischen Leitbetrieb einsetzen. Oberösterreichs Unternehmen, die durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen werden, brauchen ein ordentliches Umfeld, das die Politik mit schaffen kann, erklärt Landeshauptmann Josef Pühringer. Er appelliert an die SPÖ, die Unternehmen und ihre schwierige Situation aus der Tagespolitik heraus zu lassen. Oberösterreichs SP-Chef Erich Haider stellt sich auf die Seite der Arbeitnehmer: Wir müssen nun den Betriebsrat unterstützen, um Arbeitsplätze zu erhalten. Haider kritisiert vor allem, dass sich die Aktionäre bisher eine Milliarde Euro Dividende herausgeholt hätten und nichts davon investiert worden sei.
Mit den aktuellen Hiobsbotschaften hat die voestalpine neuerlich Potenzial, zum entscheidenden Gegenstand einer Landtagswahl zu werden. Bereits beim vergangenen Urnengang 2003 war die Privatisierung des Konzerns das dominierende Thema. Laut Politologen konnte die SPÖ damals von der Diskussion am meisten profitieren und um neun Prozentpunkte auf 38 Prozent zulegen.