"Es gab Zeiten, da habe ich 3.500 Euro verdient", erinnert sich Ucela. Ein Arbeitsunfall sollte das Leben des Wieners um 180 Grad drehen. "Ich bin zu 50 Prozent behindert und finde deshalb keinen Job. In Pension gehen kann ich aber auch nicht, ich muss arbeiten", sagt der 62-jährige.
Seit Jahren kommt er deshalb in die Lebensmittelausgabestelle der Caritas. Die Situation habe sich seit den Teuerungen verschärft: "Die Preise sind explodiert, im Geschäft kann ich nichts kaufen. Ich muss meine Miete zahlen, die ist auch gestiegen. Urlaub oder anderen Luxus kann ich mir nicht leisten, es ist schwer."
Ucela ist einer von vielen Wienern, die auf die Hilfe der Caritas angewiesen sind. "Ich bin froh, dass es das gibt. Ich lebe von der Invaliditätspension und spüre die Teuerungen extrem", klagt Kundin Bettina S. "Früher habe ich bei Hofer 15 Euro bezahlt, jetzt schon fast 50 Euro. Heizung, Strom, alles wurde teurer. Gäbe es die Caritas nicht, müsste ich hungern."
Monika V. kauft regelmäßig bei der Caritas ein, am wichtigsten sind ihr Obst und Gemüse. "Zucker oder Mehl brauche ich nicht, ich habe kein Backrohr." Die Wienerin muss mit 1.053 Euro Mindestpension auskommen: "Damit kommt man nicht weit. Ohne Unterstützung würde ich nicht über die Runden kommen." Pandemie, Ukraine-Krieg und Teuerungen lassen viele Wiener verzweifeln. Aufgrund der enormen Nachfrage an gespendeten Lebensmitteln wurde nun ein weiterer Le+O-Standort am Gellertplatz in Favoriten eröffnet. Es ist die mittlerweile 15. Ausgabestelle der Caritas in Wien.
Im ehemaligen Waldkloster können sich Menschen mit wenig Einkommen an zwei Tagen pro Woche mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgen. Weitere Öffnungstage sind bereits in Planung. Gemeinsam mit Caritas Wien-Chef Klaus Schwertner machten Sozialminister Johannes Rauch und Bezirkchef Marcus Franz (SPÖ) ein Bild des neuen Standortes. "Der Besuch des Bundesministers ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für die insgesamt mehr als 800 Freiwilligen, die das Projekt Le+0 möglich machen", freut sich Schwertner.
Die Valorisierung von Sozialleistungen oder die Unterstützungen im Bereich Wohnen und Energie seien für die Betroffenen eine enorm wichtige Hilfe, betont der Caritas Chef. "Gleichzeitig würden wir uns angesichts der anhaltend hohen Teuerung eine nachhaltige Reform der Sozialhilfe hin zu einer echten bedarfsorientierten Mindestsicherung wünschen." Der Druck auf die Menschen steige, pro Woche gäbe man mittlerweile 27 Tonnen aus, vor einem Jahr waren es noch 13 Tonnen. "Es betrifft Alleinerziehende, Familien oder Menschen in Altersarmut."
Das betont auch der Minister: "Es gibt viele Menschen in Notlage. Ich bin dankbar, dass es diese Ausgabestellen gibt und auch dankbar für das ehrenamtliche Engagement. In den letzten zwei Jahren haben die Notlagen zugenommen, die Energiepreise und Mieten sind gestiegen. Wir versuchen auf allen Ebenen gegenzusteuern. Es braucht aber auch eine angemessene Besteuerung von Vermögen. In Österreich darf kein Mensch hungern oder frieren. Menschen, die in Armut leben, brauchen weiterhin unsere voll Unterstützung."
"Der Bezirk ist der Caritas nicht nur am Gellertplatz verbunden. Ganz gleich, ob Ankerbrotfabrik, ob Lerncafé oder am Viktor-Adler-Markt: lch bin für die gute Zusammenarbeit sehr dankbar, weil es unser aller Aufgabe ist, den Zusammenhalt im Bezirk zu stärken und für jene da zu sein, die unsere Hilfe brauchen", sagt Bezirksvorsteher Marcus Franz.
Mehr als 800 Freiwillige sorgen dafür, dass die Lebensmittel regelmäßig an Bedürftige gehen. Aktuell werden dringend Ehrenamtliche, aber auch Sach- und Geldspenden benötigt. Denn geplant ist, künftig drei Mal pro Woche zu öffnen. Mehr Infos: [email protected]