Wenn am Sonntag (18.00 Uhr) England gegen Deutschland um den EM-Titel der Frauen spielt, werden 90.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion Zeugen eines Endspiels der Superlative. Kaum überraschend, gibt es rund um das Spektakel einige ganz spezielle Nebengeschichten.
Engländerin liebt deutsche Torhüterin
Die deutsche Ersatz-Torhüterin Ann-Katrin Berger (31) spielt bei Chelsea, sollte bei der EM eigentlich für Final-Gegner England auflaufen und liebt eine Spielerin eben jener "Lionesses". Bereits seit einigen Jahren nämlich sind Berger und die englische Verteidigerin Jessica Carter (24) ein Paar. Kennen gelernt haben sich die beiden beim FC Chelsea, wo Carter ebenfalls zum Kader gehört.
Während die Deutsche hinter Stammkeeperin Merle Frohms im Team nur Ersatz ist, muss am Sonntag im Wembley wohl auch Carter zunächst auf der Bank Platz nehmen. Weil Berger bereits seit 2017 auf der Insel spielt (ab 2017 bei Birmingham, seit 2019 bei den "Blues"), wollten der englische Verband und Ex-Trainer Phil Neville die als beste Torhüterin der Liga bekannte Berger einbürgern – ohne Erfolg.
Mega-"Prämie" für DFB-Trainerin
Die deutsche Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg würde bei einem EM-Triumph in England eine ganz besondere Prämie von ihrem Ehemann Hermann erhalten – ein Haus auf Mallorca. Das Ehepaar urlaubt gerne auf der Balearen-Insel. "Es ist unsere Ruhe-Oase. Martina möchte da schon seit Jahren ein Haus. Doch ein Haus bindet. Daher habe ich bisher immer Nein gesagt", sagte Hermann Tecklenburg dem Bericht zufolge. "Wenn sie den EM-Titel holt, werde ich mich dem Wunsch anschließen. Dann schauen wir uns während des Urlaubs nach einem Domizil um."
Abgesehen davon würde die 54-jährige Voss-Tecklenburg, die seit 2009 mit dem 74-jährigen Bauunternehmer verheiratet ist und mit ihm in Straelen lebt, bei einem Sieg im Endspiel gegen England am Sonntag im Wembley-Stadion auch die offizielle Prämie des Deutschen Fußball-Bundes erhalten: Rund 60.000 Euro gibt es für jedes Kadermitglied. Hermann Tecklenburg flog bisher zu jedem EM-Spiel der DFB-Frauen ein und wird auch zum Endspiel in London erwartet.
Schiedsrichter-Assistentin flüchtete aus der Ukraine in die Schweiz
Mit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine stellte sich das Leben von Maryna Striletska auf den Kopf. Gemeinsam mit ihrer Tochter flüchtete die 38-Jährige in die Schweiz, nach einer viertägigen Odyssee durch Polen schafften sie es zu ihrer Schwester nach Basel. Ihr wehrpflichtiger Mann blieb zurück in der Ukraine. In der Schweiz fand Striletska nicht nur Schutz, sondern sie konnte auch wieder ihrer großen Leidenschaft nachgehen. Seit März stand die Schiedsrichterin neunmal in der Promotion League, zweimal in der 1. Liga und einmal in der Axa Women’s Super League im Einsatz. Nun darf sie als Assistentin von Landsfrau Kateryna Mozul das EM-Finale im ausverkauften Wembley mitleiten.
Der Fußball hätte ihr geholfen, über das Erlebte hinwegzukommen. "Ich kann so den Horror, der sich in meinem geliebten Heimatland abspielt, wenigstens für zwei Stunden vergessen", so Striletska. Das konnte die 38-Jährige scheinbar auch in den vergangenen fast vier Wochen an der EM in England. Als Assistentin stand sie bereits in zwei Gruppenspielen sowie dem Viertelfinale zwischen Schweden und Belgien (1:0) im Einsatz.
Rekordkulisse in Englands Fußball-Tempel
Übrigens: Die knapp 90.000 Tickets, die verkauft wurden, bedeuten, dass das EM-Finale im Wembley vor einer Rekordkulisse stattfinden wird. Damit werden mehr als doppelt so viele Zuschauerinnen und Zuschauer das Spiel live verfolgen, als dass dies beim bisherigen Rekordspiel im Finale einer Frauen-EM der Fall war. 2013 beim Endspiel zwischen Deutschland und Norwegen im schwedischen Solnar schauten nämlich 41.301 zu. 2022 knackte bereits das Eröffnungsspiel zwischen England und Schweden im Old Trafford mit 68.781 Fans den Rekord bei einem Spiel an einer Frauen-EM.
Der Zuschauerrekord im Frauenfußball außerhalb der Europameisterschaft wurde vergangene Saison in Barcelona aufgestellt, als das Champions-League-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg 91.648 Fans in den Camp Nou zog. Aber auch mit knapp 90.000 ist im EM-Finale Stimmung garantiert.