Wer sein Online-Banking öffnet und eine rätselhafte 1-Cent-Gutschrift entdeckt, sollte aufhorchen. Denn hinter diesen Mini-Überweisungen stecken oft Inkassounternehmen - oder im schlimmsten Fall Kriminelle.
Die Methode funktioniert so: Inkassobüros überweisen einen symbolischen Cent und platzieren im Verwendungszweck ein Aktenzeichen sowie eine Telefonnummer. So versuchen sie, Schuldner zu kontaktieren, die auf Briefe nicht reagiert haben.
Wie chip.de unter Berufung auf die "Bild" berichtet, kritisieren Datenschützer diese Praxis scharf. Thomas Fuchs, Hamburgs Datenschutzbeauftragter, betont: "Der Betreff einer Überweisung ist nicht dazu vorgesehen, von Inkassodienstleistern als Kommunikationsmittel mit Schuldnern genutzt zu werden." Experten sehen darin klare Verstöße gegen die DSGVO.
Doch nicht nur Inkassofirmen bedienen sich dieser Methode. Verbraucherzentralen warnen vor kriminellen Trittbrettfahrern. Betrüger nutzen die Kleinstüberweisung, um die Gültigkeit von Bankkonten zu testen. Kommt das Geld nicht zurück, wissen sie: Das Konto ist aktiv. Danach drohen unberechtigte Lastschriften.
Verbraucher sollten bei solchen überraschenden Gutschriften besonders wachsam sein. In den Wochen danach ist es ratsam, die Kontoauszüge genau auf verdächtige Abbuchungen zu prüfen.
Wer eine unautorisierte Transaktion bemerkt, sollte sofort handeln: Konto sperren lassen, Anzeige bei der Polizei erstatten und die Bank schriftlich zur Erstattung auffordern. Wichtig: Der Empfang eines Cents bedeutet weder eine Anerkennung einer Forderung noch eine rechtliche Verpflichtung.
Österreichische Banken haben ihre Sicherheitsmaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Dazu zählen mehrstufige Freigabeverfahren, Echtzeit-Warnungen bei verdächtigen Transaktionen und verbesserte Betrugserkennungssysteme. Trotzdem gilt: Der wichtigste Schutz bleibt die Aufmerksamkeit der Kunden.