Der Fall des von seinem dänischen Vater aus Graz entführten Oliver soll kein Einzelfall sein. In insgesamt 27 Petitionen erheben Eltern im zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments in Brüssel schwere Vorwürfe gegen den dänischen Staat. Dieser soll in Sorgerechtsstreits dänische Elternteile systematisch bevorzugen.
soll kein Einzelfall sein. In insgesamt 27 Petitionen erheben Eltern im zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments in Brüssel schwere Vorwürfe gegen den dänischen Staat. Dieser soll in Sorgerechtsstreits dänische Elternteile systematisch bevorzugen.
Die gewaltsame Entführung des kleinen Oliver aus einem Kindergarten in Graz erschütterte die Österreicher. Nun scheint es, als sei die mangelnde Kooperation der dänischen Gerichte kein Einzelfall. Insgesamt 27 Petitionen ähnlicher Natur wurden zuletzt im zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments in Brüssel behandelt. Die Hauptvorwürfe der Verfasser der Petitionen – vor allem Mütter, aber auch einige Väter u.a. aus Italien, Österreich, den USA, den Philippinen oder Russland – lauten, dass es bei Gerichtsverfahren in Dänemark in Familienangelegenheiten und Obsorgerecht schwerste Menschenrechtsverletzungen gibt.
"Unmoralische Vorgehensweise"
Die betroffenen Elternteile aus Drittstaaten sprechen zum Teil sogar von Regierungskorruption und Diskriminierung. Richter würden das Recht immer zugunsten des dänischen Elternteils auslegen, es wurde auch der Vorwurf der Spionage erhoben. Generell wird von einer illegalen und unmoralischen Vorgangsweise der dänischen Behörden gesprochen. Nicht-dänischen Elternteilen würden Besuchsrechte verweigert bzw. es würde ihnen nicht geholfen, dieses Recht durchzusetzen.
Vater fordert Sanktionen gegen Dänemark
Ein italienischer Vater, der seine Tochter seit elf Jahren nicht mehr gesehen hat, forderte finanzielle EU-Sanktionen gegen Dänemark. Bei der Anhörung im Petitionsausschuss des Europaparlaments vom 11. Februar meinte er, der Name seiner Tochter sei ohne seine Zustimmung in Dänemark verändert worden. Normale Beziehungen könne er mit ihr erst wieder pflegen, wenn sie mit 18 Jahren volljährig sei, wurde ihm erklärt. Seit 2013 habe er Informationen, dass die dänische Regierung seine Telefongespräche aufgezeichnet und seine Bankdaten mitverfolgt habe.
Wegen dieser "Regierungsspionage sollte Dänemark Wirtschaftssanktionen von 500 Millionen Euro erhalten". Es sei unverständlich, dass es bei Nichteinhaltung von Fischfangquoten finanzielle Strafen gebe, in diesen Fällen aber nicht. "Das Recht wird immer zugunsten des dänischen Elternteils ausgelegt, dagegen werden ausländische Mütter ins Gefängnis geworfen".
Darüber hinaus unterstütze Dänemark gewaltsame Kindesentführung. Die dänischen Behörden hätten auf die Bitte nach Aushändigung der Unterlagen in einem Obsorgefall erklärt, dass es den außenpolitischen Interessen Dänemarks schaden würde, wenn diese Informationen veröffentlicht würden.
US-Mutter: Dänische Väter können lügen
Eine amerikanische Mutter mit einem zehnjährigen Sohn sagte, es sei unmenschlich, wenn der dänische Mann die absolute Macht habe und die Kindesmutter gar keine. Ein dänischer Vater könne lügen, aber ihm werde immer geholfen. Dänemark habe es nicht geschafft, seinen Verpflichtungen unter EU-Recht nachzukommen.
Schwere Vorwürfe einer russischen Mutter
Eine russische Mutter gab an, dass ihr früherer dänischer Mann nach der Geburt der Tochter die Geburtsurkunde versteckt habe. Ihr sei dann das Sorgerecht entzogen worden, "weil ich Russin bin". Ihr Besuchsrecht sei reduziert worden, "das alles hat fatale Auswirkungen auf das Kind". Eine andere Mutter warf der dänischen Regierung vor, Kinder und Eltern, die sie schützen wollten, zu zerstören. Dafür werde der dänische Vater unter allen Umständen geschützt, ob er lüge oder ein Kind entführe.
Isländische Mutter im Gefängnis
Eine isländische Mutter, deren Petition im Parlamentsausschuss verlesen wurde, wollte ihre "Kinder vor der Gewalt des Kindesvaters schützen" und die Kinder nach Island bringen. Seither sitzt sie in Dänemark im Gefängnis.
Philippinische Mutter hatte Glück
Eine philippinische Mutter konnte im Gegensatz zu den anderen Beschwerdeführern ihr Recht in Dänemark im Fall ihres Sohnes durchsetzen. Der Ehemann hatte das Kind illegal entführt, doch "mein Ex-Mann war vielleicht nicht klug genug, sich an die dänischen Medien zu wenden und eine Schmutzkampagne gegen Ausländer anzustrengen", meinte sie
Noch heuer Sitzung zu Dänemark
Insgesamt handelt es sich bei den 27 Petitionen, die Anfang Februar behandelt wurden, nur um einen Teil von weitaus mehr Beschwerden. Die anderen Petitionen konnten aber aus Zeitmangel vorerst nicht behandelt werden. Nach der EU-Wahl im Mai wird sich das neu gewählte Europaparlament offenbar noch heuer in einer weiteren Sitzung zum Thema "Dänemark" mit Obsorgefragen beschäftigen, hieß es in Brüssel.