VR-Porno im Test: "Ich hatte Sex neben 'meinem' Vater"

Die Autorin beim Test.
Die Autorin beim Test.zVg
Virtual Reality erobert nicht nur Videogames und Filme, sondern auch Pornos. Wir haben die Sexfilme durch die VR-Brille ausprobiert.

von Meret Steiger

Ich schaue zwar nicht regelmäßig Pornos, Pornografie ist mir aber durchaus vertraut. Ich finde es allerdings nicht einfach, etwas zu finden, das mir wirklich gefällt – und wenn ich dann mal Pornos schaue, dann auf dem Handy und das ist jetzt auch nicht unbedingt mega bequem. Winziger Bildschirm, Krampf in der Handyhand – ihr wisst schon.

VR, also Virtual Reality, hat mich von Anfang an fasziniert. Umso mehr begeistert mich die Idee, einen VR-Porno zu schauen: Immerhin müsste sich das ja ein bisschen so anfühlen, als wäre ich mit den Protagonist*innen im gleichen Raum. Oder sogar so, als wäre ich selbst Teil der Szene! Aufgeregt mache ich mich auf den Weg zu meinem Kollegen, um mir seine VR-Brille auszuleihen.

Eine lange Suche und ein gelangweiltes Camgirl

Eine Suche bei diversen gängigen Pornoportalen zeigt ein erstes Problem: Es gibt aktuell sehr viel weniger VR-Pornos als reguläre Filme. Gewisse Seiten werben zwar mit VR-Videos, um sie zu sehen, muss man aber entweder zahlen oder eine zusätzliche VR-App herunterladen. Zahlen will ich nicht und meinen PC dem Risiko aussetzen, dass die App ihn mit Viren verseucht, halte ich auch nicht für schlau. Also suche ich weiter.

Nach einer Weile finde ich eine Seite mit Live-Camgirls, also jungen Frauen, mit denen man in Echtzeit chatten kann. Oder, so wie ich, ihnen einfach mit aufgesetzter VR-Brille dabei zusehen kann, wie sie sich selbst befriedigen. Ich habe mit meiner Auswahl aber wenig Glück: Ich habe noch nie jemanden so gelangweilt an sich selbst herumspielen sehen wie die Brünette, für die ich mich entschieden habe: Ihre Miene und ihre Bewegungen sehen eher so aus, als müsste sie eine verkrustete Bratpfanne schrubben. Ja, es fühlt sich zwar an, als würde ich mit ihr im Zimmer sitzen, aber ich finde es trotzdem eher langweilig.

POV-Pornos als Mann und als Frau

Ich gebe nicht auf, sondern möchte mein Glück mit POV-Pornos versuchen. POV bedeutet "Point of View": Die Szenen sind so gefilmt, als wäre ich Teil des Geschehens. Um einen Film mit weiblichem POV zu finden, muss ich ziemlich lange suchen, Schließlich finde ich einen feministischen Porno, der mich anspricht. Ich bin fasziniert, dass ich an mir runtersehen" kann und dort ein nackter Frauenkörper liegt: Ein hübscher durchsichtiger BH, eine in Form gebrachte Schambehaarung und die Hände der anderen Frau "im Raum", die "meine" streichelt. Das bin zwar nicht ich, aber die Szenen selbst sind angenehm realistisch, was aber weniger an VR und mehr an der Machart dieses spezifischen Pornos liegt.

Trotzdem möchte ich den Männer-POV auch noch ausprobieren. Ich finde ein Video, in dem "ich" als Mann Sex mit einer Frau habe, während ihr schlafender Mann daneben liegt. Das ist jetzt nicht unbedingt mein Fetisch, aber anyway. Auch hier schaue ich erstmal interessiert an mir herunter: Ich trage Jeans und ein weißes T-Shirt. Danach schaue ich zwei Sekunden weg, um den Raum zu betrachten – und als ich wieder an mir heruntersehe, habe ich plötzlich keine Hose mehr an!

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"Ich bin einfach zu leicht abgelenkt"

Die Frau im Video hat jetzt Sex mit "mir". Ich bin schon sehr fasziniert und finde es auch durchaus erotisch – bis sie sich über mich beugt und mir sagt, sie sei meine Stiefmutter. Igitt! Dann ist der Mann, der neben uns im Bett liegt, "mein" Papa? DOPPEL-IGITT! Während sich direkt vor mir (beziehungsweise eigentlich auf mir) eine Sexszene abspielt, schaue ich mich immer wieder im Raum um. Ich bin zu abgelenkt, um mich auf die nackten Körper zu konzentrieren und betrachte stattdessen die Aussicht und das Bücherregal. Und ich bemerke, dass der schlafende Ehemann meiner Gespielin ("mein" Vater?) die Augen ein bisschen geöffnet hat. Gehört es zur Fantasie, dass er uns beobachtet oder hat der Schauspieler versehentlich geblinzelt? Egal.

Insgesamt finde ich die VR-Pornos durchaus ansprechend. Allerdings dauert es, bis man einen guten Film findet und die Auswahl ist ziemlich klein.

Mein Kollege hat mich auch auf ein Männer-Problem bei der Nutzung der Brille aufmerksam gemacht: Man sieht nämlich nicht, wohin man beim Orgasmus spritzt. Zwar geht dank der Brille sicher nichts ins Auge, im schlechtesten Fall aber auf die Tastatur, den Bildschirm oder sonst irgendwo, wo man lieber kein Sperma kleben haben möchte.

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