"Postenschacherei" – Wahl von Linzer Uni-Chef geplatzt

Nahe der Linzer Johannes Kepler Universität (im Bild) soll die neue Digital-Uni Platz finden.
Nahe der Linzer Johannes Kepler Universität (im Bild) soll die neue Digital-Uni Platz finden.Hertha Hurnaus
Es rumort kräftig am Hochschul-Standort: In den kommenden Tagen wäre der Chef für die neue Linzer Digital-Uni festgestanden. Daraus wird aber nichts.

Eigentlich war alles auf Schiene: Am Dienstag und Donnerstag hätten die Hearings für den Gründungspräsidenten des künftigen Institute of Digital Sciences Austria (IDSA), wie die Universität offiziell heißen wird, stattfinden sollen. Nun wurden sie kurzfristig abgeblasen.

Ein Rücktritt, drei befangen

Die Gründe: Zum einen trat mit Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, ein Mitglied des zuständigen Konvents zurück. Zum anderen erklärten sich drei Vertreter des Gremiums für befangen. 

Seinen Rückzieher rechtfertigte Bast gegenüber der APA damit, dass man im Konvent nie dazu gekommen sei, über Inhalte zu reden. "Wir haben nie über Studien oder die Ausrichtung gesprochen." Und der Rektor weiter: "Mindestens drei der neun Mitglieder sind oder waren befangen."

Dabei handelt es sich um Claudia von der Linden, Vorsitzende des Konvents und Vizerektorin der Technischen Universität Graz, sowie Johanna Pirker, Professorin an der selben Hochschule. Der Grund für ihre Befangenheit: Eine Uni-Kollegin der beiden gehört zu den Bewerbern.

Wen Bast noch gemeint hat: Christopher Lindinger. Das Problem: Er ist Stellvertreter von Meinhard Lukas, Rektor der Linzer Johannes Kepler Universität und ebenfalls Kandidat fürs IDSA.

Spitzt auf den Posten als IDSA-Gründungspräsident: Meinhard Lukas, derzeit noch Rektor der Johannes Kepler Universität.
Spitzt auf den Posten als IDSA-Gründungspräsident: Meinhard Lukas, derzeit noch Rektor der Johannes Kepler Universität.Robert Maybach

Konvent bald wieder komplett

Wie geht es jetzt weiter? Im Wissenschaftsministerium betont man, dass der äußerst straffe Zeitplan für die neue Hochschule, die bereits im Herbst in Betrieb gehen soll, nicht wackle. "Aus derzeitiger Sicht sollte es zu keinen Verzögerungen kommen", so ein Sprecher auf "Heute"-Anfrage.

"Aus derzeitiger Sicht sollte es zu keinen Verzögerungen kommen." Um Beruhigung bemühter Sprecher des Wissenschaftsministeriums

Aus gut informierten Kreisen heißt es, dass Bast kommende Woche durch ein neues Konventsmitglied ersetzt werden soll. Als ziemlich sicher gilt, dass Wilfried Eichelseder, Rektor der Montanuniversität Leoben, das Gremium komplettieren wird.

Pikantes Detail

Pikantes Detail: Laut "Heute"-Infos könnte Gerald Bast aus einem ganz anderen Grund ausgeschieden sein. Er ist ein guter Freund von Meinhard Lukas.

Die Vorarbeiten für die vielbeworbene und genauso heftig kritisierte neue Uni sind bisher jedenfalls alles anderes als reibungslos verlaufen: Die Unkenrufe am Prestige-Projekte von Altkanzler Sebastian Kurz und Ex-Minister Heinz Faßmann (beide ÖVP) wollten bis zuletzt nicht verhallen.

"Abgekartetes Spiel"

Wie "Heute" jetzt erfahren hat, haben mehrere potenzielle Kandidaten mit dem IDSA-Amt geliebäugelt, sich aber dann doch nicht beworben. Sie vermuteten "ein abgekartetes Spiel" und hatten keine Freunde mit Meinhard Lukas' Strategie: Der brachte sich bereits Ende Oktober offensiv für die Funktion ins Spiel.

Die Folge: Oberösterreichische Informatiker winkten genauso ab wie internationale Kapazunder. Dabei war sogar ein auf hochkarätige Wissenschafter spezialisierter Headhunter beauftragt worden.

Hochschülerschaft sauer

"Postenschacherei" wittert auch die Hochschülerschaft: Bei der Gründung der neuen Universität "geht es in keiner Weise um Inhalte, sondern um Wahlzuckerl", kritisiert die ÖH. Sie spricht von einem "völlig intransparenten und undemokratischen Prozess". Der Zeitplan fürs IDSA sei "völlig unrealistisch", der Start müsse um mindestens zwei Jahre verschoben werden, fordert die Hochschülerschaft.

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