Politik

Asyl, Klima, Spitzenkandidatin: Wer warum gewählt wurde

Wie eine Wahlumfrage ergab, konnte die FPÖ mit dem Thema Asyl punkten. 32 Prozent der ÖVP-Wähler sind mit der bisherigen Arbeit der Partei zufrieden.

Stefanie Riegler
Franz Schnabl (SPÖ), Udo Landbauer (FPÖ) und Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)
Franz Schnabl (SPÖ), Udo Landbauer (FPÖ) und Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)
Helmut Graf

Am Sonntag hat das Bundesland Niederösterreich gewählt! Die ÖVP musste mit 39,7 Prozent (-9,9) herbe Verluste einstecken und verlor die absolute Mehrheit im Landtag. Großer Gewinner war die FPÖ mit 25,0 Prozent (+10,3). Die Blauen überholten damit die SPÖ und belegten den zweiten Platz. Die SPÖ erreichte mit 21,0 Prozent (-3,0) Rang drei. Die Grünen kamen auf 7,3 Prozent (+0,8) der Stimmen, die NEOS auf 6,3 Prozent (+1,1).

Eine Wahltagsbefragung von ATV und PULS 24 hat die Wahlmotive der Wähler und Wählerinnen untersucht. Insgesamt wurden 1.200 Wahlberechtigte telefonisch und online von 24. bis 28. Jänner befragt.

Fehlende Themen bei der ÖVP 

Die Wahlmotive der ÖVP zeigen klar die thematische Austrocknung der Partei. 32 Prozent der ÖVP-Wähler gaben an, dass sie mit der bisherigen Arbeit der Partei zufrieden sind. Das war das Hauptmotiv. 26 Prozent sahen die Volkspartei als einzig wählbare Partei. Stammwähler (18 Prozent) trugen ebenfalls zum Ergebnis bei. 14 Prozent stimmten für die ÖVP wegen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Die FPÖ konnte wie immer mit dem Thema Asyl punkten. Für 36 Prozent der blauen Wähler war es das Hauptmotiv. 22 Prozent wählten die FPÖ wegen der Bekämpfung der Teuerung. 19 Prozent wollten die ÖVP abstrafen.

Die SPÖ konnte ähnlich wie die ÖVP nicht mit expliziten Themen punkten. 29 Prozent wählten die Roten, weil sie als soziale Arbeiterpartei gelten und die "kleinen" Menschen vertreten. 24 Prozent nannten Thema und Programm als Wahlmotiv. 22 Prozent gaben an, dass sie mit ihrer Stimme die ÖVP-Absolute brechen wollten. 19 Prozent entfielen auf Stammwähler.

Für 32 Prozent der NEOS-Wähler waren deren Themen und Programm entscheidend. 22 Prozent wählten die Partei, weil sie nicht korrupt und vertrauenswürdig ist. 18 Prozent sehen sie als frische, neue Partei an. Die Grünen konnten mit den Themen Klimawandel, Umweltschutz und Energiewende punkten. Für 60 Prozent war es das Hauptmotiv.

Die Motive der Nichtwähler trugen eine eindeutige Handschrift. 24 Prozent gaben an, dass keiner der Kandidaten sie anspricht bzw. sie nicht wissen, wen sie wählen sollten. 21 Prozent waren verärgert über Skandale.

Mikl-Leitner punktet als Spitzenkandidation

Bei der Wichtigkeit der SpitzenkandidatInnen für die Wahlentscheidung hat ganz klar Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit 47 Prozent die Nase vorne, gefolgt von Udo Landbauer (FPÖ) mit 36 Prozent. Franz Schnabl (SPÖ) kam nur auf 21 Prozent. Indra Collini (NEOS) erreichte elf Prozent und Helga Krismer sieben Prozent.

Dass Johanna Mikl-Leitner nach der Wahl Landeshauptfrau bleiben soll, gilt für die Wähler nicht mehr als ausgemacht: Zwar votierten 47 Prozent dafür, aber 39 Prozent dagegen. Als Nachfolger kann sich eine relative Mehrheit Udo Landbauer vorstellen. 

Bei den Koalitionswünschen innerhalb der Proporzregierung bleibt man konservativ: Da haben ÖVP und SPÖ die Nase vorne (39 Prozent). Nur 15 Prozent können sich eine ÖVP/FPÖ-Koalition vorstellen. Trotz aller ÖVP-Probleme wünschen sich nur wenige Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll zurück (29 Prozent).

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    Großer Gewinner war die FPÖ mit 25,0 Prozent (+10,3). Die Blauen überholten damit die SPÖ und belegen den zweiten Platz.
    Großer Gewinner war die FPÖ mit 25,0 Prozent (+10,3). Die Blauen überholten damit die SPÖ und belegen den zweiten Platz.
    Thomas Lenger