Szene

Wahnsinniger, Visionär, Oscar-Preisträger

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:39

Man sagt, den heutigen Regisseuren in Hollywood fehle der Mut - zwar beherrschen alle ihr Handwerk, doch der Drang zum künstlerischen Risiko ist im kalkulierten Erfolgssystem rar geworden. Da erinnert man sich gerne zurück an die Zeit des New Hollywood, als Regisseure wie Steven Spielberg und Martin Scorsese kommerziell und ästhetisch neue Maßstäbe setzten. Einer der wichtigsten Vertreter dieser "goldenen Ära" wird heute 75: Francis Ford Coppola. Zwar ist es heute ruhiger um ihn geworden, doch ist er nicht minder produktiv.

Man sagt, den heutigen Regisseuren in Hollywood fehle der Mut - zwar beherrschen alle ihr Handwerk, doch der Drang zum künstlerischen Risiko ist im kalkulierten Erfolgssystem rar geworden. Da erinnert man sich gerne zurück an die Zeit des . Zwar ist es heute ruhiger um ihn geworden, doch ist er nicht minder produktiv.

Dass Krankheiten auch seine positiven Seiten haben können, beweist Francis Ford Coppolas tragische Kindergeschichte: Als zehnjähriger Junge musste er wegen einer Kinderlähmung monatelang im Bett ausharren. Und da er sonst nichts tun konnte, vertrieb er sich die Zeit mit Filmen. So fand ein Kind zu seiner Leidenschaft, welche ihm 5 Oscars und weitere 42 Auszeichnungen einbringen sollte.

Doch Coppola ging es natürlich nicht um Preise. Nach ersten Achtungserfolgen gelang ihm in den Siebzigern nicht weniger als eine Kinorevolution. Mit seiner in jeder Hinsicht perfekten Verfilmung der sizilianischen Mafiabibel "Der Pate" (1971) schuf der Italo-Amerikaner Coppola eines der wichtigsten Werke der Filmgeschichte und verhalf Wahnsinn und Zusammenhalt

Für sein nächstes Mammutwerk holte sich Coppola erneut den Exzentriker Brando an Bord und versuchte sich mit ihm an einem Antikriegsepos, welches das gesamte Filmteam an den Rand des Wahnsinns trieb. Budgetprobleme, unmenschliche Drehbedingungen, Krankheit und Nervenzusammenbruch von Hauptdarsteller sowie eine zweijährige Drehphase hielten den irrsinnigen Perfektionisten Francis Ford Coppola nicht davon ab, seinen Vietnam-Albtraum "Apocalypse Now" (1979) schlussendlich doch in die Kinos zu bringen. Der Mut wurde mit zwei Oscars, der Goldenen Palme und unbezahlbarer Anerkennung belohnt.

Eleanor Coppola, mittlerweile seit 50 Jahren an der Seite ihres Mannes, stand dem Regisseur auch damals in der schwierigen Zeit bei und dokumentierte die Dreharbeiten zum Kriegsdrama auf eigene Faust, was in dem Dokumentarwerk "Ins Herz der Finsternis" mündete. Familienzusammenhalt steht seit jeher an vorderster Stelle des Coppola-Clans. Francis Fords Tochter, , verdankt ihrem Vater Handwerk und Karriereeinstieg - nach einer Rolle im dritten Teil der "Pate"-Saga emanzipierte sie sich später zur selbständigen Filmemacherin und bekam für das Drehbuch zu ihrem Film "Lost in Translation" (2003) selbst den Oscar.

Bankrott und Wein

Doch bis dahin hatte die Coppola-Familie auch mit großen Rückschlägen zu kämpfen. Francis Ford Coppolas kometenhafter Aufstieg zum einflussreichsten Hollywoodregisseur der Siebziger fand im folgenden Jahrzehnt ein jähes Ende. Nach einigen Misserfolgen wie dem aufwendigen Musical-Flop "Einer mit Herz" (1982) ging Coppolas eigene Produktionsfirma pleite, was mit der Finanzkrise in den Achtzigern kulminierte. Zudem wurde der Regisseur auch privat stark getestet: Sein Sohn Gian Carlo starb 1986 bei einem Bootsunfall.

 

Doch der Visionär erholte sich wieder von allen Rückschlägen und gab einmal grinsend zum Besten, dass er nicht nur gesünder, sondern auch reicher als der späte Orson Welles sei. Das hat den einfachen Grund, dass Coppola neben dem Film auch noch eine zweite Leidenschaft verfolgte: den Weinbau. Zudem produzierte er seine eigene Lebensmittelkette. Beides sollte ihm mehr Geld einbringen als es seine späteren Filme je konnten.

Kunst und Sex

Dafür nahm sich der Oscar-Preisträger und Ingmar Bergman-Verehrer im letzten Jahrzehnt die Freiheiten, nur noch Filme zu machen, die ihn selbst interessieren: "Ich bin wie ein älterer Pensionist, der viel Geld gemacht hat, doch nun kann ich, anstatt Golf zu spielen, Kunstfilme machen."

Eine Freiheit, die nicht vielen Menschen in Hollywood vergönnt ist. Doch Coppola hat ohnehin nie viel auf die Konventionen der Traumfabrik gegeben. Man wünscht sich, es gäbe wieder eine neue Generation an amerikanischen Filmemachern, die für ihre Vision Gesundheit und Existenz riskieren. Denn "kein Risiko in der Kunst zu nehmen ist wie keinen Sex zu haben und sich trotzdem Kinder zu erwarten." Sagt der 75-jährige Regisseur und macht weiter, was ihm gefällt. Was das ist? "Etwas Großes. Mein Lebenswerk", verriet er erst kürzlich einem Magazin. An Ambition hat es Francis Ford Coppola nie gemangelt.

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