Spanien und Frankreich

Zehntausende fliehen vor Waldbränden in Notunterkünfte

Waldbrände in Spanien und Frankreich zwingen Zehntausende in Notunterkünfte. Freiwillige helfen, die Lage bleibt angespannt.
Newsdesk Heute
26.07.2026, 17:30
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Elvira Menéndez hat in der Nacht kaum ein Auge zugemacht. "Es gibt hier Hunde, die Leute schnarchen", sagt die 80-Jährige aus dem Dorf Chapinería über die städtische Turnhalle, die ihr wegen der beispiellosen Waldbrände nahe Madrid derzeit als Notquartier dient. Seit Freitag lebt Menéndez, wie 200 weitere Bewohner aus der Gegend, in der Halle in Villaviciosa de Odón, wo dutzende Feldbetten aufgestellt sind.

Freiwillige bemühen sich, den Kindern mit Spielen und Malen die Zeit zu vertreiben. Andere verteilen Mahlzeiten. "Die Freiwilligen kümmern sich gut um uns, wir haben Decken bekommen und es gibt Duschen", sagte Menéndez der Nachrichtenagentur AFP. Als die Flammen immer näher an ihr Dorf kamen, hatte sie Angst, dass ihr ganzes Leben "in Rauch aufgeht".

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In Spanien arbeiten die Behörden auch am Sonntag mit aller Kraft daran, die Brände unter Kontrolle zu bringen. Bis Sonntag mussten sich in der Nähe von Madrid insgesamt 60.000 Menschen in Sicherheit bringen.

Auch Victoria Hurtado, eine 61-jährige Pflegerin, ist aus Chapinería geflüchtet – gemeinsam mit einem älteren, kranken Mann, um den sie sich täglich kümmert. Beide hatten gerade noch Zeit, eine kleine Tasche mit Gewand und Medikamenten zu packen. "Sie haben uns mit offenen Armen empfangen", sagte Hurtado AFP. Die Ungewissheit, wann sie wieder heimkehren können, macht ihr zwar Sorgen. Sie bleibt aber zuversichtlich, "denn die Feuerwehrleute arbeiten Tag und Nacht daran, das Feuer zu löschen".

Antonio-Luis Rodríguez hat mit seinem Sohn in der Turnhalle Zuflucht gefunden, beide haben nur das Gewand am Leib. Der 48-Jährige steht noch immer unter Schock und macht sich Sorgen um seinen Hund, den er auf seinem Bauernhof nahe dem evakuierten Dorf San Martín de Valdeiglesias zurücklassen musste.

Rodríguez gibt den Behörden die Schuld an den Bränden. Seiner Meinung nach wurde das Unterholz nicht ausreichend entfernt. Außerdem beklagt er, dass so viele Bauernhöfe in Spanien aufgegeben wurden. Die brachliegenden Felder seien in einem "erbärmlichen Zustand, und beim geringsten Funken breiten sich die Flammen wie ein Lauffeuer aus".

Kurz vor den Bränden hat er seine Schafe noch auf die Weide getrieben, damit sie das hohe Gras abfressen. Daher hofft er, dass sein Bauernhof verschont geblieben ist, selbst wenn "die umliegenden Grundstücke in Schutt und Asche" liegen sollten.

Inferno kurz vor Bordeaux

Im Nachbarland Frankreich wüten ebenfalls beispiellose Waldbrände. Seit Mittwoch mussten dort rund 250.000 Menschen evakuiert werden. In einer Notunterkunft in Bordeaux spielt sich Ähnliches ab wie in Spanien. Tausende Urlauber und Einheimische versuchen, zwischen Feldbetten, Luftmatratzen und Lebensmittelvorräten etwas Ruhe zu finden. Manche trauern dem abgebrochenen Urlaub nach, andere machen sich Sorgen um ihre Häuser, die sie verlassen mussten.

Einige stehen für einen Kaffee an. Vor der Halle spielen Kinder Fußball und Federball. Rauch liegt in der Luft, Masken werden verteilt.

"Müssen dankbar sein"

Die 75-jährige Urlauberin Nuala Kelly aus Irland erzählt, sie habe so etwas noch nie erlebt. "Und ich bin um die ganze Welt gereist und war schon in vielen Situationen", sagt sie. Die Evakuierung sei "eine Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte. Aber alle hier waren sehr nett und sehr zuvorkommend, also müssen wir dankbar sein", betont sie.

Der 38-jährige Olivier Stewart musste mit seiner Frau und den kleinen Kindern aus Mérignac flüchten. "Die Kinder sind besonders verunsichert. Sie glauben, das Feuer würde das Haus niederbrennen, aber wir kommen zurecht", sagte er.

"Als würde gleich ein Vulkan ausbrechen"

Frédéric Tavitian, ein 70-jähriger Pensionist, stand drei Stunden im Stau, um zur 50 Kilometer entfernten Notunterkunft zu gelangen. "Um 15 Uhr wurde uns gesagt: 'Ihr müsst euch in Sicherheit bringen'. Wir sahen Rauchsäulen, als würde gleich ein Vulkan ausbrechen. Also sind wir gegangen". Jetzt sitzt er mit einer Gitarre auf einem Feldbett und wirkt erschöpft – in der Nacht konnte er "wegen des ständigen Lärms" kaum schlafen.

Einige Menschen haben ihre Haustiere mitgebracht, Futter und Katzenstreu stehen bereit. Für den Transport älterer Menschen wurden mehrere Busse organisiert.

Auch Bewohner von Bordeaux wollen helfen. Einer von ihnen, David Duval, möchte Evakuierte bei sich aufnehmen. "Ich habe ein Zimmer frei. Es bricht mir das Herz, wenn ich all diese Menschen in Not sehe. Wir müssen überlegen, was jeder von uns tun kann", sagte der Ingenieur, der in der Nähe wohnt.

Währenddessen breiten sich die Flammen weiter aus. Am Sonntag war das Feuer bereits bis 15 Kilometer an die Grenzen des Großraums Bordeaux herangerückt – eine Evakuierung des Ballungsraums mit einer Million Einwohnern wurde bisher aber ausgeschlossen.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 26.07.2026, 17:33, 26.07.2026, 17:30