Gesundheit

Warum es noch immer keinen Impfstoff gegen HIV gibt

Angesichts der schnellen Entwicklung der Corona-Impfstoffe fragt man sich, warum es gegen das HI-Virus bis heute keinen Impfstoff gibt. 

Sabine Primes
Teilen
Bei wechselnden Sexualpartnern sollte man regelmäßig einen Aidstest machen.
Bei wechselnden Sexualpartnern sollte man regelmäßig einen Aidstest machen.
Getty Images/iStockphoto

Heute ist Welt-AIDS-Tag. Erstmals 1988 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen, wird dieser Tag für Awareness und Solidarität mit HIV-positiven und an AIDS erkrankten Menschen jedes Jahr von UNAIDS unter ein bestimmtes Motto gestellt. Das diesjährige Motto lautet: End inequalities. End AIDS. End Pandemics ("Beendet Ungleichheiten. Beendet AIDS. Beendet Pandemien.")

Knapp ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie wurden am 27.12.2020 die Ersten mit den neuen Corona-Impfstoffen immunisiert. Binnen weniger Monate hatte die Wissenschaft mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt. Aber trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es bis heute keine Impfung gegen das HI-Virus. Warum?

AIDS ("acquired immune deficiency syndrome", übersetzt "erworbenes Immunschwächesyndrom") ist eine erworbene Immunschwächekrankheit. Sie ist das Endstadium einer HIV-Infektion. Der Erreger, das HI-Virus ("human immunodeficieny virus", übersetzt: menschliches Immunschwäche-Virus), befällt bestimmte Zellen des Immunsystems. Es wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen, weshalb man Safer Sex mit Kondomen praktizieren sollte. Denn nur Kondome können - bei richtiger Anwendung - eine Infektion mit HIV verhindern. Eine HIV-Infektion ist noch nicht heilbar, aber inzwischen sehr gut zu behandeln. Je früher man mit der Behandlung beginnt, desto besser sind die Überlebenschancen.
Diagnostiziert wird eine HIV-Infektion mittels Bluttest auf HIV-Antikörper. Eine sichere Diagnose ist erst drei Monate nach der Ansteckung möglich.
Die ersten Symptome einer HIV-Infektion tauchen innerhalb von sechs Tagen bis sechs Wochen, am häufigsten aber zwei Wochen nach der Ansteckung auf. Sie ähneln einem grippalen Infekt: Kopfschmerzen, Halsschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Fieber.
Im Wiener Aidshilfe-Haus werden Aidstests anonym und kostenlos angeboten.

"Viel tückischer als Coronavirus"

"Das HI-Virus ist leider viel tückischer als ein Coronavirus", sagt Infektiologe Prof. Dr. Richard Greil im Gespräch mit "Heute". Grund ist die anders aufgebaute Oberfläche des HI-Virus als etwa die Oberfläche des Coronavirus: Das HI-Virus hat weniger “Andockstellen” für Antikörper. Dazu kommt beim HI-Virus noch eine sehr hohe Mutationsrate, was dazu führt, dass sich diese Bindungsstellen auch noch ständig verändern. Daher sind Antikörper, die gegen Oberflächenproteine des HI-Virus gebildet werden, nach wenigen Virus-Generationen wirkungslos.

Ein weiterer Grund ist, dass HIV genau auf jenen Teil des Körpers zielt, der normalerweise Eindringlinge abwehrt: das Immunsystem. Das Virus dringt in die T-Helferzellen, die "Einsatzleitung" des Immunsystems ein und setzt sie außer Gefecht. Somit werden auch die anderen Immunzellen nicht aktiv, weil sie keinen Befehl der "Einsatzleitung" erhalten. 

1/2
Gehe zur Galerie
    Neun Punkte umfassen die Safer-Sex-Richtlinien des thailändischen Gesundheitsministeriums.
    Neun Punkte umfassen die Safer-Sex-Richtlinien des thailändischen Gesundheitsministeriums.
    Facebook/Thainews

    PrEP und Kondome als einzige Prophylaxe

    Vor allem die neue mRNA-Technologie wird jetzt dazu verwendet, um einen Impfstoff gegen HIV zu finden. Immer wieder hoffnungsvolle Entwicklungen, erwiesen sich bislang leider als nicht so wirkungsvoll. Erst im Sommer 2021 musste der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson bei seiner Suche nach einem Impfstoff einen Rückschlag einstecken: Ein Impfstoffkandidat erwies sich bei einer großangelegten klinischen Studie in südafrikanischen Staaten als wenig wirksam. Der Schutz vor einer HIV-Infektion betrug nur 25 Prozent.

    Bereits auf dem Markt hingegen sind Mittel zur Prävention, die eine Ansteckung verhindern: HIV-PrEP (kurz für Prä-Expositions-Prophylaxe). Die PrEP ist eine Safer-Sex-Methode, bei der HIV-Negative das HIV-Medikament einnehmen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko bekommen die PrEP bei bestimmten Ärzten verschrieben. Jedoch muss die Tablette jeden Tag eingenommen werden, um effektiv zu schützen. Trotzdem ist es ein weiterer Meilenstein im Kampf gegen HIV.

    Frühestmöglich mit der HIV-Therapie beginnen

    Zwar gab es seit der Entdeckung des tückischen Virus vor 40 Jahren enorme Fortschritte, dennoch sind seit dem über 30 Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit AIDS gestorben und sterben weiterhin. Wer das Glück hat, in einem privilegierten Land der so genannten "1. Welt" zu leben, kann Dank fortschrittlichster Therapie auch mit einer HI-Infektion ein normales Leben führen und erreicht heute damit die durchschnittliche Lebenserwartung eines Nicht-Infizierten. Je früher man mit der Behandlung beginnt, desto besser sind die Überlebenschancen.

    Heute wird bei der Behandlung von HIV auf Mehrfachtherapien gesetzt. "Mithilfe derer kann bei regelmäßiger Einnahme in über 95 Prozent der Fälle keine nachweisbare Viruslast mehr im Blut der Betroffenen festgestellt werden. Sie erreichen damit quasi das Level eines Nicht-Infizierten und sind auch nicht ansteckend", so Infektiologe Greil. 

    Mehr zum Thema