Warum fiel das niemandem auf?

Erwachsene, die mit fremden Kindern herumbalgen, engsten Körperkontakt mit Unmündigen suchen: "Original Play" heißt der Verein, der das – auch in Wien – anbietet. Nun gibt es erste Missbrauchsvorwürfe.
",Original Play' ist die Kunst, Liebe zu schenken und Liebe zu empfangen", so Erfinder Fred Donaldson. Kinder würden lernen, "gute von schlechten Berührungen zu unterscheiden", heißt es auf der Vereinshomepage.

Kein pädagogisches Konzept



Klingt harmlos, nur: dem Ganzen liegt kein pädagogisches Konzept zugrunde, pädagogische Ausbildung ist nicht nötig.

Trotzdem wurde und wird das "Original Play", bei dem Erwachsene mit Kindern "spielerisch" herumtollen, sie halten, heben und drücken, in Hunderten heimischen Kindergärten, Schulen und Flüchtlingseinrichtungen angeboten.

CommentCreated with Sketch.61 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Caritas, Diakonie, Kinderfreunde und Co. boten den derzeit elf in Österreich aktiven "Apprentices" ein "Spielfeld".

Erst eine gemeinsame Recherche von ARD und ORF deckte nun auf, dass es dabei zu möglichen Missbrauchsfällen gekommen ist.

Verdachtsfälle



Sechs derartige Verdachtsfälle habe es 2018 in Berlin und Hamburg gegeben. Die Ermittlungen wurden aber nach kurzer Zeit eingestellt. Die Kinder waren zu klein, um als Zeugen Gewicht zu haben, Eltern wurde nicht geglaubt, heißt es.

Die Stadt Wien lehnte eine Kooperation bereits 2018 ab, empfahl nun privaten Kindergärten und Schulen, den Verein nicht zu beschäftigen (siehe rechts). Niederösterreich stoppte die Zusammenarbeit mit "Original Play". So auch die Kinderfreunde.

Der Verein versteht die Aufregung nicht. Es seien "keine Vorfälle" bekannt, das "erste Interesse gelte dem Schutz der Kinder".

Stadt lehnte Verein ab, warnte aber nicht



Bereits 2018 sagte die MA 10 "Nein" zu einer Kooperation mit dem Verein "Original Play". Zuvor habe es einen von der Stadt bezahlten Workshop gegeben, bei dem das Konzept vorgestellt wurde.

Auch an einzelnen Standorten hätte es – kostenlose – Schnupper-Workshops gegeben. Erst jetzt, nach Aufkommen der Missbrauchsverdachtsfälle, empfahl die Bildungsdirektion auch privaten Kindergärten und Schulen, Kooperationen einzustellen (s.u.).

Verbieten könne man diese nicht, die MAG 11 würde aber auf die pädagogische Qualität achten. Bei Verstößen drohe den Privaten Förderstopp oder Schließung. Eltern rät Bildungsstadtrat Czernohorszky: "Im Zweifel die MAG 11 kontaktieren!"

Spielte auch Ihr Kind das "Original Play"?



Der Verein "Original Play" fand österreichweit in Hunderten Einrichtungen eine "Spielwiese". Um zu erfahren, ob auch Kindergarten oder Schule Ihres Kindes darunter ist, gehen Sie auf https://originalplay.at/spielen/#pgc-911-6-0.

Dort sind alle "Apprentices" nach Bundesland aufgeführt. Klickt man auf ihr Profil und dann auf "Spielerfahrung" erhält man eine Liste der "bespielten" Institutionen.

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