Giftig! Warum jetzt alle Quallen essen wollen

Quallen sind eigentlich ein echtes Superfood, wären sie nicht giftig.
Quallen sind eigentlich ein echtes Superfood, wären sie nicht giftig.iStock
Kaum etwas hassen Badende mehr als Quallen. Aber schon einmal daran gedacht sie zu essen? Laut Experten das Superfood schlecht hin.

Quallen zu essen klingt für viele Menschen zunächst befremdlich. Bei den Nesseltieren schießen einem meist Bilder giftiger Tentakeln durch den Kopf. Dabei werden die Meerestiere bereits seit über 1.700 Jahren in China und Südostasien gefangen und als Delikatesse verspeist. Schließlich verfügen Medusen weder über Hirn, Herz oder andere "schmutzige" Organe, sind dadurch nicht krankheitserregend und zudem ausgestattet mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Und dann wäre da noch der Aspekt des Klimawandels: Warum nicht essen, wovon es genug gibt?

Ob im Salat oder im Sushi - die Zubereitungsweisen von Quallen sind in Südostasien vielfältig.
Ob im Salat oder im Sushi - die Zubereitungsweisen von Quallen sind in Südostasien vielfältig.iStock

Giftige Plage auf dem Teller

Schließlich stellen die Erwärmung der Meere und der sinkende Sauerstoffgehalt für viele Tier- und Pflanzenarten ein Problem dar. Nicht aber für Quallen, sie gelten als anspruchslos. Den Medusen spielen Klimawandel und Überfischung sogar in die Karten. Sie können sich immer weiter ausbreiten und sind mancherorts zur regelrechten Plage geworden.

Diesen Ansatz haben nun Forscher rund um den Globus aufgegriffen: Das internationale Projekt GoJelly, geleitet vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und gefördert von der Europäischen Union, forscht unter anderem daran, ob und wie man die Quallen auch in Europa auf die Teller bringen kann. "Quallen sind ein wertvoller Rohstoff", sagt Jamileh Javidpour, Geomar-Forscherin, Initiatorin und Koordinatorin von GoJelly. "Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft neun Milliarden Menschen sein. Deshalb müssen wir uns nach neuen Nahrungsmitteln umsehen."

Neues Superfood?

Auch Stefana Piraino, Professor für Zoologie an der Universität von Salento in Italien, arbeitet an der Studie. Dabei wurde die chemische Zusammensetzung von Quallen im Mittelmeer untersucht und festgestellt, dass sie den Quallen, die im Fernen Osten gegessen werden, ähneln. "Also dachten wir uns: Warum versuchen wir nicht, sie zu essen?", erzählt Piraino "The Guardian".

Doch vor allem das Gift stellt noch eine große Hürde dar. Daran arbeitet unter anderem Antonella Leone am italienischen Institut für Wissenschaften der Lebensmittelproduktion in Lecce. Gegenüber "Euronews" spricht auch sie davon, dass es in absehbarer Zeit möglich sein könnte, dass Quallen in Europa wie in Asien auf den Speiseplan kommen.

Aber ist die Nachfrage überhaupt gegeben? "Ich denke, wenn wir ausreichend belegt haben, dass Quallen essbar sind und es genügend Untersuchungen gibt, die zeigen, dass sie nicht schädlich sind, werden auch Europäer keine Schwierigkeiten haben, solche Produkte in ihre Ernährung zu integrieren."

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