Hamas-Geisel

Warum kam der 10 Monate alte Kfir noch nicht frei?

Der zehn Monate alte Kfir Bibas wurde von der Hamas verschleppt und bisher nicht freigelassen. Dahinter steckt eine perfide Strategie der Terroristen.
20 Minuten
28.11.2023, 18:35
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"Frauen und Kinder zuerst", lautete die erste Forderung von Israel, als die Behörden mit der Hamas über die Freilassung der insgesamt 240 Geiseln verhandelten. Seit Samstag kamen 50 Israelis frei – darunter viele Mütter mit ihren Kindern. Doch von der jüngsten der Geiseln gibt es kein Lebenszeichen: Der zehn Monate alte Kfir Bibas war im Oktober zusammen mit seinem vierjährigen Bruder Ariel und seinen Eltern aus dem Kibbuz Nir Oz entführt worden. Bis heute wurde das Baby nicht freigelassen.

Nun befürchten israelische Streitkräfte das Schlimmste: Kfir Bibas soll in die Obhut einer separaten palästinensischen Gruppe in der südlichen Stadt Khan Yunis überstellt worden sein. Das Kind werde wahrscheinlich als Druckmittel in den Gesprächen der Hamas und Israels über eine Verlängerung des aktuellen Waffenstillstandsabkommens genutzt. Der Grund: Die Terroristen befürchten, dass der Süden des Gazastreifens bald Schauplatz einer erneuten Bombardierungskampagne sein wird, sobald die Waffenruhe Ende dieser Woche endet.

Sicherheitsanalyst Michael Horowitz sagte gegenüber der britischen Zeitung "The Telegraph", dass er vermutet, dass Familie Bibas von der Terrorgruppe "Volksfront zur Befreiung Palästinas" festgehalten wird. Bereits am Wochenende hatte der katarische Regierungschef Mohammed bin Abdulrahman al-Thani in einem Interview verraten, dass rund 40 Geiseln nicht in den Händen der Hamas seien, sondern von Gangs und Gaza-Bewohnern gefangen gehalten würden.

„Ist Baby Kfir der Feind der Hamas?“
Eylon KeschetCousin von Kfirs Vater

Baby verbrachte ein Fünftel seines Lebens in Geiselhaft

Kfir ist in Israel zu einem Symbol für die Brutalität des Hamas-Angriffs geworden. Als das Baby am Montag nicht freikam wie erwartet, veröffentlichte seine Familie eine Erklärung, in der es hieß: "Die Erkenntnis, dass wir die Umarmung, die wir uns so sehr gewünscht haben, nicht bekommen werden, hat uns sprachlos gemacht."

"Es gibt keinen Präzedenzfall für so etwas, für ein Baby, das entführt wurde, als es neun Monate alt war", sagte Eylon Keschet, der Cousin von Kfirs Vater, am Dienstag. "Ist Baby Kfir der Feind der Hamas?"

"Wahrscheinlich kann Kfir jetzt laufen"

Der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett hielt ein Bild von Kfir in Kameras internationaler Medien, Verteidigungsminister Joav Galant verwies in einer Pressekonferenz auf ihn und fragte, wer sich um ihn kümmere. Die Reporterin eines Fernsehsenders weinte vor laufender Kamera während eines Berichts über die Familie und sagte: "Ich glaube, eine ganze Nation wünschte sich, dass sie nach Hause kommen."

Angehörige der Bibas fragen sich, wie ein so kleines Kind eine so lange Gefangenschaft überstehen könne. Wahrscheinlich könne Kfir jetzt laufen, sagte seine Tante Ofri Bibas Levi kürzlich der Nachrichtenagentur AP. Aber bekomme er auch seine Flasche?

So lief die Entführung von Familie Bibas ab

Kurz nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober tauchte ein Video auf, das Kfir und Ariel in eine Decke gewickelt mit ihrer Mutter Schiri zeigt, während Bewaffnete sie auf Arabisch anbrüllen. Die Kinder zappeln herum, während ihre Mutter verängstigt wirkt. Niemand werde ihr etwas tun, sagte ein Mann. "Sie hat Kinder", sagt ein anderer. Der Vater der Buben, Jarden, wurde ebenfalls gefangen genommen und scheint Fotos zufolge verletzt worden zu sein.

Sie fragte sich am Dienstag, warum sich die Freilassung des Buben hinzieht. "Vielleicht ist er Teil eines psychologischen Krieges gegen uns", vermutete Bibas Levi. "Meine Hoffnung ist, dass sie ihn nicht als Trophäe betrachten."

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