Warum Trump glaubte, dieser Mann sei seine Schwester

Trump-Fan Josh Hall
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Josh Hall ist ein einfacher Bürger. Im Internet gibt er sich als Bruder, Schwester und Sohn von Trump aus - worauf auch der US-Präsident hereinfiel.

Der konservative Moderator Wayne Dupree meldete es als Erster: Jetzt mischt sich Elizabeth Trump ein, die älteste Schwester von US-Präsident Donald Trump. Sie stelle sich hinter ihren Bruder und dessen Behauptung, die US-Wahlen gewonnen zu haben. Tatsächlich hatte "Betty Trump" Ende November getweetet: "Mein Bruder Don hat diese Wahl gewonnen und wird bis zum Schluss dafür kämpfen. Wir waren schon immer eine Familie von Kämpfern."

Diese öffentliche Solidaritätsbekundung war ungewöhnlich, zumal sich Elizabeth Trump Grau aus dem Scheinwerferlicht heraushält und zurückgezogen in Florida lebt. "Danke, Elizabeth. Love", twitterte Donald Trumpdennoch erfreut zurück. Die öffentlichen Solidaritätsbekundung war allerdings nicht von Trumps Schwester gekommen, sondern von Josh Hall, einem 21-jährigen Lebensmittellieferanten aus Mechanicsburg, Pennsylvania.

"Wie kann er das nicht erkennen?"

Der glühende Trump-Anhänger unterhielt seit Januar verschiedene Twitter-Konten, auf denen er sich jeweils als Familienmitglied des Trump-Clans ausgab – und mit seinen Tweets Zehntausende Follower anzog, die die Konten nicht als Fakes erkannten. Dabei waren diese relativ leicht als solche auszumachen. Sie waren nicht alt, für die Profilfotos waren Agenturfotos benutzt worden, andere Bilder stammten aus alten Medienberichten.

Als er die Reaktionen des US-Präsidenten auf den Tweet gesehen habe, sei er aus allen Wolken gefallen: «O Gott, er denkt tatsächlich, ich sei seine Schwester», erzählt Hall der "New York Times". "Ich bin ein großer Trump-Unterstützer, aber da dachte ich mir: Er muss doch wissen, dass das nur eine Parodie ist. Wie kann er das nicht erkennen?"

Über 43.000 neue Follower in acht Tagen

Neben Elizabeth Trump Grau gab sich Hall auf Twitter auch als (der mittlerweile verstorbene) Trump-Bruder Robert, Trump-Schwester Maryanne Trump Barry oder Trump-Neffe Fred Trump III aus. In ihrem Namen postete er während zehn Monaten politische Kommentare, gemixt mit allerhand Behauptungen und Verschwörungstheorien wie «John F. Kennedy Jr. ist nicht tot und wird Mike Pence als Vizepräsident ersetzen».

Auch im Namen von Donald Trumps 14-jährigem Sohn Barron twitterte Hall: "Covid ist alles Betrug" oder "QAnon ist echt. Je mehr die Medien sie versuchen zu delegitimieren, desto mehr zeigt sich ihre Angst." Tweets wie solche bescherten Hall und seinem gefälschten "Barron Trump"-Profil in acht Tagen über 43.000 neue Follower, so die "Times". Bis Ende November folgten insgesamt über 160.000 User den Fake-Profilen des 21-Jährigen.

Spender abgezockt?

"Ich hatte keine niedrigen Absichten", versicherte Hall. "Ich habe nur die Maga-Anhänger angestachelt und dabei meinen Spaß dabei gehabt." Doch unschuldig war der "Spaß" nicht. So rief Hall 77.000 User, die einem Twitter-Konto im Namen von Trump-Bruder Robert folgten, dazu auf, für die nicht existierende Gruppierung "Gay Voices for Trump" zu spenden. Über 7000 Dollar kamen so zusammen. Es ist unklar, was mit dem Geld passiert ist.

Als die Antwort des US-Präsident auf den Tweet seiner "Schwester Elizabeth" am 20. November begann die Runde zu machen, flogen Halls Konten innert Stunden als Fakes auf und wurden von Twitter deaktiviert.

"Onkel Rob Trump forderte dazu auf"

Einer, der Donald Trumps angeblichem Bruder auf Twitter folgte und auf Josh Halls Spendenaufruf hin 100 Dollar überwies, ist Josiah Bruns aus Goffstown, New Hampshire. Er habe gezahlt, weil "Onkel Rob Trump dazu aufgefordert hat", sagt er "New York Times". Er sei von einer QAnon-Gruppierung auf das Profil von "Robert Trump" aufmerksam gemacht worden. Dort werde einem beigebracht, dass "wir alles recherchieren und infrage stellen müssen". Er habe auch das "Robert Trump"-Profil unter die Lupe genommen und sei sich "vielleicht zu 65 Prozent sicher, dass es ein echtes Profil ist", so Bruns. Als die Zeitung den Mann aufklärte, dass er aber doch auf ein Fake-Profil hereingefallen war, reute diesen das Geld nicht. In Zukunft, sagte er, werde er noch stärker auf die Recherchetechniken setzen, die er bei der QAnon-Gemeinschaft erlerne, "um herauszufinden, was im Internet wahr ist und was nicht."

Derweil hat die Spendenwebsite GoFundMe, auf die das Geld einbezahlt worden war, Untersuchungen eingeleitet, was mit den überwiesenen 7000 Dollar passiert ist. Einer Sprecherin zufolge hatte der Organisator des Spendenaufrufes für "Gay Voices for Trump" das Geld vom Konto – es lief unter dem Namen Josh H. – abgehoben. Sie stellte eine Rückzahlung an die Spender in Aussicht. Josh Hall bestreitet gegenüber der "New York Times", das Geld einkassiert zu haben. Für Nachfragen sei er später nicht mehr zur Verfügung gestanden, schreibt die Zeitung.

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