Was die Elektro-Autos so unverschämt teuer macht

E-Autos sind noch Luxusgüter.
E-Autos sind noch Luxusgüter.Bild: iStock
Geringe Nachfrage plus hohe Produktionskosten heizen die Preise an. Weltweit werden immer weniger E-Autos verkauft.
Größter Kostentreiber bei E-Autos ist der Akku. Neben hohen Anschaffungskosten bereitet vor allem das Gewicht Probleme: E-Autos sind gegenüber vergleichbaren Verbrennern um ca. 300 bis 800 kg schwerer. Ein höheres Gesamtgewicht des Fahrzeugs bedeutet eine steifere Karosserie, größer dimensionierte Bremsen, Achsen und vieles mehr. Das treibt die Kosten nach oben.

Die aktuelle Studie „Integratives Kostenmanagement für E-Fahrzeuge" der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney beleuchtet die Probleme, mit denen sich Hersteller von Elektroautos derzeit herumschlagen.

Anhand des neuen SUV Mercedes EQC (ab 71.281 Euro) hat Kearney nachgerechnet, wo die Kohle verbrennt. So beträgt das Leergewicht des Mercedes 2.425 Kilogramm. 650 kg davon entfallen auf die 80kWh-Batterie samt Batteriegehäuse und Kühlung. Gegenüber dem vergleichbaren Verbrenner-Modell GLC sind das satte 690 Kilo mehr.

Dieses Zusatzgewicht beeinflusst das 408 PS starke Fahrzeug. Das Fahrwerk – Achsen, Räder, Lenkung, Bremsen – wird aufgrund der stärkeren Auslegung um bis zu 10 Prozent teurer. Zum Schutz der Batterie bei Front- und Seitencrashs sind in der Karosserie zusätzliche Verstärkungen erforderlich, weitere Kosten fallen an. Summa summarum: Im Vergleich zum Verbrenner steigen die Materialkosten um steile 60 Prozent. Laut deutschem ADAC schafft die Schüssel 320 Kilometer. Mercedes gibt hingegen eine Reichweite von 471 Kilometern an. Benzin-Fahrer lächeln darüber.

CommentCreated with Sketch.19 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Asiatische Hersteller dominieren

Nächstes Problem: Die Batterie. Das Angebot bestimmt eine kleine Anzahl von Zulieferern. Die asiatischen Hersteller Samsung, Panasonic und CATL produzieren derzeit ca. 90 Prozent der weltweit verfügbaren Autoakkus. Die Herstellung wird zwar immer billiger, aber die Nachfrage steigt, Batterien werden knapp. Um die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten zu verringern, müssten Zulieferer und Automobilhersteller in eine eigene Batteriefertigung investieren. Das ist den Unternehmen aber zu teuer.

Der Strom-SUV Mercedes EQC
Der Strom-SUV Mercedes EQC
Weltweit weniger E-Autos verkauft



Weltweit ist die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos (batterieelektrisch und Plug-in-Hybrid) zum ersten Mal seit fünf Jahren um 8,8 Prozent zurückgegangen, wie aus dem „E-Mobility Sales Review" von PwC-Autofacts hervorgeht. Demnach verzeichneten batteriebetriebene Elektroautos im dritten Quartal 2019 einen Rückgang von 2,8 Prozent (321.573 verkaufte Einheiten im dritten Quartal 2019) im Vergleich zum Vorjahr. Plug-in-Hybride gingen sogar um 23,8 Prozent (102.097 verkaufte Einheiten) zurück.

China bricht ein

Vor allem China habe einen massiven Rückgang erlebt (batterieelektrische Fahrzeuge: -15,7 Prozent, Plug-in-Hybride: -27,3 Prozent, Hybride: -20 Prozent). Einen wesentlichen Einfluss darauf habe die Entscheidung Chinas, die Förderung von Batteriefahrzeugen zugunsten der Wasserstoff-Mobilität zurückzufahren.

E-Autos bleiben also mittelfristig eher teuer. Besserung ist erst in Sicht, wenn mehr verkauft werden. Wobei tiefe Preise helfen würden. Ein Teufelskreis.

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