Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin seit über 50 Tagen versucht, in einem brutalen Angriffskrieg die Ukraine zu erobern – und damit scheiterte –, konzentrieren sich die russischen Streitkräfte nun auf den Osten der Ukraine. Hat Putin dort mehr Chancen? Ja, sagt Oberst Berthold Sandtner vom Bundesheer am späten Dienstagabend in der ORF-"ZiB 2" bei Moderator Armin Wolf. Man habe nun die operativen und militärischen Ziele kleiner gesetzt und sich besser auf die Angriffe vorbereitet, so Sandtner. Es gebe mit einem verantwortlichen General auch eine stärkere militärische Handschrift.
Dass sich die Attacken der Russen vor allem auf Mariupol konzentriere, habe drei Gründe, so der Oberst. Mariupol sei die "strategische Landverbindung vom Donbas Richtung Krim", zudem besitze die Stadt den wichtigsten Hafen der Region. Und: Hier könne sich Putin auf sein selbsterklärtes Ziel konzentrieren, die "Entnazifizierung" der Ukraine voranzutreiben, so der Oberst. Der Stadt würde eine große Nähe zu rechten Kreisen, zu "Ultras und Neonazis vorgeworfen", so der Oberst. Mit dem Angriff wolle Putin nun zeigen, dass er sein ursprünglich verkündetes Ziel der "Bekämpfung von Nazis" verfolge.
Auch wenn die Situation der Russen nun aussichtsreich sei, gewonnen habe Putin noch nicht, vielmehr gebe es einen "Wettlauf gegen die Zeit", so Sandtner. Was Putin aufhalten könne? Wenn es der Ukraine gelinge, rechtzeitig Nachschub und Waffen aus dem Osten zu erhalten, vor allem Luftwaffen und Raketenwerfer, so der Oberst. Aktuell sei es so, dass die Ukraine vor allem nächtlichen Angriffen der Russen fast schutzlos ausgeliefert sei. Dass Putin bis zum 9. Mai, den Tag des Sieges über das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg, den Donbass erobere, sei realistisch, so Sandtner.
Einen Strich durch die Rechnung könne Putin aber auch das schlechter werdenden Wetter mit immer tiefer werdenden Böden sowie die gute Vorbereitung der Ukrainer mit Schützengräben und Bunkern sowie die gute Geländekenntnis des Feindes machen, so der Oberst. Eine "abschließende Einschätzung", welche Seite sich bis zum 9. Mai durchsetzen könnte, traute sich Sandtner in der ORF-Sendung letztlich nicht zu.