Tausende Soldaten werden am Montag um 10 Uhr Ortszeit über den Roten Platz in Moskau marschieren, gefolgt von Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Raketenwerfern und begleitet von einer Flugshow. Die Parade soll militärische Stärke demonstrieren, während Russland in der Ukraine eine Militäroffensive führt, die das Bild der russischen Armee in Frage gestellt hat.
Präsident Wladimir Putin wird um 10.15 Uhr Ortszeit eine mit Spannung erwartete Rede halten, in der er neue Warnungen an den Westen richten dürfte. Viele Russen halten es für möglich, dass er mit Blick auf die Ukraine eine Generalmobilmachung verkündet, auch wenn der Kreml entsprechende Pläne dementiert hat. Es gibt drei mögliche Szenarien, die am Montag eintreffen könnten.
So wie bereits vor Wochenfrist angekündigt, könnte Putin am Montag den Sieg über die Ukraine verkünden. Die Ziele der "Spezialoperation" waren nämlich von Anfang an nicht ganz klar formuliert. Einer der Gründe für den Einmarsch war die "Entnazifizierung" der Ukraine. Der Kreml-Chef könnte verkünden, dass man die Ukraine nachhaltig geschwächt habe.
Auch die Eroberung der Donbass-Regionen Donezk und Luhansk könnte dem russischen Volk als Sieg verkauft werden. Oder gar die Eroberung der ukrainischen Großstadt Cherson, wo man mittlerweile mit Rubel bezahlen muss, wie Ulrich Schmid, Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands an der Uni St. Gallen gegenüber dem "Tagblatt" sagte.
Dass der russische Angriffskrieg nicht so läuft wie vom Kreml gewünscht, ist schon länger klar. Unlängst wurde bekannt, dass Wladimir Putin am 9. Mai den "Sieg über die Ukraine" verkünden wollte. Der Krieg läuft jedoch nicht wie gewünscht. Nun erhält die Annahme, dass anstelle des Sieges eine Großoffensive verkündet wird, immer mehr Nährstoff. Auch der britische Verteidigungsminister Ben Wallace hält dieses Szenario für wahrscheinlich. Viele Russen halten es für möglich, dass er mit Blick auf die Ukraine eine Generalmobilmachung verkündet, auch wenn der Kreml entsprechende Pläne dementiert hat. Es wird erwartet, dass Putin auch den Untergang der Moskwa, des Flaggschiffs der russischen Schwarzmeerflotte, vergessen machen will, wie der "Focus" schreibt.
Russland hat ungefähr eine Million aktive Soldaten. Würde Putin die Generalmobilisierung ausrufen, könnten auf den Befehl des Kreml-Chefs hin circa zwei Millionen Reservisten einrücken. Die Mobilmachung würde Russlands Truppenstärke extrem erhöhen. Berichte des ukrainischen Geheimdienstes sagen auch, dass die Russen ihre Nahrungsmittelvorräte aufstocken, was auch auf eine Mobilmachung hindeuten könnte.
Der russische Staatssender Rossija 24 hat in einer Grafik gezeigt, wie Kreml-Chef Wladimir Putin einen Atomschlag auf drei europäische Hauptstädte ausführen würde, und dazu erklärt, dass es "keine Überlebenden" geben werde. Damit reagierte der Sender offenbar auf Äußerungen des britischen Verteidigungsministers, der ukrainische Angriffe auf russische Infrastrukturen befürwortet. Die Drohungen mit Nuklearwaffen haben in letzter Zeit zugenommen.
Ein weiterer Faktor könnte sein, dass aus russischer Sicht die Nato in Europa zurzeit schwach aufgestellt ist. Es scheint jedoch zweifelhaft, ob dies Grund genug wäre für Russland, den Westen anzugreifen. Erst kürzlich warnte der ehemalige hochrangige Nato-General Richard Shirreff, der Westen müsse sich auf einen Krieg mit Russland in der Ukraine "im schlimmsten Fall" vorbereiten, da der russische Präsident die Parade zum Tag des Sieges am 9. Mai nutzen könnte, um seinen Nachbarn den "Totalen Krieg" zu erklären.