Wirtschaft

Weg aus Krise: Zypern will Casino eröffnen

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:00

Sparer der Bank of Cyprus mit einem Vermögen von mehr als 100.000 Euro müssen mit deutlichen Verlusten rechnen. Denn oberhalb dieser geschützten Summe droht bei jedem weiteren Euro eine Zwangsabgabe von bis zu 60 Prozent.

Darüber hinaus sucht Zypern auch nach anderen Lösungen, um der Finanzkrise Herr zu werden. Darunter den Bau eines Casinos.

Der zypriotische Finanzminister Michalis Sarris teilte am Samstag in Nikosia die Modalitäten für die Rettung von Zyperns größter Bank, der Bank of Cyprus mit. Vermögende werden dabei in einem ersten Schritt mit 37,5 Prozent ihrer Einlagen oberhalb der 100.000-Euro-Grenze zur Kasse gebeten.

Zwangsabgabe wird eingeführt

Wer beispielsweise 200.000 Euro bei der Bank of Cyprus hat, dem bleiben 100.000 Euro sicher. Auf die verbleibenden 100.000 Euro wird nun laut Sarris eine erste Zwangsabgabe von 37,5 Prozent - also 37.500 Euro - erhoben. Weitere 22.500 Euro könnten folgen, wie Sarris im zypriotischen Fernsehen (RIK) erklärte.

"Wir werden zusätzlich 22,5 Prozent sozusagen beiseitelegen", sagte Sarris. Falls die Bank of Cyprus noch mehr Geld zur Rettung benötige, werde man auch diese 22,5 Prozent nehmen. Die Sparer sollen für ihre Verluste Aktien der Bank bekommen.

Weitere mögliche Zwangsmodelle

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Verweis auf die Zentralbank, dass Anleger für ihre Einlagen ab 100.000 Euro Aktien der Bank of Cyprus im Wert von lediglich 37,5 Prozent erhalten sollen. 22,5 Prozent der Einlagen über der Grenze sollten gar nicht berücksichtigt werden, seien also verloren. Die restlichen 40 Prozent sollten nur dann ausbezahlt werden, wenn sich die Bank gut entwickle.

Laut AFP werden 37,5 Prozent der Guthaben von mehr als 100.000 Euro bei der größten Bank des Landes in Aktienkapital umgewandelt. Weitere 22,5 Prozent sollen für drei Monate eingefroren werden, bis feststehe, ob weitere Abgaben erforderlich seien. Der Abgeordnete Marios Mavrides der konservativen Regierungspartei Disy von Staatschef Nikos Anastasiades sagte der Nachrichtenagentur, die restlichen 40 Prozent würden sechs Monate lang auf einem Konto "blockiert".

Laiki-Bank wird aufgespalten

Die zweitgrößte Bank, die Laiki Bank, soll den Plänen zufolge gespalten werden. Nur Geldeinlagen bis 100.000 Euro werden gerettet. Diese gehen an die gesunde Bank, die von der Bank of Cyprus übernommen wird. Der Rest geht an eine sogenannte Bad Bank. Die Sparer können hoffen, dass sie in der Zukunft einen Teil ihrer Gelder zurückbekommen. Eine bereits eingesetzte Insolvenzverwalterin soll unter anderem über den Verkauf von Immobilien der Bank versuchen, Geld einzusammeln.

Baut Zypern mehr Casinos?

Auf der Suche nach weiteren Wegen aus der Krise werden keine Tabus gescheut. Anastasiades kündigte in einem Interview mit der größten zypriotischen Zeitung "Fileleftheros" unter anderem die Eröffnung eines Casinos an. Bisher war dies am hartnäckigen Widerstand der einflussreichen orthodoxen Kirche und ihres Erzbischofs Chrysostomos gescheitert.

Casinos sind bisher nur auf der türkischen Seite Zyperns zu finden. Im Norden Zyperns gibt es seit einer türkischen Militärintervention 1974 die international nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Im Süden liegt die Republik Zypern, die aber die ganze Insel international vertritt und auch Mitglied der EU ist. Viele Touristen und Einheimische gehen zum Spielen in den Norden. Anastasiades sagte, die zypriotische Wirtschaft müsse dringend weiter gestärkt werden. Unter anderem solle es keine Steuern auf Gewinne von Betrieben geben, die wieder auf Zypern investiert werden.

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