Wegen Corona so wenig Pleiten wie zuletzt vor 30 Jahren

Die Insolvenzen in Österreich bleiben voraussichtlich auch 2021 auf künstlich niedrigem Niveau.
Die Insolvenzen in Österreich bleiben voraussichtlich auch 2021 auf künstlich niedrigem Niveau.Frank Hoermann / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
Die Insolvenzen bleiben voraussichtlich auch 2021 auf künstlich niedrigem Niveau. Grand dafür sind die Corona-Hilfen.

Die Insolvenzen in Österreich bleiben voraussichtlich auch 2021 auf künstlich niedrigem Niveau. Der Grund dafür sind die umfangreichen Maßnahmenpakete, um die Folgen der Covid-19-Pandemie für die Unternehmen teilweise abzufedern. Mit der Verlängerung und Ausweitung dieser Maßnahmen Ende 2020 erwartet die Kreditversicherung Acredia für 2021 eine ähnliche Entwicklung wie im Vorjahr.

"Wir hatten in den ersten beiden Monaten 2021 bei den eröffneten Insolvenzen ein Minus von 60 % gegenüber 2020", erläutert Expertin Marina Machan die aktuelle Situation. "Unter der Annahme, dass die Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung noch bis zum Ende des Sommers weitergehen und sich dieser Trend bis dahin so fortsetzt, könnte das Jahr 2021 ein Minus von 39 % bringen. Das entspricht der Größenordnung aus dem Vorjahr", so Machan weiter.

Acredia legt diesem Szenario einen deutlichen Anstieg der Insolvenzen im letzten Quartal 2021 zugrunde. Für 2022 prognostiziert der heimische Marktführer aktuell einen Insolvenz-Zuwachs von 25 bis 27 % gegenüber 2019. "Wir gehen dabei von zwei Effekten aus: Einmal ein Nachholeffekt und dann die durch die Pandemie bedingten Insolvenzen", sagt Machan.

Entkoppelt

"Es ist paradox: Trotz einer der größten Wirtschaftskrisen sind Insolvenzen in Österreich so niedrig wie zuletzt vor 30 Jahren", sagt Acredia-Vorstand Ludwig Mertes. "Das zeigt, wie stark die Insolvenzentwicklung von der tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und dem aktuellen Zustand der Unternehmen entkoppelt ist. Die Insolvenzentwicklung ist derzeit nicht von Marktmechanismen, sondern von der weiteren Entwicklung und dem Fortbestand der Unterstützungsmaßnahmen abhängig. Das wird nicht ewig so weitergehen – ein unmittelbarer und sprunghafter Anstieg ist aber noch nicht in Sicht."

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