Wegen einem -ic im Namen behandelt man uns anders

Der Nachname hat für die meisten Menschen eine große Bedeutung. Doch manchmal kann er auch leider zur Last werden.
Vor kurzem haben wir uns schon mit dem Phänomen der Balkan-Nachnamen auseinandergesetzt. Denn (fast) alle Enden mit einem -ic. Die Erklärung dafür wurde zwar bereits geliefert, jedoch nicht die Auswirkung.

Einige Leser meldeten sich nämlich mit ihren Geschichten, die sie aufgrund ihrer Namen erlebten. Denn ein Nachname, der ziemlich laut schreit, "Ich bin ein Jugo", kann manchmal sehr mühsam werden. Da sind sich auch (fast) alle einig.



Klar, es gibt die eine Seite, die stolz ist, dass der Name die Wurzeln nochmal unterstreicht. Man will irgendwie zeigen, dass man vom Balkan kommt. So antwortete eine Dame auf den Kommentar einer Leserin, die meinte, sie sei froh, dass sie trotz ihrer Herkunft kein -ic im Namen hat, wie folgt: "Ich bin auch eine Kroatin und stolz darauf, auch ein ic zu haben!"

CommentCreated with Sketch.20 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Doch nicht wenige erklärten die Schwierigkeiten, die ein simples Suffix mit sich bringt. Ein -ic oder ein nicht-ic entscheidet darüber, wie sich Personen bei Behörden oder Ämtern gegenüber einem Verhalten. So fällt mir auf, dass meine Mutter, beispielsweise bei Ärzten, immer freundlicher empfangen wird als ich. Ich muss erklären, dass meine Mama neu geheiratet hat. Sie hat nun einen sehr österreichisch klingenden Namen, ich hingegen habe ihren Mädchennamen behalten.

Jedoch ist meine Aussprache um einiges österreichischer als ihre. Meine Mama redet tatsächlich das klischeehafte Jugo-Deutsch, wie man es aus seichten Filmen und Serien kennt. Sie kann zwar alles sagen, es hört sich nur ein wenig komischer an. Dennoch wird sie zunächst herzlicher empfangen als ich. Und meine Erfahrungen decken sich mit jenen meiner Freunde und Bekannten.



So erzählte mir eine Studienkollegin, dass sie merkt, wie die Damen und Herren bei Ämtern immer ihr offensichtlichstes Hochdeutsch auspacken, wenn sie an der Reihe ist. "Sie reden sehr langsam und richtig deutlich, als ob ich alt und schwerhörig wäre", meinte sie. Auch spüre sie, dass ihr zu Beginn des Gesprächs eine gewisse Abneigung entgegen schlägt. Einfach nur wegen einem -ic im Namen. Dabei lebt sie seit ihrer Kindheit in Österreich. Akzent oder Sprachprobleme? Keine Spur.

Kurios wird es, wenn der Name dann doch nichts über die Wurzeln aussagt. Oder zumindest nur etwas über die weit entfernten. Denn ein Leser erklärt beispielsweise, dass er keinerlei Verwandschaft am Balkan hat, sein Nachname dennoch mit einem -ic endet. Auch er schreibt, dass er dadurch oft vorverurteilt wird. Das merke er im alltäglichen Leben.

Faszinierend eigentlich, was ein -ic so alles ausmachen kann...

(red)
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