Fussball

Wegen Schmid-Aus: Verlieren "Veilchen" nun den Kapitän?

Die Wiener Austria ist wieder auf Trainersuche. Am Montag wurde die Trennung von Manfred Schmid bekannt. Eine Entscheidung, mit weitrechenden Folgen. 

Markus Weber
Manfred Fischer unterstützte Manfred Schmid, geht der Austria-Kapitän nun?
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Gepa

Im Sommer 2021 wurde Schmid als der violette Retter geholt, sollte als Vereinsikone die krisengeschüttelten "Veilchen" zurück in die Erfolgsspur bringen. Und das gelang auch. Die Austria beendete die Saison sensationell auf dem dritten Tabellenrang, schaffte den Sprung in den Europacup. Dort setzte es allerdings herbe Pleiten, die junge Mannschaft bezahlte Lehrgeld.

Den Weg raus aus der Krise stoppen die "Veilchen" am Montag allerdings, gaben die sofortige Trennung von Coach Manfred Schmid bekannt. Sein noch bis Saisonende laufender Vertrag wurde einvernehmlich aufgelöst. Als Grund dafür wurden "Auffassungsunterschiede" im violetten Spielstil angegeben.

Neuer Spielstil

Damit ist auch klar, dass die Entscheidung zur Trennung von Investor Jürgen Werner ausgeht. Der einstige LASK-Vizepräsident will bei den Wienern einen Spielstil etablieren, der dem typischen Red-Bull-Fußball ähnelt. Auch die Stahlstädter traten in der Ära des ehemaligen Fußballers und späteren Spielerberaters mit hohem Pressing auf. Ein Spielstil, den Schmid nicht mittragen wollte.

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    Die nun gehandelten Trainerkandidaten überraschen deshalb auch nicht. Allen voran wird Ex-LASK-Trainer Valerien Ismael genannt, genauso wie der aus dem Leipziger Nachwuchs stammende Roland Klauß, der zuletzt den deutschen Zweitligisten Nürnberg betreute, oder auch Michael Angerschmid, Co-Trainer von Oliver Glasner bei Eintracht Frankfurt. Ebenso genannt wird der einstige St.-Pölten-Betreuer Stephan Helm, im Duo mit Emanuel Pogatetz. 

    Neuzugänge enttäuschten

    Die Frage, die sich nun stellt, ist jedoch: Kann die Austria mit dem aktuellen Kader überhaupt das beim LASK so populäre 3-4-3-System spielen? Der Kader ist eigentlich auf Ballbesitzfußball ausgelegt. Gerade in der Abwehrzentrale gab es im Herbst immer wieder Probleme. Kapitän Lukas Mühl war verletzt, Lucas Galvao, der wieder fitte Johannes Handl und der talentierte Luca Meisl wirkten nicht immer sattelfest. Dazu entpuppte sich der Liverpool-Leihspieler Billy Koumetio als Schwachstelle, erhielt zuletzt nur noch Einsatzminuten bei den Young Violets. Schmid probierte die Dreierkette, zog auch Außenverteidiger Reinhold Ranftl in die Abwehrzentrale. Mit einer Vierer-Abwehr agierten die "Veilchen" aber stabiler. Auch wenn Werner schon zuletzt lieber eine Dreierkette gesehen hätte. 

    Auch die weiteren Sommer-Zugänge konnten bisher nicht überzeugen. Der israelische Linksverteidiger Matan Baltaxa war monatelang verletzt, Marko Raguz konnte noch keine Minute für die Austria spielen, Mittelstürmer Haris Tabakovic passte nicht ins violette Offensivspiel und blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Sie alle hat Ortlechner geholt, sie alle überzeugten noch nicht. 

    Fischer unterstützte Schmid – geht er jetzt?

    Das trifft auch auch James Holland zu. Der vom LASK geholte routinierte Mittelfeldspieler fand seinen Platz im Austria-Kader nicht, wurde am letzten Spieltag der Herbstsaison zu den Young Violets abgeschoben. Und erschien zum Derby gegen Rapid II nicht. Investor Werner schätzt den Australier, bei Schmid war er außen vor. 

    Ganz anders sieht die Situation bei Austrias zweitem Kapitän Manfred Fischer aus. Der Mittelfeldmotor führte die "Veilchen" über weite Strecken im Herbst als Kapitän an, ersetzte den verletzten Mühl. Und stellte sich bereits im Oktober, als erste Ablösegerüchte rund um Schmid die Runde machten, demonstrativ hinter den Trainer. "Das Trainerthema geht uns leider nichts an. Ich weiß, was der Trainer kann und ich schätze ihn sehr. Ich stelle mir den Fußball genau so vor, wie er", meinte Fischer nach dem 1:1 gegen Lech Posen. Und ergänzte mit Blick auf seinen auslaufenden Vertrag: "Natürlich fließt die Trainerentscheidung in meine Entscheidung ein." Ein Abschied des so kampfstarken Kapitäns wäre für die "Veilchen" jedenfalls ein herber Rückschlag. Vor allem, weil die violetten Kassen ja weiterhin leer sind. Teure Neuverpflichtungen sind bei einem Fremdkapital von 72 Millionen Euro nicht drinnen. Dass die "Veilchen" bei einem Minus in der Saison 2021/22 immerhin kolportierte 1,3 Millionen Euro in die Hand nahmen, um Raguz zu holen, überrascht beim violetten Jahresergebnis umso mehr. 

    Neuer Trainer bis Anfang Jänner

    Bis zum Trainingsstart am 3. Jänner soll nun eine Trainerentscheidung fallen. Die Spieler selbst erfuhren davon nicht im Voraus, wie Austrias Sportdirektor Manuel Ortlechner berichtete. Es werde vielmehr in den nächsten Tagen ein virtuelles Meeting geben. "Der eine oder andere wird es nicht gleich verstehen", gab Ortlechner zu. 

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