Wegen Teuerung – Wirt will 149 Euro für Wiener Schnitzel

Im Gasthof "Hoamat" in Landl im Gesäuse gibt es ein ganz besonderes Schnitzel-Menü.
Im Gasthof "Hoamat" in Landl im Gesäuse gibt es ein ganz besonderes Schnitzel-Menü.iStock; Google Street View
Die extreme Teuerung bei Strom und Gas lässt Wirte verzweifeln. Ein Steirer protestiert dagegen mit einem "Menü für Energieversorger" zum Sonderpreis.

Wiener Schnitzel um 149 Euro, ein gemischter Salat mit Kernöl um 54 Euro und vielleicht noch eine Frittatensuppe um 43 Euro oder Palatschinken (immerhin 2 Stück) um 42 Euro dazu – bei diesen gesalzenen Preisen dürfte so manchen Gästen des Gasthofs "Hoamat" in Großreifling im Gesäuse der Appetit ganz schnell wieder vergehen.

Otto Normalverbraucher darf es sich aber ganz beruhigt schmecken lassen, diese Mondpreise verrechnet Wirthaus-Chef Ulrich Matlschweiger nämlich nur einer aktuell ganz besonders beliebten Gruppe an Personen: Energieversorgern.

5.200 Euro für Energie

Der Funke, der das Protestfeuer unter der Schnitzelpfanne entfachte, war ihm zufolge die letzte Stromvorschreibung. Innerhalb weniger Monate explodierten die Energiekosten des Betriebs. Der Tarif stieg von günstigen 4,29 Cent auf 90 Cent pro Kilowattstunde.

Bei einem monatlichen Verbrauch von 5.830 Kilowattstunden schnellte damit auch Matlschweigers Rechnung von 300 auf (g)astronomische 5.200 Euro. Netzgebühr noch exklusive.

"Die derzeitigen Kosten, die ich als Gastronom für die Aufrechterhaltung meines Betriebs aufzubringen habe, lassen mich jedoch an meine Grenzen stoßen. Als Unternehmer bin ich es gewöhnt, vorsichtig zu kalkulieren. Diese Preissteigerungen angesichts der derzeitigen Lage zu erwirtschaften, gleicht einem Kunststück", klagt Matlschweiger auf Facebook.

Er will deshalb den Spieß umdrehen: "Ich bitte jene zur Kasse, die mit der Energiekrise Geld machen. Die Stromerzeuger zahlen bei mir ab jetzt den zehnfachen Preis, mein normaler Kunde den einfachen – damit sind die Kosten gedeckt", wird der Gastronom am Samstag in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Bitterer Nachsatz: "Das Leben ist so hart, dass du Humor brauchst, um das durchzustehen."

"Habe alle angerufen"

Hinter dem Jux steht durchaus ernst gemeinte Kritik. Österreich halte sich an Regeln, "die keinen Sinn ergeben", prangert der 34-Jährige an. Das Merit Order-Prinzip stößt ihm besonders sauer auf: "Das wäre so, als ob plötzlich alle Wirte in Österreich 25 Euro fürs Schnitzel verlangen sollen, nur weil der Teuerste das so macht."

Doch bis die Politik etwas bewegt, kann es bekanntlich dauern. Der Wirt aus dem Gesäuse hat deshalb selbst Maßnahmen ergriffen: "Ich habe alle angerufen, die mir eingefallen sind und sie um Hilfe gebeten." Mittlerweile hab er laut "Kleiner Zeitung" einen neuen Stromanbieter gefunden und zahlt 67 Cent/kWh statt wie angekündigt 90 Cent. Er appelliert aber weiterhin an die Regierung, schnell zu helfen: "Es braucht aber eine Lösung für alle, egal ob Betrieb oder Privatperson."

Das "Hoamat-Menü für Energieversorger" zum Sonderpreis bietet er derweil weiterhin an: "Tischreservierungen nehme ich jederzeit gerne entgegen", scherzt der Gastronom auf Facebook.

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