Auch ultraorthodoxe Juden müssen in Israel künftig Militärdienst oder zivilen Ersatzdienst leisten. Diese stark umstrittene Gesetzesänderung beschloss das israelische Parlament am Mittwoch in Jerusalem. Während die Opposition Debatte und Abstimmung boykottierte, stimmten die Regierungsparteien nahezu geschlossen für die Wehrpflichtreform, gegen die Anfang des Monats 300.000 strenggläubige Juden in Jerusalem demonstriert hatten.
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Seit der Staatsgründung Israels im Jahr 1949 waren ultraorthodoxe Juden, die sich in Vollzeit dem Bibelstudium widmen, von Militär-und Ersatzdienst ausgenommen. Davon profitieren inzwischen mehrere zehntausend junge Männer. Die seit einem Jahr regierende Mitte-Rechts-Koalition, der keine ultraorthodoxen Parteien angehören, hatte die Wehrpflichtreform vereinbart.
Sie war eines der Hauptthemen im Wahlkampf gewesen, aus dem die neu gebildete "Zukunftspartei" als zweitstärkste Fraktion hervorging. Diese liberale Formation hat sich die gleichmäßigere Verteilung der gesellschaftlichen Lasten auf alle Bevölkerungsgruppen auf die Fahnen geschrieben.
Haftstrafe für Verweigerer
Um für den umkämpften Gesetzentwurf, der ab Mitte 2017 auch Gefängnisstrafen für Totalverweigerer ermöglicht, eine eigene Mehrheit der Regierungskoalition zu garantieren, war die Reform mit zwei weiteren Gesetzgebungsverfahren verknüpft worden. Für die Verabschiedung dieses Pakets wurden zugleich nur drei Sitzungstage anberaumt. Deshalb boykottierten die 52 Abgeordneten der acht Oppositionsparteien geschlossen die Debatten und Abstimmungen über alle drei Reformvorhaben.
Kürzere Dienstzeit, dafür für alle
Nach dem neuen Gesetz müssen die Ultraorthodoxen nun stufenweise eine Mindestanzahl junger Rekruten stellen; Ende 2017 soll das Gesetz dann voll in Kraft treten. Gegenwärtig dienen in Israel junge Männer drei Jahre und junge Frauen zwei Jahre lang beim Militär. Diese Dienstzeiten sollen im Zuge der Reformen um mehrere Monate gesenkt werden.
Die nun beschlossene Einbeziehung der Ultraorthodoxen in Militär-oder Zivildienst soll auch ihre bessere Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen, weil an den Thora-Schulen keine weltlichen Bildungsinhalte unterrichtet werden. Die Mehrzahl der ultrareligiösen Männer hat deshalb kein Einkommen, was die Armut ihrer Großfamilien verstärkt, die im Durchschnitt sieben Kinder haben.