Weichselbraun und Co. hufplatteln für "Ferdinand"

Ein monströses Rindsviech geht STIERisch ab – Schuld daran sind auch drei eitle Lipizzaner mit Wiener Schnauze (Mirjam Weichselbraun, Simon Schwarz, Florian Danner). Der Talk:

Wenn Igel Macarena tanzen, Hasen Herzmassagen bekommen und Rinder völlig entrückt an Blümchen schnüffeln – dann ist „Ferdinand" (Animationskomödie aus dem Blue-Sky-Stall, inspiriert vom kultigen Kinderbuch) los! Drei eitle Gockel, pardon, Lipizzaner mischen auch mit, als Wiener Originale mit Hang zum Pathos! Zwei davon galoppierten zum "Heute"-Interview an.



"Heute": Haben Sie heute schon, wie im Film, einen flotten Alpen-Hufplattler hingelegt?


Simon Schwarz: Dazu war ich ausnahmsweise zu müde. Sonst mach ich das natürlich immer.

"Heute": Wie mutiert man eigentlich zu einem Ross? Haben Sie in der Hofreitschule geschnüffelt oder den „Pferdeflüsterer" geschaut?

Schwarz: Natürlich. Ich war in der Hofreitschule, hab mir die Lipizzaner angesehen und auch mehrere Nächte mit einem im Stall verbracht. Nein, man stellt sich Synchronsprechen wirklich einfacher vor, als es ist. Als Schauspieler kriegst du ja ein Drehbuch und musst mehr oder weniger etwas dazu kreieren. Das fällt hier weg, da es ein genaues Vorbild gut, dem man entsprechen muss. Die Amerikaner schaffen eine Charakter, der auf der ganzen Welt möglichst eins zu eins übernommen werden soll. Es wird im Studio alles einzeln gemacht, Wieherer für Wieherer, Lacher für Lacher. Man ist dabei auch immer alleine, die Mitspieler sind nie dabei. Man muss sich was suchen und auch finden, um es genau so zu machen, wie es das Vorbild gemacht hat.

Mirjam Weichselbraun: Der Name sagt hier alles. Ich bin eine Lipizzanerin, die Sissi heißt. Kaiserlicher geht's ja kaum. Sie ist sehr stolz und eitel und bedient jedes Klischee. Zu Beginn im Studio dauert's natürlich ein bisschen, um sich reinzufinden. Bis die Stimmfarbe gefunden ist – und bei Sissi der Lacher. Als das dann geklappt hat, haben wir die Anfangstakes einfach noch einmal gemacht.

"Heute": Wie oft mussten Sie wiehern?

Schwarz: Das ist lustig, das kommt im Film tatsächlich vor, aber ich habe nur einmal gewiehert, sonst nie. Ist in dieser Tanzorgie. Ich glaube, die anderen haben mehr gewiehert, sonst wäre dieses Wiehern nicht so präsent. Oder vielleicht haben sie professionelle Wieherer, die nur das gemacht haben.



"Heute": "Man ist entweder Hackleisch oder Kämpfer", sagt Ferdls Kontrahent Valiente. Was sind Sie?


Weichselbraun: Das verändert sich im Leben, aber schon eher die Kämpferin. Und seit ich Mama bin, noch mehr. Ich mag mich jetzt schon sehr viel lieber als noch vor 15 Jahren, weil ich einfach mit viel mehr Sachen im Reinen bin. Man akzeptiert mehr und verzeiht sich auch einiges. Man lernt, sich selbst ein guter Freund zu sein.

Schwarz: Hackfleisch will nicht nicht sein. Das heißt aber nicht, dass ich es nicht bin. Kämpfer will ich auch nicht sein. Das heißt aber auch nicht, dass ich es nicht bin. Also entscheide ich mich für irgendwas dazwischen – was auch immer das ist.

"Heute": Wurde Rindsbraten wegen der Rolle vom Weihnachtsmenü gestrichen?

Weichselbraun: In Tirol essen wir Rindsuppe mit Nudeln und Würstel. Wir feiern zweimal, fliegen dann nach England. Geschenke für meine Tochter (4, Anm.) gib's aber nicht doppelt. Für Kinder bedeutet Weihnachten ja immer Geschenke. Aber ich versuche schon, das Ganze mit ein bisschen mehr Zauber zu versehen.

Schwarz: Bei mir gibt's Stierhoden. Nein, das Menü steht noch nicht. Normalerweise feiere ich groß, heuer klein. Mit Traditionen soll man ja hin und wieder brechen, lernen wir auch im Film.



"Heute": Was lernen wir noch?


Schwarz: Dass es gut ist, anders zu sein. Weil man dann ja anders ist, als die anderen. Wobei, Trump lebt uns ja auch ständig vor, dass er ist, wie er ist. Eben ein bisschen anders. Das ist also nicht immer die ideale Lösung, aber im Fall von Ferdinand auf jeden Fall. Wenn man so ein starker Bursche ist, muss man nicht immer den starken Burschen raushängen lassen. Sondern man kann auch mit der Liebe zu Blumen ein starker Bursche sein.

Weichselbraun: Du kannst sein, wie du bist. Ferdinand hadert nie mit sich. Er weiß immer, dass er nicht das sein muss, was die anderen von ihm erwarten. Sei du selbst und das ist gut so. Eine schöne Botschaft!

"Heute": Würden Sie diesen Film auch einem kleinen Kind zeigen. Die Themen, die da reingepackt werden, sind ja schon die ganz großen. Tod, Mobbing, die Suche nach Freunden…

Schwarz: Ich würde generell keinem Kind alleine irgendeinen Film zeigen. Ich würde davon abraten, Kinder, nur weil es einfach ist, alleine vor den Fernseher zu setzen oder ins Kino zu schicken. Wenn sie älter sind auch nur in der Gruppe, damit sie danach darüber sprechen müssen. Eltern sollten diese Pflicht wahrnehmen, die Verantwortung dafür zu übernehmen, was sie ihrem Kind zeigen. Und dazu gehört, dass sie es auch selbst anschauen. Bei "Ferdinand" ist das ja einfach, weil's ein Familienfilm ist. Bei den "Teletubbies" war's schon schwierig. Aber wenn ich der Meinung bin, das ist ein totaler Schmarrn, warum mute ich das dann meinen Kindern zu?

Weichselbraun: Ich denke, meiner Tochter würde ich den Film noch nicht zeigen. Einfach, weil ich mit ihr noch nicht im Kino war und sie einige Dinge, wie den Schlachthof, nicht verstehen würde. Ich glaube aber, dass Kinder mit vielen Themen anders umgehen und sie als selbstverständlicher empfinden, als Erwachsene. Der Film hat alles drinnen: Er ist traurig, lustig, berührend, chaotisch – da hat das Buch dazu eine tolle Vorlage geliefert. Mit meiner Nichte, sie ist 9, schaue ich "Ferdinand" bestimmt an.

"Heute": Haben Sie schon einmal einen Stierkampf gesehen?

Schwarz: Nein, damit kann ich tatsächlich nichts anfangen. Gar nichts. Ich gehöre auch nicht zu denen, die sagen, aus einer Tradition heraus ist es erlaubt, Tiere zu unterdrücken. Das gilt für mich nicht. Für mich gibt es keinen Grund, ob religiös oder kulturell begründet, ein Lebewesen zu unterdrücken.

Weichselbraun: Dass Menschen so etwas unterhaltsam finden können, ist mir ein Rätsel. Manche Traditionen sind ja was Gutes, deshalb versuche ich, auch zu verstehen, was hier dahinter steckt. Aber nein, an dieser Tradition kann ich einfach nichts Schönes finden.

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